Wetter- und Klimadaten für Jedermann

Claudia Ritsert-Clark ist Head of Communication & Information Services Unit bei EUMETSAT in Darmstadt. Im Interview mit Business Geomatics erklärt sie, wie auch Unternehmen und interessierte Bürger diese Daten für sich nutzen können.

Claudia Ritsert-Clark

Claudia Ritsert-Clark

EUMETSAT ist die europäische Organisation zur Nutzung meteorologischer Satelliten (European Organisation for the Exploitation of Meteorological Satellites). Die zwischenstaatliche Organisation hat derzeit 30 Europäische Mitgliedsstaaten und einen Kooperationsstaat und ist zuständig für den Betrieb der europäischen Wettersatelliten und für die Verteilung der Daten von diesen Satelliten. Außerdem trägt EUMETSAT zur operationellen Klimaüberwachung bei.

Business Geomatics: Welche Daten stellt EUMETSAT zur Verfügung?

Claudia Ritsert-Clark: In erster Linie stellen wir natürlich Wetter-und Klimadaten zur Verfügung. EUMETSAT bietet Daten von drei Hauptmissionen: Die vier geostationären Meteosat-Satelliten beobachten das Wettergeschehen aus 36.000 km Höhe, die Metop-Satelliten des EUMETSAT Polar Systems umlaufen in 827 km Höhe die Pole und liefern Daten von der Ozeanoberfläche, Wolken, Windinformationen, sowie Luftfeuchte- und Temperaturprofile. Die Satelliten der Jason-Reihe beobachten die Meeres-und Wellenhöhen und unterstützen so Seewettervorhersagen und liefern Informationen zum Anstieg des Meeresspiegels. EUMETSAT betreibt auch den Copernicus-3A Satelliten im Auftrag der EU und in Kooperation mit der ESA.

Wofür können diese Daten verwendet werden?

Hauptziel der Bereitstellung dieser Daten ist es, dass sie im Rahmen der Daseinsvorsorge operationel genutzt werden, und so einen möglichst großen gesellschaftlichen Nutzen entfalten. Stichwort hier ist die Wettervorhersage, aber zunehmend auch die Vorhersage von ozeanografischen Parametern, um Bevölkerung und Wirtschaft möglichst umfassend und genau vor aufziehenden Gefahren zu warnen. Auch im Rahmen der Atmosphären- und Klimaforschung kommt diesen Daten eine stetig wachsende Bedeutung zu. Auf Basis dieser Daten können dann Anwendungen, wie beispielsweise Smartphone-Apps o.Ä. entwickelt werden, die der Industrie und den Bürgern nutzen. Mit den Wetterdaten aus den Archiven können Nutzer zum Beispiel eine Klimaanalyse machen, um für ein Projekt darzustellen, wie sich einzelne Klimavariablen in einem bestimmten Zeitraum verändert haben.

Ganz aktuell wurde auf dem Sentinel- 3A Satelliten das OLCI (Ocean and Land Colour Instrument, Anm. d. Red.) Instrument in Betrieb genommen, das unter anderem die Farbe der Meere analysiert, und damit Schlüsse auf den Gesundheitszustand der globalen Ozeane ermöglicht. Anhand dieser Messungen kann man zum Beispiel Rückschlüsse auf die Algenblüte oder Planktonvorkommen ziehen. Gibt es in bestimmten Meeresregionen ein verstärktes Vorkommen von Plankton, können daraus Rückschlüsse auf das Fischaufkommen gezogen werden. Neben der Verkehrswirtschaft (Routenplanung), und der Energiewirtschaft (Ertragsanalyse für wetterabhängige Energieträger),profitiert auch die Tourismus- und die Eventbranche von diesen Wetter- und Klimadaten, beispielsweise wenn es darum geht die Wahrscheinlichkeit für eine geschlossene Schneedecke oder für möglichst lange Sonnenstunden zu analysieren. Natürlich eignen sich die Daten auch für Anwendungen im Unterricht oder im rein privaten Bereich: Beispielsweise wenn es darum geht die Schönheit und Veränderlichkeit unseres Planeten im Klassenzimmer darzustellen oder die Wetterlage an einem Geburts-oder Hochzeitstag anschaulich dazustellen: EUMETSAT hat eine Anwendung entwickelt, über die man ein Bild der Erdoberfläche an einem bestimmten Tag erhalten kann. Dort können Sie jedes beliebige Datum seit 1981 eingeben und dann erhält man ein Bild zum Ausdrucken. Das geht über folgende Website: pics.eumetsat.int

Wer darf diese Daten nutzen?

