Ausgabe 4/2005 vom 30.05.05

Das Besucherleitsystem der Bundesgartenschau führt Gäste automatisch über das Gelände

GPS-Führung für Gartenfreunde

Durch meine Adern fließt modernste Satelliten- Navigation. Mein Organismus ist ein moderner Handheld mit integrierter GPS-Antenne“ – den Brückenschlag zwischen Mensch und Maschine versucht der BuGa-Butler gleich bei seiner Vorstellung zu schaffen. Wirklich menschlich ist das Gerät für das Besucherleit- und Informationssystem (Blis) der Bundesgartenschau (BuGa) nicht, obwohl die Münchener Schauspielerin Gabriele Misch den Text für 15 Stunden Information per Sprachausgabe eingesprochen hat. Dafür passt sich der Personal Digital Assistant (PDA) den Bedürfnissen des Besuchers der BuGa in München an. Er beantwortet ihm neben allen Fragen zu Pflanzen dank Globalem Positionierungssystem (GPS) auch die auf 190 Hektar Ausstellungsfläche relevante Frage: Wo bin ich eigentlich?

Der BuGA-Butler basiert auf dem PDA Yakumo Delta GPS 300 und wurde speziell für die Bundesgartenschau angepasst. Bis zu zehn Stunden soll das mit zwei zusätzlichen Akkus ausgestattete Gerät einsatzbereit sein, es ist stoßsicher verpackt, verfügt über einen Lautsprecher und ein angepasstes Windows Mobile-Betriebssystem, das fehlerresistent sein soll. Damit auch Menschen den BuGa-Butler nutzen können, die keine Erfahrung mit Computern haben, wurde die Bedienung einfach gehalten. „Der Besucher kann das kleine, leichte Gerät einfach umhängen“, erklärt Wolfgang Inninger, vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik, das den elektronischen Informationsdienst mitentwickelt hat. „Dann ist es kinderleicht zu bedienen“, ergänzt er. Über sechs Felder auf dem Display können nähere Informationen zu Pflanzen, Touren und Wegen abgefragt werden. Wem das zu kompliziert ist, der kann sich auf die drei Tasten am PDA beschränken. Hier können Informationen abgerufen, gezielte Touren ausgewählt oder eine automatische Führung gestartet werden. Im Automatikmodus wird das Gerät von GPS-Satelliten geortet und sobald sich der Träger des BuGa-Butlers einem interessanten Punkt wie dem Zellgarten oder der Blumenhalle nähert, erzählt ihm der elektronische Butler automatisch, was die Höhepunkte und Hintergründe dieses Ausstellungsareals sind.

Neben der Sprachausgabe bekommt der Besucher auch alle Informationen per Bild und Text auf dem Display dargestellt. In der Kartendarstellung des Geländes kann sich der Besucher wiederfinden, sobald er via Satellit geortet ist. Anhand der Signallaufzeiten zu mehreren Satelliten berechnet der GPS-Empfänger im BuGa-Butler automatisch den aktuellen Standort des Besuchers. Dadurch kann der PDA auf Veranstaltungen hinweisen, die in Kürze in der Nähe des Besuchers stattfinden. Das Besucherleit- und Informationssystems Blis soll Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort bereitzustellen, fasst die Kooperation der Blis Informationsdienste GmbH die Aufgabe ihres jüngsten Sprosses zusammen. Den BuGa-Butler entwickelte eine Kooperation des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik (IML) mit der proTime GmbH für Informationslogistik unter Mitarbeit von BuGa 05 und Dertour. Mit ihm zieht erstmals Satellitennavigation in den Veranstaltungs- und Touristikbereich ein. „Die einzelnen Techniken, die wir einsetzen sind bekannt und erprobt“, sagt Wolfgang Inninger, Projektleiter beim IML. „Unsere Innovation liegt darin, sie zu einer neuen Anwendung zu verknüpfen.“ Neben Attraktionen der BuGa zeigt der Butler dem Besucher auch Themenwege und lädt ihn ein, sich im Geocaching zu versuchen, der modernen Schatzsuche über Koordinaten und GPS.

Auf dem PDA ist auch ein Hörspiel im MP3-Format gespeichert, das die Besucher im Zellengarten auf den Mars entführt. Für 14 Euro Leihgebühr versorgt der BuGa-Butler die Gartenfreunde mit multimedialen Informationen, allerdings müssen als Pfand für den modifizierten PDA Kreditkarte, Ausweis mit EC-Karte oder 500 Euro hinterlegt werden. Eine abgespeckt Version des Besucherleitsystems stellen die Veranstalter für 9,90 Euro mit dem BuGa- Führer bereit. Dem elektronischen Führer fehlen Sprachautomatik und Navigation, die Bedienung erfolgt über Bildschirmberührung und Informationen müssen aktiv abgerufen werden. Das Bayerische Wirtschaftsministerium förderte die Entwicklung des BuGa-Butlers als eine mögliche Anwendung für das geplante europäische Satellitennetz Galileo. (bk)


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