Expansiv, aber hart umkämpft

mobilemapping

Straßenbefahrung gehört heute auch für kleinere Kommunen zum Standard. Bild: Geotechnik

Kaum ein Teilbereich der modernen Vermessung hat in den letzten Jahren einen solchen Marktaufschwung erfahren wie das Mobile Mapping. Mit den mobilen Vermessungslösungen, die meist auf Fahrzeugen installiert sind, können geometrische Daten systematisch, schnell und vollumfänglich erfasst werden. Im Vergleich zur Vermessung per Pedes ist dies auch wirtschaftlicher. Doch noch immer besteht eine wesentliche Barriere für eine weitere Marktdynamik, denn mobile Vermessungsaufgaben, besonders bei der Straßenbefahrung, werden meist zweckgebunden projektiert. Was heißt das für den Markt?

Grundsätzlich sind die Daten, die per Befahrung meist in 3D erhoben werden, vielfältig einsetzbar. Die Daten liefern nämlich nicht nur ein geometrisches Abbild der Straßenoberfläche, sondern dokumentieren auch den gesamten Straßenraum und können für die Zustandsbeschreibung aller Straßen und Wege sorgen. Kommunen haben erkannt, dass sie auf dieser Grundlage Maßnahmenplanungen optimieren, Straßenkataster anlegen und Ausbesserungs- und Sanierungsarbeiten künftig besser koordinieren können. Weiterhin wird es möglich, beispielsweise auch die Verkehrssicherungspflichten zu unterstützen oder die Installation von Parkraum beziehungsweise die Spuraufteilung bei Baustellen zu planen. Mit zunehmender Erfahrung der Kommunen entstehen immer wieder neue Anwendungsszenarien, etwa bei Kanalsanierungen oder dem Breitbandausbau.

Ebenso lassen sich beispielsweise Genehmigungsverfahren für Schwerlastverkehr unterstützen oder die Umstellung auf LED-Straßenlaternen realisieren. Soweit zum umfassenden Anwendungspotenzial dieser Daten. Bisher ist es jedoch bei Kommunen üblich, die Daten zweckgebunden zu erfassen. Die für Straßensanierung, Doppik oder Erhaltungsplanung verantwortlichen Stellen erstellen demnach die Ausschreibungsunterlagen. Dies hat den Vorteil, dass sich Angebote besser vergleichen lassen können. Mitunter scheint eine Begehung oder herkömmliche Erfassung via Messtrupps kostenschonender als eine Befahrung. Oder eine Low-end-Befahrung eben günstiger als ein vermessungsgenaues Verfahren. Das Potenzial für die Weiterverwendung der Daten wird dadurch aber beschnitten.

Damit einher geht aber die Herausforderung, das Leistungspotenzial der Daten innerhalb der Ausschreibung und damit auch den Preis von Daten, die mit verschiedenen Methoden erhoben werden, zu bewerten. Wie gut also ist das Preis/ Leistungsverhältnis? Was rechtfertigt höhere Kosten, wieviel Qualität bekommt man über günstige Befahrungen? Solche Fragen werden aktuell intensiv diskutiert. Zwar sinken die Preise am Markt, so wie es bei reifen Märkten üblich ist, doch gleichzeitig verbessern sich auch die Methoden, was wiederum höhere Preise rechtfertigen kann.

Derzeit gibt es noch keine neutrale Richtschnur für die Beantwortung dieser Frage. Der Bedarf nach einem objektiven Bewertungsschema, das in Ausschreibungs- und Vergabeprozessen angewendet werden kann, wird aber immer größer. Das Symptom dazu: Hinter den Kulissen herrscht derzeit ein harter Preiskampf und gleichzeitig eine intensive Diskussion um die Datenqualität. Die Qualitätsunterschiede fallen in der Praxis dementsprechend hoch aus. Zum einen, weil die Datenerfassung immer auch ein handwerklicher, von den aktuellen Rahmenbedingungen (zum Beispiel Wetter) geprägter Prozess ist, zum anderen weil manch versprochene Genauigkeit rein technisch oder auch wirtschaftlich nicht eingehalten werden kann. Mehr Objektivität würde dem Markt an dieser Stelle gut tun.

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