Die Vermessung der Ozeane

Das internationale Forschungsprojekt AtlantOS hat sich zum Ziel gesetzt, die verschiedenen Beobachtungs- systeme der Weltmeere aufeinander abzustimmen und zu optimieren. So sollen einheitliche Datengrundlagen für Forschung und Praxis bereitgestellt werden.

Bild: nsplash_pixabay

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Ob Klimaforschung, Tsuna- mi-Vorsorge oder die Bewertung von Rohstoffvorkommen am Meeresboden – Informationen über die Ozeane werden für immer mehr wissenschaftliche und gesellschaftliche Fragestellungen benötigt. Zwar gibt es punktuelle Erfassungen, eine flächendeckende und dauerhafte Datenerhebung fehlt aber bislang. Unter der Koordination von Prof. Dr. Martin Visbeck vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel soll das Projekt AtlantOS jetzt Möglichkeiten zur optimierten Bereitstellung der relevanten Daten ausloten. AtlantOS steht für „Optimising and Enhancing the Integrated Atlantic Ocean Observing Systems“.

Das Projekt wird im Rahmen des EU-Programms für Forschung und Innovation, „Horizon 2020“, mit 20 Millionen Euro gefördert. Visbeck koordiniert das aus 62 Mitgliedern bestehende Konsortium, in dem 18 Länder vertreten sind. Aus der Helmholtz-Gemeinschaft beteiligt sich nicht nur das GEOMAR, sondern auch das Alfred Wegener Institut. Ausgangspunkt der Forschungsarbeiten sind die vorhandenen Erkundungssysteme. Hier nutzt man Satellitensysteme, um Meeresoberflächentemperaturen und Meeresspiegelhöhen zu messen. Forschungsschiffe, bei denen man mit Sonden punktuelle hochgenaue Messungen machen kann, sind eine weitere, allerdings sehr kostenintensive Methode, die dementsprechend nur sehr begrenzt zum Einsatz kommt. „Wir hätten am liebsten auf jedem kommerziellen Schiff ein „Messmodul“ für Dauermessungen zu Salzgehalt, pH-Wert, gelöstem CO2, Nährstoffen, Plastikkonzentration, Planktonreichtum und zur marinen Gendiversität. Man könnte auch die Strömungen der oberen 500 Meter erfassen und viele wichtige Oberflächenparameter mehr“, erläutert Prof. Visbeck seine Vision.

Das dritte Segment sind autonome Systeme, roboterartige Plattformen wie sie im Argo-Netz zum Einsatz kommen. Es besteht aus fast 4.000 Robotern, die überall im eisfreien Ozean für Dauermessungen der oberen 2.000-Meter Wassersäule unterwegs sind. Mehr als 30 Länder sind daran beteiligt. Die Daten werden in Echtzeit aller Welt kostenfrei zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus kommen sogenannte Glider zum Einsatz – Roboter, die sich nicht nur vertikal bewegen, sondern auch ein Stück segeln können. Das GEOMAR verfügt außerdem über Mini- U-Boote für Tiefseevermessung. „AtlantOS wägt die Techniken ab: Was ist für welchen Zweck der Messungen im Ozean am besten geeignet, welchen Mix der Beobachtungssysteme braucht man im Ozean?“, erläutert Prof. Visbeck. Vom 28. bis 30. Juni 2016 trifft sich die AtlantOS-Community bei der zweiten Jahreskonferenz in Kiel und stellt den aktuellen Stand der Forschung vor.

www.helmholtz.de
www.atlantos-h2020.eu