Transformation bei Trimble-Partnern

Aus GeoSurvey und S+H Systemtechnik wird das neue Unternehmen AllTerra. Der Trimble-Vertriebspartner will so eine breitere Wertschöpfung bieten.

alterra-bigVor Jahren gab es noch ein klares Rezept für den Vertrieb von Vermessungsprodukten: Die weltweit tätigen Hersteller pflegten ein Netz von regionalen Vertriebspartnern. Die Händler konzentrierten sich darauf, die Standardprodukte in den Markt zu bringen. Diese Struktur hat sich weitestgehend überholt. Der reine Produkthandel verlagert sich immer mehr ins Internet, gleichzeitig werden die Anforderungen bei modernen Vermessungslösungen weitaus komplexer. Händler sind daher gefordert, wesentlich mehr Know-how aufzubauen und Services anzubieten, um beispielsweise auch maßgeschneiderte Lösungen realisieren zu können.

Ein geeignetes Beispiel dafür ist ein Projekt aus Italien, bei dem eine neuartige Vermessungsmethode die bisher etablierte ablöste. Die Firma Gemmlab hatte die Aufgabe, die Straßenbeleuchtungssysteme in mehreren Städten zahlenmäßig zu erfassen. Ziel war es, die Öffentliche Hand dabei zu unterstützen, die Beleuchtung auf eine umweltfreundliche Technik umzustellen und den Energieverbrauch besser zu steuern.

In relativ kurzer Zeit musste also eine immense Menge raumbezogener Daten generiert werden. Zunächst waren vierköpfige Messtrupps unterwegs und erfassten Straßenlampen manuell mit Trimble Juno 3D-Handempfängern. Sie erzeugten GPS-Koordinaten oder zeichneten — wenn dichte Bebauung den Empfang der GPS-Signale behinderte — die Straßenlampen direkt auf der Stadtkarte ein. Ein aufwändiges Verfahren, das Gemmlab dazu veranlasste, nach neuen Wegen zu suchen um diesen Prozess zu beschleunigen, die Kosten zu senken und die Genauigkeit der Datenerfassung und -verwertung zu verbessern.

Mehr Produktivität beim Vermessen

So kam das Unternehmen auf das Mobile Mapping. Konkret kam das fahrzeuggestützte Scan- und Kamerasystem Trimble MX2 zum Einsatz. Bei diesem Mobile Mapping System sind hochauflösendes Laserscanning, sechs Kameras und genaue Positionsbestimmung vereint, um so eine georeferenzierte 3DPunktwolke und 360° Bildpanoramen zu erzeugen. Seither erfassen zwei Mitarbeiter mit einem Fahrzeug, auf das ein Trimble MX2 montiert ist, den kompletten Straßenraum.

Die Daten werden georeferenziert, so dass sie sich zur Merkmalsextraktion eignen. Mit der Trimble Trident Imaging Hub Software werden die Objekte klassifiziert und extrahiert, um sie im GIS in einer einzigen Geodatenbasis zusammenzuführen. Diese Daten besitzen dann nach Angaben von Gemmlab noch eine Genauigkeit von acht Zentimetern. So kann Gemmlab per Mobile Mapping beispielsweise Straßenlampen und ihre zugehörigen Attribute erfassen und die Daten in CAD- und GIS Umgebungen übertragen.

Das Projekt brachte den erwarteten Innovationsschub. Vor dem Mobile Mapping hatte ein vierköpfiger Messtrupp in 14 Monaten manuell mit Handheld Empfängern 36.233 Straßenlampen in 33 Städten erfasst. Durch den Einsatz des Mobile Mapping verdoppelte sich die Tagesleistung, und das bei halbiertem Personaleinsatz. Im Schnitt konnte Gemmlab mit der neuartigen Vermessungsmethode pro Tag 110 Kilometer Straße erfassen.

Neue Firma AllTerra

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Auch in engen Gassen wurden detaillierte Daten erfasst.

Vor dem Hintergrund des Wandels in der Vermessungswelt ist der aktuelle Zusammenschluss von zwei der wichtigsten Partner von Trimble zu verstehen. Seit dem 11.01.2016 haben sich die GeoSurvey und die S+H Systemtechnik zusammengeschlossen und firmieren als AllTerra Deutschland. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Wunstorf bei Hannover. Weitere Standorte sind in Berlin, Hamburg, Leipzig, Greven und Jena.

