Schwerpunkt: 3D-Stadtmodelle: Vom Bildschirm in die Realit├Ąt

Langsam ist es soweit: 3D-Stadtmodelle werden innerhalb von Kommunen f├╝r konkrete Planungen und fachliche Aufgabenstellungen genutzt, beispielsweise bei der Planung st├Ądtischer W├Ąrmeversorgung. Dies wird f├╝r neue Aufmerksamkeit sorgen ÔÇô genauso wie innovative Technologien etwa bei Modellierung, Druckern oder bei BIM.

Bild: shutterstock/Carlos Castilla

Bild: shutterstock/Carlos Castilla

Wird die Geschichte von digitalen 3D-Stadtmodellen in Mitteleuropa erz├Ąhlt, ziehen Experten immer wieder das Bild des ber├╝hmten GartnerÔÇôHype-Cycles heran. Demnach sind die Modelle derzeit in der Phase des langsamen Anstiegs von Praxisrelevanz. Nachdem das Thema vor rund 15 Jahren gro├če Aufmerksamkeit erfuhr und dann eine Phase der Desillusionierung eintrat, diffundieren die Modelle nun langsam aber sicher in verschiedenste Gebiete von kommunalen Analysen und Planungen. Sie unterst├╝tzen Fachleute und B├╝rger bei der Diskussion und bei Entscheidungen rund um verschiedenartige Themen, angefangen bei der Stadtplanung ├╝ber energiepolitische Fragen bis hin zum Schutz vor Naturgefahren und Terrorismus. Ganz nach dem sprichw├Ârtlichen Motto: Steter Tropfen h├Âhlt den Stein. Manch ein Experte h├Ątte sich mehr Dynamik gew├╝nscht, allerdings lehrt manche neue IT-Erfindung, dass nachhaltige Optimierung eben eine gewisse Zeit braucht.

Dabei schreitet die Technik in Riesenschritten voran. Die automatische Erstellung von Modellen wird immer leistungsf├Ąhiger, die Nutzung von bildbasierten Verfahren zur 3D-Modellierung ist inzwischen immens und der Bedarf an Speicherkapazit├Ąt und Bandbreite wird ebenfalls zunehmend abgedeckt, so dass 3D-Modelle auch auf mobilen Plattformen verf├╝gbar werden. Parallel treibt die Digitalisierung des Bauwesens, hier ist vor allem das Stichwort BIM zu nennen, den Bedarf an solchen Modellen voran: 3D-Planung und Visualisierung auf dem Tablet direkt auf der Baustelle sind heute keine Seltenheit mehr. 3D-Stadtmodelle sind gewisserma├čen auch die Schnittstelle, an der die Baubranche und die klassische Geowelt aufeinandertreffen. So beginnt die Baubranche beispielsweise damit, den IFC-Standard als zentrales Paradigma f├╝r die 3D-Modellierung zu etablieren, bei den 3D-Stadtmodellen hat sich dagegen CityGML weltweit etabliert. CityGML fokussiert dabei auf die Bestandsdokumentation und profitiert von modernen Vermessungsverfahren, w├Ąhrend die Bauwirtschaft vor allem aus der Entwurfsplanung heraus denkt. Gerade jedoch im Tiefbau wird die hybride Modellierung aus Bestands- und Planungsdaten immer wichtiger und ist einer der grundlegenden Bestandteile des BIM-Ansatzes, der ja auch politisch gef├Ârdert wird. Ebenso treffen auf Ebene der 3D-Stadtmodelle verschiedene ma├čst├Ąbliche Gr├Â├čenordnungen der Planung aufeinander: In der Geb├Ąudewelt herrschen lokale Koordinatenbezugssysteme vor, bei 3D-Stadtmodellen sind es geografische. Kurz: CAD trifft auf GIS. Hier m├╝ssen noch einige technische Hindernisse ├╝berwunden werden.

1.21 3-D-Stadtmodelle

Dabei lohnt sich der Blick ├╝ber den internationalen Tellerrand. So hat die Stadt Helsinki k├╝rzlich auf dem weltweiten Nutzertreffen von Bentley Software (Year in Infrastructure) in London gezeigt, wie man das Thema 3D auch angehen kann. Die Stadt setzt einerseits darauf, bei der Erstellung der Modelle modernste Technologie (unter anderem von Bentley und Virtual City Systems) zu nutzen, andererseits stellt sie die Daten konsequent als Open Data zur Verf├╝gung. Dadurch sollen Drittfirmen, akademische Organisationen (unter anderem die TU M├╝nchen) oder andere Teile der Verwaltung dazu in die Lage versetzt werden, die Daten innerhalb neuer Anwendungen zu nutzen und diese in Wert zu setzen. Helsinki nutzt dabei eine ganze Reihe von Bentley Produkten mit den unterschiedlichsten CAD- und GIS-Funktionen, um das Potenzial der Daten voll auszusch├Âpfen-, angefangen von der Dokumentation der Leitungsinfrastruktur bis hin zur Unterst├╝tzung des umfassenden low-carbon-Programms der Stadt.