Die Vermessung des Berliner Schlosses

Präzise 3D-Messung und Dokumentation beim größten kulturhistorischen Projekt Deutschlands

Modell des fertigen Schlosses: Die barocken Fassaden des Schlüterhofes samt Kuppel werden rekonstruiert. Bild: Fotos/Grafik: Stiftung Berliner Schloss - Humboldtforum / Architekt: Franco Stella mit FS HUF PG

Modell des fertigen Schlosses: Die barocken Fassaden des
Schlüterhofes samt Kuppel werden rekonstruiert. Bilder: Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum / Architekt: Franco Stella mit FS HUF PG

Der Wiederaufbau des Berliner Schlosses als Humboldt Forum ist ein besonderes Großprojekt, denn das Schloss soll an genau der Stelle wiedererrichtet werden, wo es vor der Zerstörung zu DDR-Zeiten stand – und dabei soll es dem Original sogar auf drei Seiten gleichen. Eine echte Herausforderung für die Vermessungsingenieure der ARC-GREENLAB GmbH aus Berlin, die den gesamten Bau vom Entwurf bis zur Fertigstellung vermessungstechnisch begleiten. Grundlage für die Vermessungen ist die Handvermessungs- Stückliste von 1879, die in einem Ostberliner Archiv aufgetaucht ist und über 50.000 detaillierte Grundrissmessdaten des Schlosses enthält. Gemeinsam mit vielen anderen Dokumenten, vor allem Fotografien, ist eine archäologisch und architektonisch genaue Rekonstruktion heute überhaupt erst möglich. 3D Laser-Scanner sollen dabei die Vermessungsarbeit erleichtern, denn bei der Dokumentation historischer Gebäude mit unregelmäßiger Geometrie wie dem Berliner Schloss braucht es eine besonders effektive und genaue Messmethode.

Herausforderungen und Besonderheiten

Für die Vermessungsingenieure der ARC-GREENLAB birgt das Objekt viele Besonderheiten, die den Einsatz von moderner Technik bei der Begleitung und Überwachung der Bauarbeiten unabdingbar machen. Zunächst musste bei der Entwurfsvermessung – mit Blick auf den freigelegten Schlosskeller – geklärt werden, wo das Schloss aufgebaut werden sollte und ob es dort auch hin passt. Dann mussten die Vermesser berücksichtigen, dass zur selben Zeit die neue U-Bahn Linie 5 gebaut werden sollte, die das Schloss diagonal unterquert. Hinzu kamen bauliche Herausforderungen, wie die riesige Bodenplatte in einer Größe von 110 Meter x 180 Meter ohne Dehnungsfugen oder schlicht die Tatsache, dass aufgrund der Historie des Gebäudes so manche Wandstellung eben nicht rechtwinklig ist.

Bauphase im 3D Modell

Grundlage für die Vermessung durch ARC-Greenlab sind die in einem Ostberliner Archiv aufgetauchten 50.000 detaillierten Grundrissmessdaten des Schlosses.

Grundlage für die Vermessung durch ARC-Greenlab sind die in einem Ostberliner Archiv aufgetauchten 50.000 detaillierten Grundrissmessdaten des Schlosses.

Als grundlegendes Lage- und Höhenfestpunktfeld wurden im Vorfeld der Arbeiten neben klassischen Bodenpunkten und Höhenbolzen als Besonderheit auch Hochpunkte an der Nachbarbebauung installiert. Diese Punkte wurden dauerhaft mit Prismen bestückt, um sich somit überall und ohne großen Aufwand im Baufeld frei stationieren zu können. Die Prismen auf dem Berliner Dom und auf einem Gebäude im Nikolaiviertel sind gut zu erkennen und auch der Höhenbolzen am ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR ist mit einer Nivellierlatte sichtbar. Um die Rekonstruktion des Baus jederzeit dokumentieren zu können, erstellt ARC-GREENLAB derzeit regelmäßig Aufnahmen des gesamten Baukörpers. „Modernste Methoden der Bestandserfassung mit 3D-Laserscanning ermöglichen uns jederzeit eine genaue Soll-Ist-Analyse in Bezug auf die Ausführungsplanung“, erklärt Michael Gerth, Geschäftsführer der ARC-GREENLAB. Ein Laserscanner erzeugt dabei sehr dichte Punktwolken, die sich als 3D-Modell darstellen lassen und so detaillierte Auskunft in jeder Bauphase geben. Fehler sollen sich so rechtzeitig erkennen und beheben lassen. So könne man zum Beispiel Schiefstellungen der Wände durch Messungen in unterschiedlichen Höhen schnell erkennen und dokumentieren und diese Erkenntnisse schon bei der Planung der weiteren Ausbauarbeiten berücksichtigen.

Scandaten für virtuelle Rundgänge

Ist der Bauprozess abgeschlossen, lassen sich die vielen Scandaten auf nützliche Weise weiterverwenden. So kann man die gesammelten Daten in das 3D-Modell des Architekten integrieren oder auch für virtuelle Rundgänge nutzen. Zudem dient der 3D-Scan als Grundlage für weitere Arbeiten wie den Innenausbau oder den Aufbau der historischen Fassaden. Nicht nur am Humboldt Forum, auch bei anderen großen Projekten in Berlin, wie dem Neubau des Berliner Hauptbahnhofs, der Umbau des Bahnhofs Ostkreuz und die Verlängerung der Bundesautobahn A100 vom Autobahndreieck Neukölln in Richtung Treptower Park, sind die Vermessungsingenieure der ARC-GREENLAB involviert.

www.arc-greenlab.de
www.sbs-humboldtforum.de