Ausgabe 7/2001 vom 12.11.01

NACHRICHTEN
Kursk simuliert
Der norwegische Autodesk-Partner AGS hat eine dreidimensionale Simulation des im August vorigen Jahres unter ungeklärten Umständen versunkenen russischen Atom-U-Bootes Kursk in der Rekordzeit von zehn Arbeitstagen entwickelt. Die Simulation bildete die Planungsgrundlage für die kürzlich beendete Bergung des Bootes. Zuvor existierten von der 1994 in Dienst genommenen Kursk nur Papierpläne, die zahlreiche Unklarheiten aufwiesen. Mit Hilfe einer speziellen Software von Autodesk konnten laut AGS auch diese nun korrigiert werden.

Klimaforschung im Ural
Die Europäische Union hat das multinationale Klimaforschungsprojekt Siberia II an die Universität Jena vergeben. Das auf dreieinhalb Jahre angelegte Großprojekt soll in einem zwei Millionen Quadratkilometer großen Gebiet östlich des Urals Daten für zuverlässige Klimamodelle sammeln. Zwölf geowissenschaftliche Satelliten und 14 Forschungsinstitute aus Westeuropa und Russland werden laut Projektleiterin Christiane Schmullius dabei helfen, die existierenden Klimamodelle zum ersten Mal an der Wirklichkeit zu überprüfen.

Straßennamen erfasst
Die Bayerische Landesvermessungsanstalt hat die Erfassung sämtlicher Straßennamen in Bayern abgeschlossen. Die etwa 185.000 georeferenzierten Straßennamen sind jetzt Teil des amtlichen topographisch kartographischen Informationssystems ATKIS. Damit können nun private Geodatenbestände über die jeweiligen Koordinaten mit amtlichen Straßendaten verknüpft werden. Die Straßendaten sollen künftig jährlich aktualisiert werden.



NACHRICHTEN - VERSORGUNG & KOMMUNIKATION
Finnen-Fusion
Das Softwarehaus Tekla Corporation hat Teile des Systemanbieters Enfo- Group Plc. (ehemals Tietosavo Plc.) übernommen und ist somit nach eigenen Angaben zum führenden Informationssystem-Dienstleister auf dem nordeuropäischen Energiesektor aufgestiegen. Von der 13,1 Millionen Euro teuren Transaktion erhoffen sich die beiden finnischen Unternehmen Synergieeffekte in den Bereichen Service, Vertrieb und Marketing. Tekla, die für große Teile der Netzdokumentation der Hamburgischen Electricitäts-Werke AG (HEW) die Software geliefert hat, vervollständigt durch die Fusion ihren Geschäftsbereich Öffentliche Infrastruktur.

Technologie-Export
Der von der RWE entwickelte Internetanschluss über die Stromleitung wandert von Deutschland ins benachbarte Ausland. Wie die Tiroler Wasserkraftwerke AG (Tiwag) mitteilte, hat das österreichische Verkehrsministerium erste Genehmigungen für die unter dem Namen Powerline Communication (PLC) gehandelte neue Internet-Technologie erteilt. In naher Zukunft sollen die Städte Innsbruck, Silz, Fulpmes, Fügen, Lienz und Stillupklamm damit über die Steckdose online gehen können. Gegenüber der Einwahl über die Telefonleitung bietet die PLC höhere Übertragungsgeschwindigkeiten und einen problemloseren Zugang.

Kein Gegensatz
Eine drastische Reduktion der Kohlendioxidemissionen und der Einstieg ins solare Zeitalter stehen nicht im Gegensatz zu einer hohen Lebensqualität. Dies ist ein Ergebnis der Tagung "Das 21. Jahrhundert im globalen Klimawandel", die im Oktober in Bayreuth stattfand. Nach Meinung der dort versammelten Fachleute bergen Maßnahmen wie die Wärmedämmung bei Altbauten, die Einführung des Drei-Liter- Autos und ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen außerdem noch große Potenziale, um Energie einzusparen. Auch seien mit der Ökosteuer und dem Energieeinspeisungsgesetz bereits Projekte mit positiver Wirkung in die Tat umgesetzt worden.