Bild: EUMETSAT Europäische Organisation für meteorologische Satelliten

Bild: EUMETSAT Europäische Organisation für meteorologische Satelliten

Das sind zuallererst natürlich die staatlichen Wetterdienste der Mitgliedsstaaten, die auch für Wetterwarnungen in ihrem jeweiligen Land zuständig sind. Dann gibt es in diesen Mitgliedsstaaten auch weitere Wetterdienste oder Unternehmen, die auch Wetterprognosen anbieten oder aus den Wetter- und Klimadaten spezielle Angebote generieren. Darüber hinaus gibt es aber auch genug Leute, die einfach Spaß an der Wettervorhersage haben. Aber auch außerhalb Europas können die Daten genutzt werden. In Afrika haben viele Menschen nicht an allen Orten ausreichend Internetempfang. Deshalb stellen wir, mit EumetCast Afrika Daten für afrikanische Wetterdienste zur Verfügung. Zusammenfassend kann man sagen, dass auf der Basis unserer Datenpolitik die Informationen für jedermann zugänglich sind, allerdings ist eine Registrierung des Nutzers erforderlich. Daten, die älter sind als 24 Stunden und abgeleitete Produkte, auch die des Netzwerks von Satelliten-Anwendungszentren (SAF) sind grundsätzlich kostenlos. Sentinel-3 Daten sind generell kostenlos, unabhängig davon, wofür sie angewendet werden, und wie aktuell sie sind.

Was kosten die Daten?

Die Satellitendaten bis zu einem Alter von 24 Stunden sind gebührenpflichtig. So müssen beispielsweise private Wetterdienste, die tagesaktuelle Daten benötigen, für diese bezahlen. Für Unternehmen, die auch mit 24 Stunden alten Daten arbeiten können, sowie Privatpersonen oder Forschungseinrichtungen, ist unser Angebot also kostenfrei. Die Mitgliedsstaaten mit ihren offiziellen nationalen Wetterdiensten zahlen natürlich nicht für die Daten, da sie das Programm ja mitfinanzieren.

Wie kann man auf die Daten zugreifen?

Wir stellen eine ganze Reihe von Datendiensten zur Verfügung, sowohl auf Basis von hochverlässlichen Zugriffsarten wie EUMETCast (Broadcasting über Satellit/ DVB-S2), oder über das Internet. Über einen Nutzeraccount im sog. Earth Observation Portal lassen sich diese Dienste aufrufen bzw. anfragen (eoportal.eumetsat. int). Ein Dienst zur einfachen Darstellung unserer Daten ist ein OGC konformer Zugang über einen von uns zur Verfügung gestellten Web map Service unter eumetview. eumetsat.int. Wer allerdings einen hochverlässlichen Zugang braucht, sollte die kleine Anfangsinvestition in eine EUMECast Empfangsstation nicht scheuen (der Aufwand ist ähnlich dem für den Satellitenempfang von Fernsehsignalen). Auf der Copernicus-Seite bietet EUMETSAT einen Internetbasierten Service zum Datenempfang unter coda. eumetsat.int an. Über sog. standard Application Programming Interfaces (API) kann der Nutzer hier die Suche und den Download von Daten auch automatisieren. Über das Archiv, das EUMETSAT Data Centre können alle Daten schließlich auch im nachhinein bestellt werden (archive. eumetsat.int).

Kann sich jeder registrieren lassen?

Unsere Datenpolitik ist sehr freigiebig. Uns geht es darum, möglichst viele Daten zur Verfügung zu stellen. Das ist das Grundprinzip der Copernicus Daten, die freie, unbeschränkte Anwendung dieser wirklich wichtigen Daten ist gewährleistet. Die Registrierung verwenden wir in erster Linie zur Produktverbesserung um zu wissen, welche Daten nachgefragt werden und wer mit unseren Daten arbeitet.

www.eumetsat.int