Beide Unternehmen, langjährige Vertriebspartner von Trimble im Bereich Nord- und Ostdeutschland, erreichen somit eine Größe, die mehr Flexibilität zulässt. Dies soll sich vor allem darin äußern, dass Kunden besser an neue Technologien herangeführt werden können. Ebenso werden die Kompetenzen für kundenspezifische Softwareentwicklungen ausgebaut.

Für AllTerra geht es darum, Kunden bei Neuanschaffungen gewissermaßen auf ihrem Weg zu begleiten. Dafür wird auch das Fachwissen der Vorgängerunternehmen aus den unterschiedlichen Schwerpunkten wie Vermessungswesen, Bergbau, Wasserbau/Hydrographie und GIS-Datenerfassung zusammengeführt. So sollen immer wieder neue Wege und Ideen gefunden werden, um geodätische Aufgaben schneller und effizienter zu lösen.

AllTerra hat nun mit der neuen Unternehmensaufstellung die Möglichkeit, Kunden solche Innovationen wie den Trimble MX2, Trimble MX8, Scan2Map oder Monitoring-Systeme auch wirtschaftlich gesehen mit geringeren Einstiegshürden anzubieten. Neben Leasing sind weitere Finanzierungsmethoden im Angebot. Dazu gehört zum Beispiel auch das sogenannte Pay-as-you-earn-Prinzip. Dabei können die Leasing- Kosten je nach Umsatz mit den neuen Produkten flexibel gestaltet werden.

Bei dem Technologiepaket zahlen Kunden einen festen Betrag pro Monat. Nach drei oder vier Jahren – je nach Kundenwunsch – werden alle Geräte gegen neue ausgetauscht. Somit ist sichergestellt, dass immer gepflegte und hochwertige Technik zum Einsatz kommt. ARGEs können für Projekte spezielle Mietkonditionen in Anspruch nehmen.

 

Drei Fragen an Carsten Grienitz und Volker Wegener von AllTerra

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Carsten Grienitz und Volker Wegener bilden die Geschäftsleitung von AllTerra.

Business Geomatics: Welche Ziele verfolgt das neue Unternehmen AllTerra?

Volker Wegener: Mit dem neuen Unternehmen AllTerra können wir in Zukunft ein breiteres Produktportfolio an innovativen Geospatial Lösungen für Vermessung, Monitoring, 3D Daten-Erfassung und Verarbeitung, Offshore-Positionierung und mobilem GIS anbieten. Vor allem ist es viel einfacher, Lösungen auf Basis der Trimble-Technologie zu konzipieren, zu implementieren oder sogar kundenspezifische Projektlösungen zu entwickeln.

Was verändert sich dadurch langfristig?

Carsten Grienitz: Die Trends in der Geodäsie gehen immer mehr über den reinen Produktvertrieb hinaus. Mehr denn je ist es wichtig, durch partnerschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Kunden gemeinsam erfolgreich zu sein. Das genau ist die Vision, die hinter AllTerra steht. Beispielsweise haben wir in Mobile Mapping Systeme investiert, die wir für Projekte an Ingenieurbüros und Behörden vermieten – inklusive Geo-Referenzierung und Support. Auch wurde in den Ausbau unseres Mietparks investiert. Wir garantieren unseren Kunden beispielsweise, dass wir ihnen werktags innerhalb von 24 Stunden Standardgeräte wie Tachymeter und GNSS-Empfänger an jedem Ort in Deutschland zur Verfügung stellen – egal ob es sich um eine Miete oder den Ersatz bei einem Ausfall handelt. Mit nun vier Werkstätten hat AllTerra ferner das größte und dichteste Servicenetz für geodätische Instrumente in Deutschland.

Welche Bereiche werden durch die Zusammenarbeit gestärkt?

Volker Wegener: Neben dem Mobile Mapping ist die schlüsselfertige Lieferung von permanenten Monitoring-Systemen inklusive Wartung ein weiterer Kernbereich für AllTerra. Neu hinzugekommen ist die Unterstützung beim Bau von Hochhäusern. So hat AllTerra ein System konzipiert und installiert, mit dem Anschlusspunkte für Vermessungen auf der jeweils obersten Ebene des im Bau befindlichen höchsten Hauses Europas realisiert werden. Auch bei Softwareentwicklung ist AllTerra sehr aktiv. Wir entwickeln derzeit für einen Wasserbaukunden ein System, bei dem ein Ponton und eine darauf befindliche Pfahl-Bohrmaschine unabhängig voneinander mithilfe mehrerer GNSS-Empfänger positioniert werden.

www.allterra-dno.de

Bilder: AllTerra

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