Test in Münster
Den Prototyp eines mobilen Stadtinformationssystems testet derzeit Kai Jens Altgott vom Institut für Geoinformatik der Universität Münster. Vor dem Hintergrund der hohen Investitionen in den künftigen Mobilfunkstandard UMTS will Altgott im Stadtgebiet Münster herausfinden, welche standortbezogenen Dienste besondere Nachfrage finden. Abhängig vom Standort können die Nutzer in Münster sich per tragbarem Taschencomputer die nächstgelegenen Einkaufsmöglichkeiten ebenso anzeigen lassen, wie den Weg zum nächsten Parkplatz. Für die Ortung der Nutzer greift Altgott auf das amerikanische Satellitennavigationssystem GPS zurück, was einen entsprechenden Empfangschip im Endgerät voraussetzt.



NACHRICHTEN - BEHÖRDEN & KOMMUNEN
GIS gegen Hochwasser
An einer Maßnahmenkarte für den Hochwasserschutz im Saar-Lor- Lux-Raum arbeiten zur Zeit die Institute der Physischen Geographie und der Angewandten Mathematik von der Universität Saarbrücken zusammen mit der saarländischen Spin-Off-Firma ISCA. Bei dem von der EU geförderten Projekt soll ermittelt werden, wann und wo im rund 60.000 Hektar großen deutsch-französischen Einzugsgebiet der Blies die höchsten Pegelstände auftreten und welche Ursachen sie jeweils haben. Die Beteiligten legen dabei nach eigenen Worten erstmals besonderes Augenmerk auf den Einfluss der Bodennutzung im ländlichen Raum. Als Datengrundlage dienen mit Geoinformationssystemen erstellte digitale Höhenmodelle und Landnutzungskarten.

Autodesk fördert CAD
Der Softwarehersteller Autodesk hat ein umfassendes Schulungs- und Ausbildungskonzept angekündigt, um Schüler und Studenten frühzeitig mit der CAD-Technologie vertraut zu machen. Im Rahmen der Kampagne "Nie wieder radieren" will die Softwareschmiede nach eigener Aussage allgemeinen und berufsbildenden Schulen, aber auch Volkshochschulen besondere Konditionen beim Kauf ihrer Programme anbieten. Um den Bedürfnissen des Schul- und Ausbildungsmarktes gerecht zu werden, sei auch die Firma c&H als neue Vertriebspartnerin gewonnen worden, denn dieses Unternehmen sei auf Bildungseinrichtungen besonders spezialisiert.

Streit um Domain
Die neue Internet Domain .info dürfte schon vor ihrer Freischaltung die Gerichte beschäftigen. Von den 16 deutschen Bundesländern haben sich nur Bremen, Berlin, Sachsen und Bayern die neue Adressen-Endung gesichert. Den Großteil der übrigen Landesnamen dagegen hat der österreichische Tourismusanbieter TIScover erworben, darunter beispielsweise niedersachsen.info. Da die neue Domain für die Wirtschaftsförderung und für touristische Zwecke großen Wert besitzt, erwartet Raban Woryna vom Fachportal markenplatz.de entsprechende juristische Verfahren. Die niedersächsische Landesverwaltung hat den Vorgang um die Registrierung ihrer .info-Domain bereits an die Rechtsabteilung weitergegeben.

Luzern im Internet
Für die 21 Verbandsgemeinden des Regionalplanverbandes Luzern wird jetzt ein gemeinsames, interaktives Ortsinformationssystem im Internet aufgebaut. Es wird den Bürgern laut Regionalplanverband zum Beispiel ermöglichen, sich über Öffnungszeiten von Behörden zu informieren. Ebenso könnten Besucher dort künftig aktuelle touristische Angebote einholen. Zusätzlich sollen Informationen der Wirtschaftsförderung, beispielsweise zu freien Gewerbeflächen, integriert werden, die dann flächendeckend für den gesamten Planungsraum abrufbar seien. Besonderen Wert lege man auch auf eine anwenderfreundliche Gestaltung der Seiten.



NACHRICHTEN - VERKAUF & VERTRIEB
M-Commerce: Mangelhaft
Deutsche Unternehmer wissen nicht genug über die Möglichkeiten des M-Commerce. Das ist das von Wilhelm Alms, dem Vorstandsvorsitzenden der Mummert und Partner AG, verkündete Ergebnis einer Studie der Hamburger Unternehmensberatung. Danach weiß fast jeder dritte Unternehmer nicht, wie Mobilfunkgeräte sein Geschäft voranbringen könnten. Als Folge bleibe das Handy als Instrument fürs Marketing weitgehend ungenutzt. Dennoch kämen die Firmen um das Mobiltelefon künftig nicht herum. Nach Ansicht von Alms wird das M-Business seinen Durchbruch in spätestens fünf Jahren erlebt haben.

