An der Grenze der Kapazität

Als die kinematische Erfassung von Bestandsdaten vor rund 15 Jahren auf den Markt kam, galt sie als Revolution: Vermessungsdaten quasi im Vorbeifahren massenhaft zu erfassen und dazu noch in 3D: Das sprengte damals die Vorstellungen.

Foto: Nebel & Partner

Foto: Nebel & Partner

Zwar gab es bereits flugzeugbasierte digitale Photogrammetrie und auch 3D-Laserscanner, diese waren aber höchst anspruchsvoll und als Spezialanwendung vorgesehen. Doch die technische Utopie von damals ist heute gängige Praxis geworden. Heute berichten viele der Unternehmen, die sich auf den Bereich Mobile Mapping spezialisiert haben, nicht nur über volle Auftragsbücher. Die Projektkapazitäten sind in Deutschland für viele Teilbereiche des Mobile Mappings ausgelastet. Was kam es zu dieser Entwicklung?

Von der Spezial- zur Universallösung

Zu Beginn unterschied man beim Mobile Mapping drei verschiedenen sensorische Prinzipien: Einmal die bildbasierte Erfassung (mit dem Sonderfall der sphärischen Kameras für Panoramabilder), dann die laserbasierte Datenerafssung und als Drittes die weniger häufig anzutreffende Methode des Georadars. Zunächst wurde Mobile Mapping im Umfeld von Erhaltungsplanung und Zustandserfassung von Straßen eingesetzt. Insbesondere bei kommunalen Straßen entstanden Systeme mit Schwerpunkt bildbasierter Verfahren.

Parallel dazu entwickelten sich Lösungen auf Basis von 3D-Laserscansystemen. Sie haben die höchste vermessungstechnische Güte, allerdings dauerte es eine Zeit, bis sie in der Praxis akzeptiert wurden. Inzwischen ist das Mobile Mapping gerade beim Bau und der Sanierung von Bundesautobahnen und Landstraßen etabliert. Vorreiter waren Behörden beispielsweise in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, die erste Projekte durchgeführt haben.

Erste Landesbehörden in Deutschland haben sich inzwischen sogar eine Lösung beschafft und setzen so standardmäßig auf das Verfahren. Die Wirtschaftlichkeit kann also als bewiesen angesehen werden, nicht nur, weil die Vermessung im laufenden Betrieb stattfindet und demnach keine Sekundärkosten durch Verkehrsbeeinträchtigungen entsteht. Die 3D-Vermessung ist wirtschaftlich, weil sie 360 Grad, flächendeckend und in 3D stattfindet. Es entsteht ein Informationsumfang, der im gesamten Projekt zur Verfügung steht. Inzwischen hat eine rasante Technologieentwicklung stattgefunden. Die meisten Mobile Mapping Systeme haben photogrammetrische und laserbasierte Sensoren an Bord, viel sogar auch ein Georadar. Auftraggeber können dabei bestimmen, mit welcher Detaillierung, Qualität und Umfang Infrastrukturdaten aufgenommen werden und was daraufhin GIS-basiert klassifiziert werden soll.

Inzwischen setzt man Mobile Mapping auch für andere Fachaufgaben ein. Dazu gehören die Planung von Schwerlasttransporten, die Bestimmung von Durchfahrthöhen von Brücken, die Umrüstung von LED-Straßenlaternen oder die Planung des Breitbandausbaus. Aktuell wird dem Thema auch großes Interesse vor dem Hintergrund des Ausbaus von Ladestationen für die Elektromobilität entgegengebracht.

Problem liegt auch bei der Qualifikation

Dennoch gibt es immer wieder Hemmnisse für eine Marktentwicklung. So ist in der Planungswelt der Öffentlichen Hand der Umgang mit 3D-Punktwolken immer noch eine Seltenheit. Technologie und Know-how sind selten ausreichend, zumal die Öffentliche Hand als Arbeitgeber für junge Leute mit hoher Qualifikation wenig attraktiv ist.

Fachleute, die sowohl vermessungstechnisches Know-how haben, aber auch im Bereich der 3D-Datenanalyse und -verarbeitung bewandert sind und dazu noch GIS- und CAD-basierte Workflows beherrschen sind rar gesät. Die Universitäten können den aktuellen Ausbildungsbedarf nicht decken, weil nicht überall auf dem neuesten Stand der Technik ausgebildet wird. Eine ähnliche Situation herrscht bei Bauingenieuren: Wer die inhaltliche Klaviatur des digitalen Bauens gut beherrscht, ist äußerst gefragt am Markt.

Selbst Ingenieurbüros mit entsprechendem Knowhow stehen vor Herausforderungen. „Wir können überhaupt nicht jedes Projekt annehmen, für das uns die Kunden gerne beauftragen würden“, sagt Robert Hau von Nebel & Partner aus Schleswig, einem Pionier in Deutschland für den Einsatz von 3D-Laserscannern und photogrammetrischer 3D-Datenerfassung. Gleiches gilt für die Institutionen oder Firmen, die einen eigenen 3D-Laserscanner anschaffen. Sie müssen die entsprechenden Leute für die Datenauswertung in Eigenregie ausbilden beziehungsweise Schulungsangebote wahrnehmen.

Datenschutz als Bremse

Zu dem ausbildungsbedingten Innovationsstau kommt das Thema Datenschutz hinzu, das insbesondere bei kommunalen Anwendungen viel Aufmerksamkeit bindet. Amtliche Verwaltungen müssen personenbezogene Daten, also Hausfassaden, Nummernschilder und Gesichter unkenntlich machen, unkenntlich machen. Das gilt auch bei interner Nutzung. Die Datenschutzbeautragten einiger Länder schenken dem Thema große Aufmerksamkeit.

Dabei ist der amtliche Bedarf an 3D Geodaten groß. Noch letztes Jahr hieß es in einem Positionspapier: „Dreidimensionale Geoinformationen stellen eine wesentliche Handlungs- und Entscheidungsgrundlage innerhalb einer Stadt dar und unterstützen kommunalpolitische Zielsetzungen, Genehmigungs-, Planungs- und Beteiligungsprozesse sowie strategische Entscheidungen maßgeblich“. Der Datenschutz verbaut damit auf seine Weise die Möglichkeit der Verwaltungsmodernisierung. Außerdem nutzen die Befahrungsdaten dem Erhaltungsmanagement der kommunalen Straßen und stützen damit ein Thema von gesellschaftspolitischer Relevanz.