Virtuelle Kontaktlinse für Radarsatelliten

Radarsatelliten liefern Daten, mit denen sich der Meeresspiegel und die ozeanischen Strömungen kartieren lassen. An den Stellen, wo Eis die Meere bedeckt, sind die Radaraugen bisher allerdings blind. Forscher und Forscherinnen der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Analysemethode entwickelt, die dieses Problem wie eine virtuelle Kontaktlinse löst.

Das Meer östlich von Grönland ist das ganze Jahr von Eis bedeckt. Das Wasser darunter unterliegt einer jahreszeitlichen Dynamik. Foto: Marcello Passaro and Felix Müller / DGFI-TUM

Das Meer östlich von Grönland ist das ganze Jahr von Eis bedeckt. Das Wasser darunter unterliegt einer jahreszeitlichen Dynamik. Foto: Marcello Passaro and Felix Müller / DGFI-TUM

Kernstück der virtuellen Kontaktlinse ist der adaptive Algorithmus ALES+, die Abkürzung steht für Adaptive Leading Edge Subwaveform. ALES+ identifiziert automatisch den Teil der Radarsignale, der vom Wasser reflektiert wird und leitet nur daraus die Meereshöhen ab. Auf diese Weise lässt sich die Höhe des Meerwassers, das in den Spalten und Öffnungen im Eis an die Oberfläche dringt, exakt vermessen. Aus dem Vergleich mit Messungen vergangener Jahre können Klimaforscher und Ozeanographen nun Rückschlüsse ziehen auf Veränderungen des Meeresspiegels und der Meeresströmungen.

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen konnten anhand eines Testszenarios in der Grönlandsee zeigen, dass ALES+ die Wasserhöhen für Meereisregionen und den offenen Ozean liefert, die deutlich präziser sind als die Ergebnisse bisheriger Auswerteverfahren.

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