Logistic Chain Analyzer
Exakte Koordination aller betrieblichen Vorgänge rund um Produktion und Warenvertrieb ist das Ziel des vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) entwickelten Logistic Chain Analyzer (LCA). Die Software soll helfen, Zulieferketten besser zu organisieren. Entscheidender Fortschritt gegenüber bisherigen Programmen sei die Möglichkeit, Lieferketten bei kurzfristigen Schwankungen der Kundennachfrage sehr schnell neu organisieren zu können. Durch zu jedem Zeitpunkt optimal aufeinander abgestimmte Lager- und Transportkapazitäten könnte die Produktion stets gleichmäßig ausgelastet werden, so die Wissenschaftler.

PLZ-Gemeinde-Daten
Die infas-Geodaten GmbH liefert ihre Datenpakete jetzt auch mit einem neuen, vermischten räumlichen Bezugssystem. Erstmals können damit Daten etwa zur Kaufkraft in einer Karte nebeneinander sowohl unter Bezug auf die Gemeinde, als auch mit Bezug auf das Postleitzahlgebiet dargestellt werden. Bisher musste man sich stets für ein Bezugssystem entscheiden. Das hatte den Nachteil, dass zum Beispiel die Kategorie Gemeinde dünnbesiedelte Dörfer ebenso wie einwohnerstarke Metropolen umfasste. Letztere können nun in ihre Postleitzahlgebiete unterteilt werden, während im ländlichen Raum weiterhin die Gemeinden die Bezugsebene sind. So lassen sich Marketingdaten stets der jeweils feineren Ebene zuordnen.

Kundeninformationen
In Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld will die Dresdner Bank neue Kommunikationskonzepte entwickeln, um ihre Mitarbeiter auf die veränderten Anforderungen durch das Online-Banking vorzubereiten. Wissenschaftler und Banker gehen davon aus, dass sich das Filialgeschäft durch die Internetangebote der Bank und neue Call- Center erheblich wandeln wird. Während einfache Finanztransaktionen künftig vom Kunden selber bewerkstelligt würden, werde in der Filiale die qualifizierte Beratung im Vordergrund stehen. Diese allerdings müsse sich dann auf Daten über den Kunden stützen, die aus den elektronischen Systemen stammen. Gefragt sei daher Wissensmanagement mit Hilfe vernetzter Informationssysteme.



NACHRICHTEN - TRANSPORT & VERKEHR
ÖPNV: Zu wenige Kunden
Zu wenige Kunden, eine schlechte Umweltbilanz und ein ebenso schlechtes Image: Dieses Zeugnis hat die Projektgruppe Mobilität des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) dem Öffentlichen Personennahverkehr in einer gerade erschienenen Studie ausgestellt. Die Wissenschaftler plädieren deswegen dafür, die anstehende EU-weite Liberalisierung des Verkehrsmarktes für einen Kurswechsel zu nutzen. Die Verkehrsbetriebe sollten unternehmerische Kompetenz entwickeln und eine umfassende Dienstleistung anbieten, die als neues Element beispielsweise in Form des Car Sharing auch das Automobil mit einbeziehe.

Neue Frachtenbörse
Daimler-Chrysler will seinen Internetdienst FleetBoard um eine Frachtenbörse erweitern. Die Börse wird laut Daimler-Chrysler auf dem Corporate Exchange Network (CEN) der benelog.com AG basieren. Damit hätten FleetBoard-Kunden künftig Zugang zu einem einzigartigen Verbund aus Frachtenbörsen etablierter Anbieter. Der Vorteil des Netzwerks liege darin, dass über unterschiedliche CEN-Partner mehr Frachten angeboten und mehr Frachtführer erreicht würden, als dies einzelne Frachtenbörsen könnten. Starten soll die Börse im Februar 2002 zunächst in Deutschland, später auch in ganz Europa.

