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Ausgabe 06/2008 vom 07.07.2008
Schweizer Bauunternehmen Eberhard Bau nutzt Telematik für Aufbau eines Logistikkreislaufs
Vom Auftrag zur Rechnung
Langsam nähert sich der
Fahrer mit seinem 40-Tonner
der Baustelle, die er mit
einer Ladung Betonkies
versorgen soll. Noch während
er die schmale Einfahrt passiert,
erscheint auf einem Bildschirm in der
Zentrale seines Unternehmens ein Symbol,
das anzeigt, dass der Fahrer mit seinem
Lkw am Zielort angekommen ist.
Geofencing nennt sich diese Funktion,
mit der Gegenstände per GPS in
einem zuvor definierten Raum lokalisiert
werden. Sie ist eine von mehreren
Anwendungen, die das Schweizer
Bauunternehmen Eberhard Bau in die
Telematiksysteme seiner Fahrzeuge integriert
hat.
Bereits vor 15 Jahren hat das Zürcher Familienunternehmen mit der Verzahnung von Logistik und Informatik begonnen. Damals stand die automatische Erfassung von Arbeits- und Ruhezeiten sowie die Analyse von Fahrzeugdaten im Vordergrund. Heute verwendet Eberhard Bau das Bordcomputersystem Transpo-Drive 2010 des Schweizer Systemintegrators Nufatron. Zusammen mit der Dispositionssoftware Transportpro des IT-Entwicklers Borema bildet der Bordcomputer die Telematikeinheit. Das System speichert Informationen über Arbeits- und Ruhezeiten, analysiert die Fahrzeugdaten, bestimmt Position und Ladungsstatus des Fahrzeugs, dient zur Kommunikation zwischen Fahrer und Zentrale, erstellt automatisch Rechnungen und navigiert den Fahrer zur Baustelle. Neben verschiedenen Spezialfahrzeugen und 50 eigenen Lkw nutzt Eberhard Bau nach eigenen Angaben noch 25 Fremdfrachter, um die Baustellen mit Baumaterialien zu versorgen oder den Bauschutt abzutransportieren. Auch diese sollen künftig mit Telematiksystemen ausgestattet werden. „Ziel ist, in einer späteren Phase auch die Fremdfrachter zu integrieren, wofür sich das fahzeugunabhängige, mobile Transpo-Drive 2010 ohne Einbauarbeiten eignet“, sagt Markus Kaiser von Nufatron. Was sich am Beispiel des Schweizer Bauunternehmers darstellen lässt, ist die Tatsache, dass Telematiksysteme im Zentrum einer Prozesskette stehen. Zunächst schickt die Zentrale ihrem Fahrer per GSM oder GPRS den jeweiligen Auftrag auf seinen Bordcomputer. Dieser bestätigt den Auftrag und fährt mit Hilfe des Navigationsgerätes zur geforderten Baustelle. Während der Fahrt können die Disponenten den Weg des Fahrzeugs am Bildschirm in Echtzeit verfolgen. Sobald der Fahrer am Einsatzort eingetroffen ist, meldet er dies per Computer an die Zentrale. Ist der Auftrag erledigt, lässt der Fahrer den Kunden auf dem Touchscreen des Bordcomputers unterschreiben, was automatisch die Zustellung des Lieferscheins auslöst. Die Daten des Fahrers zu Arbeits- und Ruhezeigen werden ebenso an die Zentrale übermittelt und fließen direkt in das Lohnprogramm des Unternehmens ein. Übermittelte Fahrzeugdaten helfen bei der kontinuierlichen Wartung des Fahrzeugs. „Weil das Telematiksystem in das bestehende EDV-System integriert ist, kann es vom Unternehmer als Controlling-Werkzeug eingesetzt werden“, sagt Kaiser. „Damit wird der Transportlogistik-Regelkreislauf geschlossen.“ Wie wichtig Telematikanwendungen gerade auch in der Baulogistik sind, ist bereits auf der letzten IAA Nutzfahrzeuge in Hannover gezeigt worden. Kunibert Schmidt, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), meinte, dass Telematik vor allem für das Verkehrsmanagement bei Innenstadt-Baustellen von Bedeutung sei. Hier spielt beispielsweise die Navigationsfunktion eine große Rolle, wenn nicht Großbaustellen, sondern Tagesbaustellen mit Material beliefert werden müssen. „Gerade bei kurzfristig geplanten Einsätzen erleichert es die Arbeit der Fahrer, wenn durch die Annahme eines elektronisch zugestellten Auftrages die Zieladresse direkt in das Navigationssystem übergeben wird“, sagt Kaiser. Das von Eberhard Bau gewählte Telematiksystem ist modular aufgebaut. „Dadurch wird gewährleistet, dass man auch bei einem phasenweisen Einstieg in die Telematik keinen teuren Systemreihensprung mitmachen muss, wenn man sich später für eine Profi-Anwendung entschließen sollte“, meint Kaiser. Ob die Softwaretools der Disposition als Internetlösung oder fest installierte Serverapplikation realisiert werden sollten, ist laut Kaiser „eine Philosophiefrage, an der sich die Geister scheiden“. (ks)
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