Von ATKIS zur Karte

Mit onmaps hat die geoGLIS seit 2006 einen Kartendienst im Angebot, der sich in vielerlei Nischen durchgesetzt hat.

Individuelles Design: Aus den gleichen ATKIS-Daten können mit onmaps individuelle Karten erstellt werden. Bild: geoGLIS

Individuelles Design: Aus den gleichen ATKIS-Daten können mit onmaps individuelle Karten erstellt werden. Bild: geoGLIS

Ähnlich wie andere Angebote für internetbasierte Kartendienste hat auch das Produkt onmaps von der geoGLIS OHG eine bewegte Geschichte. Das Unternehmen wurde 1996 von Achim Wolf und Beate Stabenow mit Sitz in Eckernförde gegründet und baute auf den Erfahrungen auf, die zuvor mit dem Planungsbüro GLIS (Gesellschaft für Landschafts-Informationssysteme) im Bereich Naturschutz- und Landschaftsplanung mit dem Thema GIS gemacht wurden. Im Zuge von Beratungstätigkeiten bei den Kreisverwaltungen in Schleswig-Holstein im Umfeld von ATKIS-Daten und weiteren umweltbezogenen Kartierungen gab es dann immer wieder Aufgaben, die im Kern darin bestanden, auf Grundlage der gescannten Pläne nutzerspezifische Karten zu erstellen. Ende der 1990er, als viele papiergebundene Karten per Scan digitalisiert wurden, kam die Idee auf, einen webbasierten GIS-Viewer zu erstellen, der maßstabsübergreifend eine einheitliche, stufenlose Visualisierung ermöglicht. „Schon damals hatten Kommunen dafür einen großen Bedarf“, weiß Beate Stabenow. Vor dem Hintergrund der tiefgehenden Erfahrungen mit der ATKIS- Welt der Landesvermessungsverwaltungen entstand schließlich die Idee, eine stufenlos zoomfähige Karte für WebGIS zu entwickeln, mit einem durchgängigen, einheitlichen Layout über alle Maßstabsebenen hinweg. GeoGLIS gewann dann im Jahr 2006 mit dem Stadtportal www. hamburg.de einen großen Kunden. Dieser sogte für zwei wesentliche Entwicklungen: Zum einen sorgten die hohen Anforderungen an die Performace für einen Entwicklungsschub – konkret wurde unter Mithilfe des befreundeten Unternehmens KLAUS BENNDORF der WMS-Dienst optimiert und ein damals hochmoderner Tile-Service implementiert. Zum anderen gab das Großprojekt auch den Impuls, die ATKIS-Daten aller Länder beim Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) zu beschaffen, um so onmaps bundesweit anzubieten.

onmaps basierte damals wie heute auf den Daten des Basis-DLM, sowie des DLM 250 und 1000 und liefert bruchfrei und maßstabsunabhängig Karten von 1:1.000 bis 1:5.000.000 von einem zentralen Server, der von geoGLIS betrieben wird.

Diese Verschmelzung von GIS-, ATKISund Kartographie-Kompetenz stellte eine gute Ausgangsposition für weitere unternehmerische Entwicklungen dar, doch es traten neue Herausforderungen auf den Plan. Denn schon wenige Zeit nach onmaps erschien auch Google Maps, also ein kostenfreier Visualisierungsdienst von Google, und ein paar Jahre später entstand mit dem Webatlas. de ein ebenfalls weitgehend kostenloses Open-Data-Angebot der Öffentlichen Hand, das auch auf ATKIS-Daten basierte. „Dies zwang uns dazu, mit onmaps bestimmte Nischen zu erschließen, wo die Anwender einerseits von dem hochwertigen Angebot überzeugt waren, andererseits die verschiedenen Services rund um den Dienst zu schätzen wussten“, erzählt Stabenow. Und so entwickelte das Unternehmen in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe spezialisierter Anwendungsgebiete. Eines zum Beispiel ist die Planung von Windkraftanlagen. So ist der Kartendienst onmaps auch für die Planungssoftware WINDPRO von EMD International A/S aus Dänemark verfügbar. Nutzern steht der Dienst direkt innerhalb der Wind-Software zur Verfügung. Ein ähnliches Modell gibt es außerdem im Bereich Rettungswesen und Leitstellenlogistik, auch ein Anwendungsgebiet mit starker onmaps-Verbreitung. Hier pflegt geoGLIS eine Partnerschaft mit der Firma iSE aus Aachen, die in ihrem Softwaremodul „iSE-Cobra Einsatzleitsystem“ onmaps integriert hat. Die Lösung dient Mitarbeitern in Leitstellen und Dispositionszentralen bei der effektiven Bearbeitung ihrer Aufgaben. Weitere Anwendungsgebiete sind beispielsweise Radwegeplanung, Energieversorgung oder Funknetzplanung.

