„Integrierte Lösungen erleichtern dem Fachmann die Arbeit”

Interview mit Vivien Heriard-Dubreuil, Präsident von Microdrones.

2005 in Siegen gegründet, gilt Microdrones als weltweit erster Hersteller kommerzieller Quadrokopter. Aus dem Pionier ist ein global agierender Produzent von UAV-Fluggeräten und spezialisierten Lösungen entstanden. Business Geomatics sprach mit Microdrones- Präsident Vivien Heriard-Dubreuil über heutige UAV-Lösungen für die Geo- und Baubranche.

Business Geomatics: Im Jahr 2016 fusionierte Ihr damaliges Unternehmen Avyon mit Microdrones. Wie kam es dazu?

Der französische Unternehmer Vivien Heriard-Dubreuil ist neben seiner Stellung als Präsident von Microdrones nach wie vor auch Geschäftsführer von Flyterra. Er hat einen Abschluss der École des Hautes Études Commerciales (Paris) und der École Nationale Supérieure de Aéronautique et de l'Espace (Toulouse). Foto: Microdrones

Der französische Unternehmer Vivien Heriard-Dubreuil ist neben seiner Stellung als Präsident von Microdrones nach wie vor auch Geschäftsführer von Flyterra. Er hat einen Abschluss der École des Hautes Études Commerciales (Paris) und der École Nationale Supérieure de Aéronautique et de l’Espace (Toulouse). Foto: Microdrones

Vivien Heriard-Dubreuil: Damals wurde die kommerzielle Verwendung von UAV in den USA gesetzlich gelockert. Dies setzte enorme Möglichkeiten in ganz Nordamerika frei. Avyon hatte die Flugzeugplattformen von Microdrones zu diesem Zeitpunkt bereits rund drei Jahre lang verwendet. Um die neuen Märkte bedienen zu können, war es für Avyon als nordamerikanisches Unternehmen sinnvoll, sich einen Kooperationspartner zu suchen. Ziel war es, die UAV-Plattform mit Geo-Sensoren zu vernetzen. Wir haben die einmalige Chance ergriffen, die beste kommerzielle UAV-Plattform am globalen Markt mit der am vollständigsten integrierten Sensorenausrüstung zu kombinieren. Wir bieten also vollständig durchgängige Lösungen an, die Planung, Flug, Verarbeitung und Visualisierung umfassen. Wir reden somit nicht bloß von der Drohne oder der Drohne mit eingebautem Sensor, sondern auch über den integrierten Workflow und die Software, die alles zusammenfügt und dem Fachmann letztlich die Arbeit erleichtert.

Warum benötigt der Markt solche integrierten Lösungen?

Unsere Systeme und Lösungen richten sich an professionelle Kunden in der Geo-Branche. Als Hersteller arbeiten wir mit dem Trimble-Händlernetzwerk global zusammen und haben so einen sehr engen Kontakt mit den unmittelbaren Anwendern aus diesem Sektor. Daher wissen wir, dass diese Fachleute weltweit nach vollständig integrierten Systemen verlangen, die ihnen die Aufgaben für eine bestimmte Anwendung erleichtern. Wir entscheiden, für welche Anwendungsschwerpunkte spezialisierte Lösungen entwickelt werden. Unsere Leitfragen sind dabei, ob wir alles sauber zusammenführen und ein besseres Ergebnis als mit unseren derzeitigen Methoden erzielen können.

Zum Beispiel?

Als erstes entstand die mdMapper-Reihe auf Basis von Photogrammetrie. Später entwickelten wir mdTector aufgrund eines Kundenwunsches nach einem einfach anzuwendenden Methangas-Detektionssystem. Erst kürzlich erkannten wir dann den Bedarf nach einer sehr schnellen Verarbeitung der Daten zur Erstellung von 3D-Punktwolken- Modellen, der schließlich zur Entwicklung von mdLi- DAR1000, dem ersten Produkt in einer Reihe von vollständig integrierten LiDAR-Lösungen, führte. LiDAR wird für unsere Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Wir bauen nun eine vollständige Produkt-Reihe auf Basis davon auf, um den großen Anforderungsbereich der Praxis abzudecken.

Die Entwicklung einer Komplettlösung setzt ganz andere fachliche Qualifikationen als eine reine UAV-Entwicklung voraus. Wie haben Sie diese bei Microdrones gewonnen?

Durch unsere Mitarbeiter. Wir rekrutieren offensiv die klügsten Köpfe aus allen Fachrichtungen – darunter natürlich Luftfahrt-, aber auch Softwareentwicklungs- und Geo-Experten – und versuchen, diese an unser Unternehmen zu binden. Der Leiter unserer Produktentwicklung, Dr. Mohamed Mostafa, hat beispielsweise mehr als 30 Jahre Erfahrung im Aufbau von Geo-Unternehmen, -Produkten und -Dienstleistungen.

Wie soll das Händlernetz von Microdrones weiterentwickelt werden?

Wir nehmen weltweit Trimble-Distributoren unter Vertrag – zuletzt waren es 38 – und unterstützen sie durch Schulungen, Vertriebs- und Marketing-Maßnahmen sowie durch technischen Support bei ihrer Arbeit. Dabei ermöglichen wir ihnen, unsere Technologie an ihre lokalen Märkte anzupassen.