Wettbewerb für Spediteure
Seit Oktober können sich Unternehmen des Transportgewerbes um den 14. Europäischen Transportpreis bewerben. Ziel des Wettbewerbs, dessen Stifter der Verleger Wolfgang Huss aus München ist, sei die Präsentation der Leistungsfähigkeit sowie die Verbesserung des schlechten Rufes des Gewerbes, hieß es in einer Mitteilung. Dafür würden Logistik-Konzepte gesucht, die sich durch Innovationskraft, ökologische Aspekte und den Einsatz moderner Kommunikationssysteme auszeichneten. Der Gewinner des Wettbewerbs unter der Schirmherrschaft von Bundesverkehrsminister Klaus Bodewig wird im Juni nächsten Jahres auf der 14. Internationalen Fachmesse für Logistik und Transport, der Eurocargo 2002, ausgezeichnet.

Virtueller Straßenbau
Mit animierten, dreidimensionalen Visualisierungen will die Universität der Bundeswehr München die Planungen für Straßenbauprojekte verständlicher machen. Auf diese Weise, so die Wissenschaftler, könnten sich Anwohner auf Bürgerversammlungen frühzeitig einen Eindruck der Planungen verschaffen. Konkret wurde dazu jetzt im Rahmen des Forschungsvorhabens "Projektbegleitende Visualisierung von Bauprojekten" die geplante Flughafentangente im Münchener Osten am Bildschirm nachgebaut. Derzeit allerdings seien mit dem Verfahren noch hohe Kosten verbunden. Deswegen wollen die Forscher in Zukunft auf standardisierte Verfahren zurückgreifen.



NACHRICHTEN - UNTERNEHMEN & MÄRKTE
Preis nach Dresden
Die Dresdener 3D-GmbH ist für die Entwicklung eines dreidimensionalen Sichtgeräts, das ohne Stereobrille auskommt, mit dem europäischen "Information Society Technlogies (IST) Price" ausgezeichnet worden. Mit dem Gerät können etwa Architekten ihre Bauvorhaben, Ärzte Ultraschallaufnahmen und Wissenschaftler ihre Mikroskopdaten ohne großen Aufwand dreidimensional visualisieren. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis ist die renommierteste Auszeichnung für innovative Produkte und Dienstleistungen auf dem Gebiet der Informationstechnologien und wird in 20 Kategorien vergeben. Die offizielle Preisverleihung im Dezember in Düsseldorf wird von der Europäischen Kommission organisiert.

Java reicht
Der Softwareentwickler con terra hat jetzt seinen Fachdatenmanager (FDM) Internet/Intranet in der neuen Version 2.0 herausgebracht. Mit dem Datenmanager ist es möglich, Geobasisdaten wie digitale Luftbilder und topographische Karten zentral auf einem Server zu organisieren. Sie werden dem Anwender dann über ein Auskunftssystem zur Verfügung gestellt. Neu an der 2.0-Version ist, dass für den Zugriff auf die Daten lediglich ein Standard Web Browser mit Java-Unterstützung erforderlich ist. Dafür greift die Software auf die Technik von ArcIMS der Firma Esri zurück.

Bergbau am PC
Die Deutsche Steinkohle AG hat zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung ein virtuelles Bergwerksmodell entwickelt. Die auf einem herkömmlichen PC animierte 3D-Umgebung simuliert den Abbauraum der Kohle (Streb) und die eingesetzten Betriebsmittel wie etwa Brecher und Kohlehobel. Dadurch werde die virtuelle Schulung von Bergmännern an den komplexen Maschinen ermöglicht. Zudem könnten neue Anlagen so vor ihrem Einsatz unter Tage risikofrei getestet werden, heißt es in einer Mitteilung. In Zukunft sollen auch die Arbeiten im Bergwerk direkt in der dreidimensionalen Umgebung dargestellt werden, um im Notfall Fluchtwege, Telefone und Erste-Hilfe- Einrichtungen schneller finden zu können.

Parlaments-PCs
"Mein Wunsch wäre es, den Bundestag zur microsoftfreien Zone zu erklären." Diese Meinung vertritt der SPD-Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss. In seiner Funktion als Vorsitzender des Unterausschusses für Neue Medien hat Tauss erneut den Einsatz von Software im Bundestag kritisiert, deren Quellcode nicht offen gelegt sei. Zugleich warf er Microsoft massives Lobbying vor, um die im kommenden Jahr anstehende Entscheidung über die Modernisierung von rund 5.000 PCs in der Bundestagsverwaltung zu beeinflussen. Über eine mögliche Umstellung auf das Betriebssystem Linux, die laut Tauss zu erheblichen Einsparungen führen und zugleich die Sicherheit der Systeme erhöhen würde, berät der Bundestag derzeit noch.



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