Digitaler Schifffahrtsassistent startet in die heiße Phase

Für Schiffsführer kommt Unterstützung zur Routenplanung auf Bundeswasserstraßen: Der „Digitale Schifffahrtsassistent“ (DSA), an dessen Entwicklung sich die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) und die TU Berlin beteiligen. Nach 10-monatiger Vorbereitung startete nun der Feldtest.

Der Bundesverkehrswegplan prognostiziert ein Wachstum des Binnenschiffgüterverkehrs bis 2030 von 23 Prozent. Gleichzeitig macht Niedrigwasser der Binnenschifffahrt nicht zuletzt im Sommer 2018 zu schaffen. Vielerorts sind die Flussläufe eingeschränkt oder gar nicht mehr für den Transport zu Wasser freigegeben. Grund sind die Pegelstände: sie haben für Schiffsführer eine entscheidende Bedeutung, denn so manche Strecken können bei Niedrigwasser nur mit teilweise beladenen Schiffen befahren werden. Aber auch ein hoher Wasserstand birgt Fahrteinschränkungen. Bei der Routenplanung ist damit die Wasserstandsvorhersage eine der wichtigen Eingangsgröße.

Der „Digitale Schifffahrtsassistent“ ermöglicht es, die auf der Fahrtstrecke zu erwartenden Wasserstände während des Beladens eines Schiffes einzukalkulieren. Foto: BearingPoint GmbH

Mit dem „Digitalen Schifffahrtsassistenten“ (DSA), der von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) und der TU Berlin im mFUND-Projekt entwickelt wurde, sollen Schiffsführer mit allen wichtigen Basisinformationen zuverlässig bei der individuellen Routenplanung unterstützt werden. Das mFUND-Projekt ist eines der vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) seit 2016 geförderten Forschungs- und Entwicklungsprojekte rund um digitale, datenbasierte Anwendungen im Rahmen der Kampagne „Mobilität 4.0“. Nun startete mit dem Feldtest die entscheidende Phase, in welcher Schiffer, Reedereien und Industrie aufgerufen sind, den Prototypen im Praxisbetrieb auf Herz und Nieren zu testen. Im Fokus stehen dabei Alltagstauglichkeit, Nutzerfreundlichkeit sowie insbesondere seine Funktionen. Vier Monate werden über 50 ausgewählte Nutzer den DSA auf dem Rhein nutzen.

Ergänzung zu Wasserstraßen-Informationssystemen

Konzipiert als Web-Applikation, läuft der DSA auf unterschiedlichen Endgeräten wie Laptop oder Tablet. Auf einer interaktiven Karte werden so z.B. Engstellen angezeigt und Ankunftszeiten berechnet. Eine genaue Wasserstandsvorhersage ermöglicht es, noch während des Beladens eines Schiffes die auf der Fahrtstrecke zu erwartenden Wasserstände einzukalkulieren. Durch Einsatz künstlicher neuronaler Netze – der intelligenten, digitalen Informationsverarbeitung – werden die kurz- bis mittelfristigen Wasserstandsvorhersagen fortlaufend verbessert.

Das von einem interdisziplinären Verbund unter Federführung der Management- und Technologieberatung BearingPoint durchgeführte Projekt soll auf die Anforderungen zur Routen- und Ladungsplanung ausgerichtet sein und damit dem Wachstum des Binnenschiffgüterverkehrs mit Flexibilität begegnen. Der DSA versteht sich dabei als Ergänzung zu bestehenden Wasserstraßen-Informationssystemen, wie z.B. ELWIS (www.elwis.de).

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