Parallel dazu wurde onmaps ergänzt. 2011 kamen etwa die Hausumringe aus dem deutschen Liegenschaftskataster (bundesweit circa 48 Millionen Gebäude) hinzu.

„Die Anzahl der Kartenaufrufe beträgt mittlerweile über 30 Millionen Zugriffe pro Monat“, sagt Stabenow. Die onmaps-Karte kann dabei in verschiedenen Formaten und zu unterschiedlichen Zwecken genutzt werden. Außerdem stehen verschiedene OGC-basierte Dienste zur Verfügung. Dazu gehören ein Web Mapping Service (WMS), Web Map Tile Service (WMTS) und Tile Map Service (TMS).

Besonderes Merkmal des Dienstes ist laut Hersteller, dass Kunden die Darstellung sehr individuell anpassen können, etwa bei den Farblayouts. Es gibt standardmäßig verschiedene farbige Varianten, eine Graustufenkarte und ein Layout, das dem der Topographischen Karte mit dem Maßstab 1:25.000 (TK25) nahe kommt.

Kunden können auch selbst Zeichenvorschriften verändern und anpassen. Es können darüber hinaus Inhalte ausgeblendet (Auszug) oder bestimmte Objektarten hervorgehoben werden (overlays). „Das heißt, die Herstellung einer zielgruppenorientierten Karte oder Themenkarte ist innerhalb kurzer Zeit und mit wenig Aufwand möglich“, sagt Stabenow.

Viele Kunden nutzen die onmaps-Karte auch um hochauflösende Drucke zu erzeugen. So nutzt das Franchise Immobilienunternehmen Engel & Völkers eine eigene Anwendung der geoGLIS, aus der heraus Kartenausschnitte in Druckqualität erzeugt werden können, um sie in Exposés zu verwenden. Im Einsatzbereich Tourismus werden Flyer, Gästeverzeichnisse, Radtourenbeschreibungen, Stadtpläne und vieles mehr auf Basis der onmaps-Karten gedruckt. Besonders geeignet dafür ist das Ausgabeformat „vektorielles pdf“ mit dem ein „pixeliges“ Druckbild vermieden wird. Im Internet wird die onmaps-Karte neben lokalen (etwa Kinder- oder Jugendstadtplan Stadt Quickborn) oder regionalen Anwendungen (Straße der Megalithkultur von Emsland Touristik) auch bundesweit auf dem Portal stadtplan.net genutzt und zwar mit dem individuell erstellten Farblayout des Portalbetreibers Verwaltungsverlag. Weitere Beispiele für unterschiedliche regionale Anwendungen sind Hochwasserkarten Schleswig-Holsteins (Umweltministerium), oder die Gartenrouten Schleswig-Holstein.

Über eine dynamische Legende im WebMapService werden die Zeichenelemente der onmaps-Karte dargestellt, die im jeweiligen aktuellen Bildschirmausschnitt vorkommen. Spezielle Plot-Layer im WMS ermöglichen eine Erzeugung hoch aufgelöster Druckvorlagen in hierfür festgelegten Maßstabs-Ansichten der Karte. Über einen Kartenclient (openlayers) können Sach- und Vektordaten erfasst und Schnittstellen zu Fremdverfahren (zum Beispiel CMS, Schilderkataster, Termindatenbanken) ermöglicht werden. Mittels Sachdatenabfrage im GIS beziehungsweise Karten-Client kann zudem jedes ATKIS-Element der onmaps-Karte (Flächen, Linien und Symbole) abgefragt werden.

Derzeit entwickelt geoGLIS darüber hinaus spezielle Kachelformate für die Offline- Nutzung im Umfeld hybrider Apps. Die Kacheln der onmaps-Karte werden hierbei in einer Datenbank auf dem nativen Speicher des Endgerätes gespeichert und sichern den Zugriff auf die Karte in Regionen mit schlechter Netzabdeckung.

www.onmaps.de