NGIS: Priorität für Open Data

Im vierten Geo-Fortschrittsbericht liegt der Schwerpunkt auf einer Nationalen Geoinformationsstrategie und der offenen, kostenfreien Bereitstellung von Geodaten.

Der vierte Geo-Fortschrittsbericht der Bundesregierung zur Entwicklung des Geoinformationswesens im nationalen, europäischen und internationalen Kontext wurde Mitte Juni veröffentlicht. Darin äußert sich die Bundesregierung positiv über den aktuellen Status der INSPIRE-Richtlinie. Weiterer Handlungserfolg sei unter anderem die Änderung des Geodatenzugangsgesetzes (GeoZG), wodurch Geodaten des Bundes weitgehend kostenfrei bereitgestellt werden können. Als Erfolg wertet der Bericht das Nationale Copernicus Maßnahmenprogramm, den Vertrag des Bundesministerium des Innern (BMI) mit dem DLR, um für die Bundesbehörden speziell ausgewertete Satellitendaten bereitzustellen, sowie die Einrichtung des Dienstleistungszentrums für Geodaten im Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) und den Geokodierungsdienst.

Die Bundesregierung nennt außerdem Maßnahmen für die Umsetzung der Nationalen Geoinformationsstrategie (NGIS); eine gemeinsame Vision zur optimalen Wertschöpfung von Geoinformationen. Eine Umsetzung der Ziele der NGIS sei seitens des Lenkungsgremiums GDI-DE bis zum Jahr 2025 geplant. Allerdings räumt die Regierung im Bericht ein, dass „angesichts der Strukturen, der Zuständigkeit und der Kompetenzen der verschiedenen Akteure (…) die hier aufgeführten Maßnahmen nicht den Anspruch erheben können, eine vollständige Umsetzung aller NGIS Ziele zu erreichen.“ Daher wurden die NGIS Ziele gemäß dem Handlungsbedarf in drei Prioritätsstufen eingeteilt: Maßnahmen, die einer offenen Bereitstellung von Geodaten dienen, haben höchste Priorität. (A) Dazu gehört die Bereitstellung von Geoinformationen der öffentlichen Verwaltung mit fach- und organisationsübergreifendem Nutzungspotenzial über Geoportale – und zwar vorrangig nach dem Open-Data-Prinzip mittels Lizenzen oder öffentlich-rechtlicher Widmung. Nach Möglichkeit soll dies auch für Geoinformationen von Wirtschaft, Wissenschaft und gesellschaftlichen Interessengruppen gelten.

Darüber hinaus sollen Geoinformationen und sonstige Fachinformationen auf Grundlage räumlich- und fachlich übergreifender Geschäftsprozesse gemeinsam erfasst und modelliert werden. Prioritätsstufe (B) beinhaltet unter anderem die nutzerspezifische, fachliche Aufbereitung der Geoinformationen, eine Nationale Geodatenbasis, standardisierte Datenformate, die versionierte Langzeitspeicherung und -archivierung von nicht mehr verwendeten Geoinformationen, regelmäßige Bedarfserhebungen zu den Anforderungen der Nutzer, sowie gesicherte Netze für die Bereitstellung von Geoinformationen für sicherheitskritische Aufgaben. Unter Priorität C sind Maßnahmen zur allgemeinen Nutzung von Geodaten in der Schul- und Hochschulbildung, insbesondere ein Grundmodul zur Geoinformation in der Ausbildung der öffentlichen Verwaltung, aufgelistet. Auch sollen über verschiedene Kanäle die Mehrwerte dieser Daten herausgestellt und veröffentlicht, transparente Metadaten erstellt und ein einheitlicher Raumbezug durch geodätische Referenzsysteme sichergestellt werden. Die IT-Infrastrukturen sollen zudem INSPIRE-konform bereitgestellt und die fachübergreifenden technischen und organisatorischen Strukturen der GDI-DE finanziell, dauerhaft und in erforderlichem Umfang von Bund und Ländern abgesichert werden.

Weitere Maßnahmen sind Aktionen im Rahmen der Teilnahme Deutschlands an Open Government Partnership (OGP), sowie die Vernetzung der geobezogenen Fachportale des Bundes mit dem zentralen Geoportal.de und das Ausrichten der europäischen INSPIRE Konferenz im September 2017 in Kehl/Straßburg.

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