Globale Risiken lokal bewerten

Mit K.A.R.L. hat die KA Köln.Assekuranz Agentur GmbH einen Webdienst entwickelt, mit dem die GefÀhrdung einzelner Standorte weltweit und nach individuellen Vorgaben ermittelt werden kann.

Wie intensiv muss ein Starkregen sein, damit die geplante Lagerhalle ĂŒberschwemmt wird? Wie groß ist das Risiko, dass ein Hagelereignis die PKW-Produktion einer ganzen Woche vernichtet, die auf einem Parkplatz in Brasilien auf die Auslieferung wartet? Kann ein Tsunami die Energieversorgung eines Werks in Indonesien beeintrĂ€chtigen oder ein vulkanischer Lavastrom eine globale Lieferkette zum Stocken bringen? Solche Fragen ĂŒber die konkreten Auswirkungen von Naturgefahren beantwortet K.A.R.L., ein Service der KA Köln.Assekuranz Agentur GmbH. Das Unternehmen mit traditionellem Schwerpunkt auf dem B2B-Sektor ist ein Tochterunternehmen der ERGO Group und gehört damit zur Versicherungsgruppe der Munich Re.

Die BenutzeroberflÀche von K.A.R.L. auf dem Smartphone. Benutzer bekommen Ergebnisse innerhalb von Minuten. Foto: pixabay (PIX1861); KA Köln.Assekuranz

Die BenutzeroberflÀche von K.A.R.L. auf dem Smartphone. Benutzer bekommen Ergebnisse innerhalb von Minuten. Foto: pixabay (PIX1861); KA Köln.Assekuranz

Im Gegensatz zu anderen Geoanalysen, die Risiken durch Naturgefahren weltweit und flĂ€chenbezogen analysieren, beschĂ€ftigt sich K.A.R.L. mit Fragestellungen, die einzelne Standorte und dort die Verletzlichkeit (VulnerabilitĂ€t) konkreter Objekte betreffen. Eine Besonderheit dabei: Kunden erhalten die Analyse per Knopfdruck via WebDienst in wenigen Minuten. „Anwender können also am Handy quasi unter dem Verhandlungstisch eine erste Analyse anfordern, wenn ĂŒber den Bau eines neuen Lagerstandorts irgendwo auf der Welt verhandelt wird“, beschreibt Matthias MĂŒller, Leiter Risiko-Service/K.A.R.L. bei dem Kölner Unternehmen. K.A.R.L. analysiert alle gĂ€ngigen Naturgefahren. Dazu gehören VulkanausbrĂŒche, Erdbeben, Tsunami, Überschwemmung, Sturmflut, Sturm, Tornado und Hagel.

VulnerabilitÀt im Einzelfall

Um die standortbezogenen Risiken durch derartige Naturgefahren erkennen, berechnen und beziffern zu können, bedarf es einer Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber. Dabei gilt es im ersten Schritt, eben jene VulnerabilitĂ€t der Objekte zu ermitteln – eine höchst diffizile Herausforderung, wie sich bei 2018genauerer Betrachtung herausstellt. So ist beispielsweise die Gefahr durch Hagel fĂŒr PKW, die im Freien stehen, sehr hoch. Waren, die sich in LagergebĂ€uden befinden, droht dagegen eine Zerstörung durch GebĂ€udeschĂ€den bis hin zum Einsturz. Entsprechende Modelle zu entwickeln ist demnach ein erster und wichtiger Schritt bei Kundenprojekten. Dabei wird insbesondere analysiert, bei welcher AusprĂ€gung der Naturgefahr welcher Schadenumfang zu erwarten ist. Bei einem Hochwasser, das 20 Zentimeter ĂŒber GelĂ€ndehöhe ansteigt, kommen GelĂ€ndewagen glimpflich davon (Schadenssumme ist also fast Null), wĂ€hrend das gleiche Hochwasser bei Sportwagen zu einer vollkommenen Abschreibung fĂŒhren kann (100 Prozent). Unterschiedlich sind zudem die VerlĂ€ufe der VulnerabilitĂ€t: Bei Erdbeben steigt sie schnell von Null auf Hundert. Bei Hagel nimmt der Schaden mit dem Durchmesser der Körner langsamer zu. Bezieht man schließlich den geographischen Gesamtkontext ein, ergeben sich weitere Einflussfaktoren und Szenarien, die ebenfalls berĂŒcksichtigt werden mĂŒssen: „Bei einem Sturm kommt ein Fahrzeug in der Regel glimpflich davon, befindet sich aber viel trockenes Ackerland in der Umgebung, kann aus einem Sturm schnell ein Sandsturm werden, der eine völlig andere Gefahr darstellt“, beschreibt MĂŒller.

