Ausgabe 02/2008 vom 03.03.2008

Kulturstiftung erstellt Online-Bildarchiv für digitale Fotos auf Open-Source-Basis

Spurensuche im Kloster

In Zeiten der analogen Fotografie war jedem Hobbyfotografen bekannt, was mit einem 24er oder 36er Film gemeint war, nämlich die Anzahl der Bilder, die auf einen Film passt. In Zeiten der digitalen Fotografie ist das Rechnen mit Speichermedien in eine neue Dimension getreten. Speicherplatz steht in nahezu unermesslichem Umfang zur Verfügung. Und so belegen auch Studien, dass niemals so viel fotografiert wurde, wie seit der Erfindung der Digital-Kameras.

Aber nach den Problemen des Mangels kamen jene des Überflusses: Noch nie war es so schwierig, die vorhandenen Fotos zu archivieren wie seit der Erfindung der Digital-Kameras. Und das gilt nicht nur für den Privatmenschen, sondern auch für die professionellen Nutzer der Fotografie, etwa für die Dokumentation. „Wo es früher ein paar Aktenschränke taten, müssen heute Stapel von Festplatten herhalten“, berichtet Klaus Henneberg. Der Referatsleiter für IT ist Angestellter der Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt (SDS) und hat ein Programm entwickelt, mit dem Fotos in einem digitalen, internetbasierten Archiv verwaltet werden können.

Die SDS ist eine Behörde, die zahlreiche Liegenschaften in ganz Sachsen- Anhalt verwaltet. Zu den damit verbundenen Aufgaben gehören unter anderem die Betreuung von Bauvorhaben im Rahmen der Erhaltung, Restaurierung beziehungsweise Erneuerung von Bausubstanz sowie deren Dokumentation.

Ebenso fallen im Rahmen wissenschaftlicher Forschungsaufgaben oder der Archivierung und Bestandspflege von Kunst- und Kulturgut Bilddateien von beachtlichem Umfang an, die teilweise auch für die Fördermittelbeantragung bei Restaurationsvorhaben genutzt werden. „Dieser Datenbestand wurde bisher dezentral vorgehalten - meist in Ordnerstrukturen auf mehreren Datei- Servern innerhalb der SDS verteilt“, berichtet Henneberg. Damit war zunächst einmal lediglich die Aufbewahrung der Fotos sichergestellt. Die thematische Suche nach Bildern „konnte sinnvollerweise nur von dem Fotografen selbst vorgenommen werden, da nur er die Entstehung der Bilder, deren Inhalt oder die beabsichtigte Aussage kannte“, beschreibt der Diplomingenieur für Informationstechnik die Zeiten vor Einführung des Bildverwaltungsprogramms.

Bei der Suche nach einer geeigneten Softwarelösung half Henneberg sein privates Faible für die Fotografie. „Auch ich war damals auf der Suche nach einer Software für die Bildarchivierung und da kam die Idee, auf Basis von Open-Source-Systemen eigenständig eine Lösung zu entwickeln.“ Zusammen mit Freunden aus dem privaten Umfeld schaute er sich die am Markt verfügbaren Programme an, die jedoch nur als Einzelplatzlösung für private Anwender zur Verfügung standen. „Wir haben dann die Funktionen als Vorbild genommen und auf Basis einer Internetarchitektur neu programmiert, berichtet der Hobby-Fotograf.

Als Ergebnis entstand mit pic2base eine Online-Bilddatenbank, die auf einem Webserver im lokalen Netz installiert ist und von allen Rechnern im Netz per Browser genutzt werden kann. Mit dem Archivsystem ist es möglich, digitale Bilder zu erfassen und Beschreibungen, Bildbewertungen oder Geokoordinaten hinzuzufügen. So kann beispielsweise der Aufnahmeort der Bilder gespeichert werden. Dazu erfolgt eine automatische Geo-Referenzierung, bei der die Lagedaten eines GPS-Empfängers, der bei der Bildaufnahme vom Fotografen mitgeführt wird, über einen automatischen Algorithmus in den Bildspeicher übernommen werden. „Es besteht aber auch die Möglichkeit, diese Informationen nachträglich manuell einzufügen“, berichtet Henneberg. Dazu können die Koordinaten des Bildes, etwa einer bestimmten Häuserfassade oder eines Portals, aus Google Maps herausgelesen und dann dem Bild per Klick zugefügt werden. So sei es auch möglich, bestehende Bilder nachträglich mit Ortskoordinaten zu versehen.

Das Archivsystem nutzt eine Besonderheit der digitalen Fotografie. Beim Bildspeicher ist neben den pixelbasierten Bilddaten noch Platz für so genannte Metadaten, also Daten „über“ das Bild, wie etwa Belichtungszeit, Blende, Brennweite, Datum und Zeit. Diese Informationen werden als so genannte Exif-Daten automatisch mit gespeichert. „Damit bildet die Bilddatei sozusagen den „Behälter“ für weitere, mit dem Bild im Zusammenhang stehenden Informationen wie zum Beispiel einem Luftbild oder einem Kartenausschnitt“, berichtet Henneberg.

Die Software befindet sich derzeit bei der Stiftung Dome und Schlösser im Probebetrieb. „Die Lösung ist theoretisch in allen Verwaltungsstellen der SDS in ganz Sachsen-Anhalt verfügbar, doch zurzeit testet nur ein eingeschränkter Personenkreis die Lösung“, erklärt Henneberg. Noch in diesem Jahr soll pic2base zum festen Bestandteil der SDS-Softwarelandschaft werden. Bisher seien die Reaktionen der Kollegen sehr positiv. Nur sei jetzt bereits absehbar, dass die Mitarbeiter eine Breitband- Internetanbindung benötigen, um das Programm im Internet nutzen zu können. „Eine normale ISDN-Verbindung reicht leider nur sehr bedingt, das mussten die Kollegen von einem SDSStandort bereits feststellen“, berichtet Henneberg. (sg)




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