Bei Ihren Lösungen stellen Sie heraus, wie einfach sie anzuwenden sind, auch für anspruchsvolle Vermessungsaufgaben. Entsteht so nicht auch eine Wettbewerbssituation mit der bisher verfügbaren Vermessungstechnik?

Inzwischen ist im Markt tatsächlich bekannt, dass mit unseren vollständig integrierten Systemen gute Ergebnisse ermöglicht werden. Aber es ist wichtig zu betonen, dass diese Lösungen keine Experten ersetzen können, sondern ein ergänzendes Instrument für diese sind. Sie erweitern das Technik-Arsenal der Geodäsie. UAV füllen eine Nische und sind gut positioniert zwischen Bodensystemen, bemannten Flugsystemen und Satelliten.

Nochmal zurück zur reinen Flugplattform: Wo liegen heute noch signifikante Unterscheidungsmerkmale bei den Flugplattformen und wo sehen Sie weiteres Verbesserungspotential?

Microdrones ist für seine langen Flugzeiten, die stabilen Flugeigenschaften und die Fähigkeit, auch bei schlechten Witterungsbedingungen einen konstanten Betrieb zu garantieren, bekannt. Permanente Verbesserung ist ein Hauptthema unserer Unternehmenskultur – obwohl unsere Drohnen in den vergangenen Jahren optisch immer gleich aussahen, wurden Hard-, Firm- und Software im Inneren komplett überarbeitet und laufend verbessert. Die Hardware-Entwicklung war von Beginn an ein Teil unserer DNA und darin investieren wir auch heute noch. Die Verbindung unserer Soft- und Hardware-Skills mit effizienten Workflows und gutem Support, macht Microdrones einzigartig.

Wird Microdrones auch in den Fixed-Wing-Markt einsteigen?

Das ist aktuell nicht geplant. Das liegt daran, dass wir mehr als genug Märkte mit unserer bestehenden VTOL-Produktreihe abzudecken haben. Unser Schwerpunkt liegt auf dem richtigen Management unseres Wachstums bei VTOL im Hinblick auf Geo-Anwendungen und -Distributoren.

Wie sehen Sie den deutschsprachigen Markt im internationalen Vergleich?

Der Einzugsbereich DACH (Deutschland, Österreich, Schweiz; Anm. d. Red.) war für Microdrones immer wichtig. Er ist umsatzmäßig unser drittgrößter Markt. Die Endkunden aus DACH sind gut ausgebildet und schätzen das Leistungsversprechen unserer Lösungen. Dieser Markt scheint in Bezug auf Sicherheit und Vorschriften federführend zu sein – das ist für eine breite Akzeptanz in der Branche sehr wichtig.

Wie wichtig ist es für Anwender, ein funktionierendes Mobilfunknetz zur Verfügung zu haben?

Heute ist es noch nicht so wichtig. Das wird sich in Zukunft aber ändern – insbesondere, weil sich das Fliegen außerhalb der Sichtgrenze noch weiter verbreiten wird. Wir sind stolz darauf, mit der Deutschen Telekom und der Deutschen Flugsicherung (DFS) zusammenzuarbeiten, um eine sichere und angemessene Integration von Drohnen in einem gemeinsam genutzten deutschen Luftraum über ein mobiles Netzwerk zu ermöglichen.

Wo liegt das größte Wachstumspotential für den Drohnen-Markt?

Das liegt in der kontinuierlichen Expansion und Ausbreitung innerhalb der Geo- und Baubranche. Drohnen sind dafür ideal – sowohl im Hinblick auf Sicherheit und Effizienz, als auch vom Standpunkt der Investition aus. Die Effizienzsteigerungen sind so hoch, dass sie die Investitionskosten für eine typische Sachverständigen-, Flächenentwicklungs- oder Baufirma aufwiegen.

Wo sehen Sie Microdrones in fünf Jahren?

Unser Ziel ist es, durch Hard- sowie Software, Workflow, Schulungen und Support der führende Anbieter für Fachleute zu werden, die unsere Produkte für ihre Aufgaben in der Geo-Branche benötigen. Lange bevor große Geräte die Erde bewegen und Bauwerke errichtet werden, sollen unsere Systeme über das Land geflogen sein, um die Daten zu erfassen, aus denen schließlich der Entwicklungsplan erstellt wurde.

 

Historie von Microdrones

Der gebürtige Franzose Vivien Heriard-Dubreuil gründete im Jahr 2013 in Kanada mit Flyterra ein Unternehmen für Drohnen- Dienstleistungen in Nordamerika. Heriard-Dubreuil investierte unter dem Firmennamen ProDrones in die deutsche Firma Microdrones und den französischen Fixed-Wing-Hersteller Delair und baute für beide Firmen den Vertriebskanal in Nordamerika auf. Mit Avyon wurde ein weiteres Unternehmen mit Fokus auf den Verkauf von Drohnen-Lösungen gegründet. Avyon entwickelte Komplettlösungen auf Basis der Microdrones- Drohnen, die für spezifische kommerzielle Anwendungen konzipiert wurden, etwa für Vermessung, Kartierung, Inspektion, Bergbau, Baustellen oder Präzisionslandwirtschaft. Im Jahr 2016 fusionierten Microdrones und Avyon und firmieren seitdem unter dem Namen Microdrones.