Zusammenspiel verschiedener Modelle

Gleichzeitig werden die Gefahren fĂŒr die entsprechenden Wetterereignisse ĂŒberall auf der Erde quasi auf Knopfdruck bewertet. DafĂŒr nutzt der Dienst verschiedene Modelle –etwa klimatologische, geophysikalische oder hydrologische. Klassifiziert werden die Naturgefahren gemĂ€ĂŸ den ĂŒblichen Verfahren von einem jĂ€hrlichen bis hin zu einem 10.000 jĂ€hrlichen Ereignis, wie etwa eine Sturmflut die statistisch gesehen einmal in 10.000 Jahren stattfindet. Die Risiko-Modellierungen basieren nach Angaben der KA auf modernsten Verfahren. KĂŒrzlich hat das Unternehmen neue Modelle fĂŒr Starkregengefahren integriert, schließlich haben zahlreiche Ereignisse in jĂŒngster Vergangenheit die SensibilitĂ€ten diesbezĂŒglich erhöht. Bei dem Wirbelsturm Harvey etwa kam der Schaden in erster Linie durch den Starkregen, nicht durch den Wind. Die mehrtĂ€gigen RegenfĂ€lle kann man als 500- bis 1.000-jĂ€hrliches Ereignis einstufen. Auch die Bilder aus der baden-wĂŒrttembergischen Kleingemeinde Braunsbach sind vielen noch im Kopf. Hier sorgte der außergewöhnliche Regen in Kombination mit der topographischen Lage und der baulichen Infrastruktur fĂŒr massive SchĂ€den. „Genau solche Gegebenheiten bilden wir in dem neuen Modell ab“, sagt MĂŒller.

Parallele Gefahrenbewertung

Eine Darstellung der Risiken auf der Google Earth-OberflĂ€che. Durch das Web-GIS-Programm Spectrum Spatial Analyst steht den Kunden seit Neuestem auch eine web-basierte Variante zur VerfĂŒgung. Foto: KA Köln.Assekuranz

Eine Darstellung der Risiken auf der Google Earth-OberflĂ€che. Durch das Web-GIS-Programm Spectrum Spatial Analyst steht den Kunden seit Neuestem auch eine web-basierte Variante zur VerfĂŒgung. Foto: KA Köln.Assekuranz

Essentiell fĂŒr K.A.R.L. ist die Verwendung eines globalen, einheitlichen und qualitativ hochwertigen Höhenmodells. Um beispielsweise die Gefahr eines Tsunami in einer Bucht zu beurteilen, ist es wichtig, deren topographische Gestalt zu berĂŒcksichtigen. Zum Einsatz kommen SRTM-Daten (per Satellit aufgenommenes Höhenmodell, ohne komplett globale Abdeckung). Diese werden mit dem globalen GTOPO30- Modell kombiniert, um so die fehlende Abdeckung jenseits von 60 Grad Nord zu kompensieren. Zwar gibt es genauere Daten, doch diese wĂŒrden den preislichen Rahmen des Dienstes sprengen, wenn sie weltweit vorgehalten werden mĂŒssten. „Diese Daten kommen höchstens fĂŒr spezielle standortbezogene Analysen zum Einsatz, die aber immer kundenspezifisch beauftragt werden“, sagt MĂŒller. Dies ist die sogenannte Expert-Analyse, die dort beginnt, wo die Detaillierung von K.A.R.L. aufhört und die bis hin zu einer Vor-Ort-Untersuchung fĂŒhren kann.

Drei Schritte zum Ziel

Die K.A.R.L.-Bewertung verlĂ€uft dreistufig. ZunĂ€chst wird ermittelt, welche Gefahren ĂŒberhaupt drohen können. Im zweiten Schritt wird dann die GefĂ€hrdung anhand der statistischen HĂ€ufigkeitskennwerte ermittelt, bis zum 10.000-jĂ€hrlichen Ereignis in einzelnen Jahresschritten. DafĂŒr werden entsprechende Modellberechnungen durchgefĂŒhrt. Auf der Basis der mit dem Kunden festgelegten VulnerabilitĂ€ten wird dann im dritten Schritt das Risiko des Ortes bewertet. Kunden erhalten eine Art Dossier, in dem die Risiken gezeigt, klassifiziert und textlich erlĂ€utert werden.

