Ausgabe 1/2004 vom 02.02.04

Satellitennavigation für Freizeitsportler

Noch immer ist GPS ein Nischenmarkt

Ob Mountainbiker, Radwanderer oder Ski-Langläufer: Alle könnten das Global Positioning System (GPS) nutzen. Doch Kritiker monieren den Vertrieb der Endgeräte. Während es Handys oder MP3-Player in jedem Elektromarkt gibt, muss man nach GPS-Empfängern und fachkundiger Beratung noch suchen.

(TTM) - Glaubt man den Zahlen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC), ist Deutschland kein Volk von Auto- sondern von Radfahrern: 45 Millionen Privat-Pkws stehen rund 65 Millionen Räder gegenüber. Und immer mehr Menschen wählen den Fahrradsattel als Urlaubsdomizil: Im Jahr 2002 verbrachten rund zwei Millionen Deutsche ihren Haupturlaub auf dem Fahrrad, vornehmlich im eigenen Land. Längst bemühen sich deshalb zahlreiche Urlaubsregionen um diese Klientel: Radwege werden gebaut und ausgeschildert und unter dem Schlagwort "Bett & Bike" finden sich in Deutschland mittlerweile über 3300 Übernachtungsmöglichkeiten entlang der offiziellen Radwanderrouten. In einigen Regionen ist der Fahrradtourismus inzwischen ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Nach Angaben des ADFC sind allein im Münsterland etwa 6000 Menschen im Radtourismus beschäftigt.

Nicht verwunderlich, dass im Hasetal bei Osnabrück eine der ersten und längsten GPS-gestützten Radtouren in Deutschland realisiert wurde. Über 265 Kilometer kann sich der radelnde Urlauber von einem am Lenker montierten Empfänger von den Satellitensignalen des Global Positioning Systems (GPS) leiten lassen. Ortskenntnisse sind dafür ebenso wenig nötig wie technisches Wissen. Die Geräte werden beim Start der Tour in Osnabrück verliehen und zeigen wie ein Navigationssystem im Auto per Pfeil die Richtung an. Lediglich auf die Sprachausgabe muss der Radler verzichten. Das technische Prinzip ist vergleichsweise simpel: In nahezu jedem GPS-Gerät lassen sich Routen als Abfolge so genannter Trackpoints speichern. Jeder Trackpoint ist nichts anderes als eine bekannte Koordinate. Das Gerät ermittelt nun dank der im All kreisenden Satelliten die aktuelle Position und setzt diese in Bezug zum vorgegebenen Trackpoint. Das Ergebnis ist die Richtungsanzeige in Form eines Pfeils. So hangelt sich das Gerät im Laufe der Radtour von Trackpoint zu Trackpoint. Einige hundert, manchmal über tausend Trackpoints, definieren die Route. Trendsetter bei den Radfahrern sind laut Thomas Froitzheim, der beim ADFC das Thema GPS bearbeitet, die Mountainbiker. "Wer sich ein Rad für 1500 bis 2000 Euro leistet, hat auch kein Problem, noch mal 200 Euro für ein GPS-Gerät zu investieren", sagt der Fahrradexperte.

Außerdem haben die Mountainbiker den größten Bedarf nach genauer Orientierung, bevorzugen sie doch Wege abseits der ausgeschilderten Pfade. "Ohne Wegweiser oder Orientierungspunkte in der Landschaft schafft man bei einer Tagestour nur mit topographischer Karte höchstens 40 Kilometer, mit GPS legt man dagegen fast die doppelte Strecke zurück", beschreibt Sven Palmer seine Erfahrungen. Dank GPS entfallen zeitraubende Zwischenstopps zum Studium der Karte. Palmer betreibt die Internetseite www.schwarzwald-biketour.de, wo er nach dem Prinzip der Trackpoints einige Routen im Schwarzwald zum Download zur Verfügung stellt. Mit entsprechender Software lassen sich die Daten aus dem Netz im heimischen GPS-Gerät nutzen.

Ein weitaus umfangreicheres Archiv für GPS-geführte Mountainbike-Touren findet sich auf www.gps-tour.info. Über 250 Routen aus elf Ländern - mit deutlichem Schwerpunkt auf Österreich und Deutschland - hat Dietmar Pointer aus dem österreichischen Neufelden hier gesammelt. Sie stammen nicht nur von ihm, sondern von zahlreichen weiteren Radlern, die ihre Touren mit GPS dokumentiert haben, denn jedes Gerät kann unterwegs auch Trackpoints aufnehmen. Allesamt können kostenlos heruntergeladen werden. Pointners Engagement hat im österreichischen Aigen-Schlägl inzwischen zu ähnlichen Angeboten geführt, wie im Hasetal.

Auch kommerzielle Angebote finden sich im Netz. Die Schweizer Seite www.gps-tracks.com von Christian Steiner und Monika Schuler bietet gegen Gebühr über 2200 Routen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien an. Eigens für diesen Netzauftritt hat das Schweizer Unternehmen Geomatic Ingénierie S.A. ein kleines Softwaretool entwickelt, das es erlaubt, die Tourdaten ohne Zwischenspeicherung und Bearbeitung am PC direkt aus dem Netz ins GPS-Gerät zu laden.

Doch trotz solch erster kostenpflichtiger Angebote gelten GPS-Anwendungen im Freizeitbereich noch immer als Nischenmarkt. Zwar betonen die Deutschlandimporteure der Gerätehersteller Garmin und Magellan, die sich ihren Markt analog zum Rechnermarkt wie Microsoft (Garmin) und Apple (Magellan) aufteilen, dass gerade der so genannte Consumer-Bereich besonders wachse. Doch ADFC-Experte Froitzheim sieht gerade im Vertrieb der Endgeräte das größte Hindernis für eine weitere Marktentwicklung. "Versuchen Sie mal als Otto-Normalverbraucher ohne besondere Vorkenntnisse ein GPS-Gerät zu kaufen", sagt Froitzheim. Ein Angebot finde sich ausschließlich zwischen Rucksäcken, Zelten und Kochgeschirren in Spezialgeschäften für Outdoor- und Campingbedarf. "Und dort mangelt es an fachkundiger Beratung in Sachen GPS", kritisiert Froitzheim. Nach seiner Ansicht fehlt ein großes, übergreifendes Marketing- und Vertriebskonzept für die Endgeräte. Auch müsste das Design der Empfänger besser an die Zielgruppe der Freizeitsportler angepasst werden. Werde diese Hürde genommen, sieht er ein "gewaltiges Potenzial" für GPS im Freizeitbereich.

Wie zum Beweis dieser These hat Garmin im Dezember den so genannten "ForeRunner" herausgebracht. Das 229 Euro teure Gerät ist zwar ein GPS-Empfänger, nutzt die Positionsdaten aber in erster Linie, um Angaben zur zurückgelegten Weglänge und Geschwindigkeit für Ausdauersportler wie Marathonläufer, Inlineskater oder Ski-Langläufer zu berechnen. Das wie eine Armbanduhr zu tragende Gerät findet laut Peter Pfrüner, Pressesprecher der GPS GmbH, eine "abartig hohe Nachfrage". Innerhalb weniger Wochen gingen über 1000 Bestellungen ein.




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