5.5 Location Intelligence

Acxiom Deutschland GmbH

Acxiom gehört zu den weltweit grĂ¶ĂŸten Datendienstleistern und verfĂŒgt ĂŒber jahrzehntelange Erfahrung im Geo- und Mikromarketing in Deutschland. Wir betreiben in Deutschland eine der grĂ¶ĂŸten Datenbanken mit mikrogeografischen Haushalts- und amtlichen Marktdaten. Die Acxiom-Datenbasis ist das verlĂ€ssliche Fundament in den Bereichen Profilierung und Segmentierung von Zielgruppen, Potenzial- und Standortanalysen, Werbeansprache und Vertriebssteuerung (B2C und B2B).

AZ Direct GmbH

AZ Direct, zugehörig zum Digital Marketing-Bereich der Bertelsmann Printing Group, ist der Partner fĂŒr erfolgreiches data-driven Multi-Channel-Marketing mit Adressen, Daten & Systemen fĂŒr: Direct Mail, E-Mail-Marketing, Social Media-/Display-/Mobile-Advertising, Multi-Channel-Retargeting – auf Basis des umfassenden Audience Targeting Systems AZ DIAS und statistisch-geografischer Analysesysteme.

Fichtner IT Consulting GmbH

Die Gewinnung, Strukturierung und PrĂ€sentation von Informationen – auch im rĂ€umlichen Bezug – sind der SchlĂŒssel fĂŒr effiziente und effektive GeschĂ€ftsprozesse. Wir beraten und implementieren leistungsfĂ€hige IT-Lösungen fĂŒr technische Netze, Anlagen und Infrastruktur. Branchenkenntnis und Prozess-Know-how verbinden wir mit aktuellster Technologiekompetenz und liefern so Lösungen fĂŒr unsere Kunden.

GiS-Akademie

Die GIS-Akademie bietet seit 1999 kundenspezifische Firmenschulungen, Consulting und Projektdienstleistungen in den Bereichen GIS sowie Geomarketing an. Wir vermitteln die Logik kundenspezifischer GIS-Systeme und deren vielfÀltige Anwendungsmöglichkeiten. Wir antizipieren und bewerten neueste GIS-Trends bereits im Entwicklungsstadium um unternehmensspezifische Fachanwendungen zu optimieren als auch zu entwickeln.

infas 360 GmbH

infas 360 schafft mit einer einzigartigen Kombination aus CRM-, Geo-, Markt- und Ad hoc-Daten einen individuellen Datenpool fĂŒr die Lösung spezifischer unternehmerischer Aufgabenstellungen. Diesen analysiert und interpretiert infas 360 mit einem innovativen Disziplinmix aus CRMAnalytics, Geomarketing und Marketing Research. Mit diesem Wissen können Unternehmen alle Fragen ĂŒber MĂ€rkte, Kunden, Zielgruppen und Potenziale (B2B und B2C) beantworten und Strategie wie operatives Handeln optimieren.

IVU Traffic Technologies AG

Seit 1976 entwickelt die IVU Lösungen fĂŒr Logistik und Geoinformatik. Ihr Location-Intelligence-Tool IVU.locate bietet umfangreiche Funktionen zur Zielgruppenanalyse, Tourenplanung sowie Standort-, Gebiets- und Mediaplanung. Zudem ist sie Spezialist fĂŒr Geodateninfrastrukturen, Geoportale und Geo-Government. IVU.workforce unterstĂŒtzt bei der Arbeitsvorbereitung und Einsatzsteuerung im Außendienst.

Nexiga GmbH

Nexiga – Full Service Anbieter fĂŒr innovatives Geomarketing – unterstĂŒtzt Unternehmen erfolgreich in der Planung und Bewertung von Vertriebs- und Versorgungsgebieten, Standorten und Filialen sowie der Segmentierung und Profilierung von Kunden und Zielgruppen. Das vielschichtige Datenportfolio, die intelligente Analysemethodik sowie die passgenauen Software-as-a-Service-Lösungen bieten jedem Unternehmen umfangreiches Wissen fĂŒr differenzierte Marketing- und Vertriebsstrategien.

Pitney Bowes Deutschland GmbH

Pitney Bowes bringt Milliarden von Transaktionen in der GeschĂ€ftswelt in Schwung und unterstĂŒtzt als weltweit agierendes Technologieunternehmen mehr als 1,5 Mio. Kunden in rund 100 LĂ€ndern mit innovativen Produkten und Lösungen in den Bereichen Globaler digitaler Handel, Postbearbeitung und Versand, Location Intelligence, Customer Information Management sowie Customer Engagement.

PTV Group

Die PTV Group bietet Software und Consulting fĂŒr Verkehr, Transportlogistik
und Geomarketing. Ob Transportrouten, Vertriebsstrukturen, Individualverkehr
oder öffentlicher Verkehr – rund 600 Mitarbeiter planen und optimieren
weltweit alles, was Menschen und GĂŒter bewegt. Vorne an: die marktfĂŒhrenden
Produktlinien PTV Map&Guide zur Transportroutenplanung und Vision
Traffic Suite zur Verkehrsplanung.

Ubilabs GmbH

Nutzen Sie die Potenziale interaktiver Karten fĂŒr Ihr Unternehmen – mit Ubilabs, dem Spezialisten fĂŒr Mapping-Technologien. Von der Datenvisualisierung bis zur Optimierung von Logistikprozessen: Wir entwickeln individuelle Kartenanwendungen fĂŒr Unternehmen aller Branchen und bieten als Google Cloud Premier Partner zertifizierte Beratung sowie den Vertrieb von Lizenzen fĂŒr Googles Geo-Produkte.

WIGeoGIS GmbH

WIGeoGIS steht fĂŒr langjĂ€hriges Knowhow bei Geomarketing-Analysen und innovative WebGIS-Software. Wir bieten online eine weltweite Geokodierung sowie prĂ€zise Geodaten und aktuelle Marktdaten.
Wir wissen, rÀumliche Analysen schaffen Fakten und neue Perspektiven. Mehr als 400 Unternehmen vertrauen der WIGeoGIS und ihren Geomarketing-Produkten.

Ein Kunde registriert sich via Webdienst, definiert den Standort, wĂ€hlt das VulnerabilitĂ€tsmodell aus und erhĂ€lt in wenigen Minuten das Ergebnis der Analyse, die auf den Hochleistungsservern der Versicherung ausgefĂŒhrt wird. Die Nutzung ist auch mit handelsĂŒblichen Smartphones möglich. „FĂŒr eine erste Risiko-EinschĂ€tzung kann der Kunde auf ein standardisiertes VulnerabilitĂ€tsmodell zurĂŒckgreifen“, beschreibt MĂŒller. Die Erfahrung zeigt jedoch: Je lĂ€nger die Kunden dabei sind, desto differenzierter werden die verschiedenen Modelle fĂŒr die VulnerabilitĂ€ten, die dann auch immer wieder gemeinsam mit dem Versicherer verfeinert werden. Ein Kunde aus dem Bereich Automobilproduktion hat beispielsweise bereits sieben VulnerabilitĂ€ten dieser Art fĂŒr unterschiedliche Betriebs- und Produktionsbereiche entwickelt. In Zukunft sollen den Kunden die Ergebnisse auch kartenbasiert ĂŒber das Internet bereitgestellt werden. DafĂŒr hat die KA kĂŒrzlich ĂŒber DDS die GIS-Webanwendung Spectrum Spatial Analyst von Pitney Bowes erworben, die nahtlos in K.A.R.L. integriert wird. Damit können nicht nur die untersuchten Standorte visualisiert, sondern auch die Analyse-Ergebnisse anschaulich dargestellt werden. Zuvor nutzte die Versicherung dafĂŒr das Google-Earth-Format KML, doch dies hat technische Grenzen und nicht jeder Kunde erlaubt die Installation der notwendigen Client-Applikation. „Die Benutzerstruktur des Spectrum Spatial Analyst ist sehr praktikabel, und der Leistungsumfang fĂŒr unseren Bedarf sehr interessant: Ich kann zum Beispiel selbst ,Named User’ anlegen und verwalten. Und ich kann das System direkt mit unserer Open-Source-Datenbank verbinden, ohne LizenzgebĂŒhren fĂŒr eine andere Datenbank-Lösung zahlen zu mĂŒssen“, sagt MĂŒller.

www.ddsgeo.de

www.koeln-assekuranz.com