Gefahrenpr√§vention f√ľr nachhaltige Stadtplanung

Die IABG zeigt im Rahmen eines Pilotprojekts, wie das Katastrophenrisiko bereits in der Stadtplanung ber√ľcksichtigt werden kann. Zuk√ľnftige Sch√§den durch urbane Sturzfluten k√∂nnen so besser reduziert werden.

Menschen auf der ganzen Welt dr√§ngen zunehmend und aggressiv in St√§dte und urbane Gegenden. Diese Urbanisierung und der damit einhergehende sozio√∂konomische Wandel geh√∂ren also zu den globalen Megatrends. Das bietet viele Vor-, aber auch Nachteile. So wird beispielsweise der Lebensraum von Flora und Fauna erheblich eingeschr√§nkt ‚Äď und das Katastrophenrisiko in urbanen Gebieten steigt drastisch. Die j√ľngsten Starkregenereignisse mit schweren √úberflutungen in Tunesien oder auf der spanischen Insel Mallorca im Oktober 2018 bezeugen das. Todesf√§lle, tausende Verletzte und Sch√§den in Millionenh√∂he sind die m√∂glichen Folgen.

Die √∂ffentliche Wahrnehmung wird auch von wissenschaftlichen Studien bezeugt: Neuesten Zahlen der African- Arab Plattform for Disaster Risk Reduction (DRR) zufolge, geht man allein f√ľr Tunesien von Sch√§den von bis zu 140 Millionen US-Dollar pro Jahr aus. Insbesondere Naturkatastrophen wie D√ľrre, √úberflutung und St√ľrme nehmen global gesehen nachweisbar an H√§ufigkeit und Intensit√§t zu. Aus diesem Grund ist die Bewertung des aktuellen und zuk√ľnftigen Katastrophenrisikos zur Unterst√ľtzung einer risikobewussten und pr√§ventiven Stadtplanung unerl√§sslich. Ziel muss es also sein, die physische Widerstandskraft von St√§dten angesichts von Starkregenereignissen und weiteren Naturkatastrophen aufzubauen und zu st√§rken.

Ziel: Risikominimierung

Das hat auch das deutsche Analyse- und Testdienstleistungs-Unternehmen Industrieanlagen- Betriebsgesellschaft mbH (IABG) erkannt. Im Pilotprojekt ‚ÄěUrban Disaster Resilience Through Risk Assessment and Sustainable Planning‚Äú (UD-RASP) wollte der Dienstleister aus Ottobrunn bei M√ľnchen eine Methode entwickeln, um die Resilienz von St√§dten gegen√ľber multiplen Katastrophen zu verbessern. Unterst√ľtzt wurde die IABG von der Generaldirektion Humanit√§re Hilfe und Katastrophenschutz (GD ECHO) der Europ√§ischen Kommission, der United Nations University sowie der tunesischen Stadt Monastir, welche die Funktion als Pilotstadt √ľbernahm.

Im Zeitraum von Januar 2017 bis Oktober 2018 entwickelten die Projektpartner eine Methodik, welche es gestattet, die Ergebnisse der Risikobewertung in die nachhaltige Stadtentwicklung zu integrieren und damit das urbane Katastrophenrisiko zu verringern. Im Rahmen des Projektes wurde ein Prozess geschaffen, der lokal, regional wie auch national ‚Äď insbesondere im nordafrikanischen Raum ‚Äď angewendet werden kann. Wesentliches Ziel des Pilotprojektes war es, die technischen und methodischen Voraussetzungen zu schaffen, um k√ľnftig die Risikobewertung von Naturgefahren und den Kapazit√§tsaufbau im Risikomanagement in den Stadtplanungsprozess einzubinden.

Im Rahmen der Risikoanalyse wurden Exposition (links), Vulnerabilität (Mitte) und bewertete Risikoflächen (rechts) am Beispiel der tunesischen Stadt Monastir untersucht. Foto: Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH

Identifizierung von Gefahrenzonen

Daf√ľr schufen die Projektpartner unter Federf√ľhrung der IABG eine webbasierte Plattform, die f√ľr die jeweilige fachbezogene Entscheidungsfindung zentral zug√§nglich sein wird und alle f√ľr Planungszwecke relevanten Informationen in einem r√§umlichen Zusammenhang darstellt. Nach Angaben des Analyse-Unternehmens konnte mithilfe von Workshops und Interviews von Beginn an die nachhaltige Nutzung und Akzeptanz des Projekts gew√§hrleistet werden ‚Äď auch weil sich Stakeholder und Entscheidungstr√§ger aus der Region Monastir kontinuierlich am Pilotprojekt beteiligten.

Ausgehend von einer inhomogenen und l√ľckenhaften Datenlage, insbesondere von digitalen, r√§umlichen Daten, wurde so eine umfangreiche Datensammlung geschaffen. Fehlende Informationen konnten dabei durch Fernerkundungsmethoden erg√§nzt sowie aufbereitet werden. Basierend auf einer standardisierten Geo-Datenbank, die unter anderem auch den f√ľr Nordafrika verpflichteten Fl√§chenwirkungsplan (Plan d‚Äė Am√©nagement) integriert, erfolgten weitere Auswertungen und Analysen: Identifizierung und Lokalisierung von Gefahrenzonen mit dem Schwerpunkt auf urbane Sturzfluten und K√ľstenerosionen, die Analyse der Exposition im Hinblick auf Bev√∂lkerung und Infrastruktur sowie der Vulnerabilit√§t in den betroffenen Stadtgebieten. In der daran anschlie√üenden Risikoanalyse konnten schlussendlich die betroffenen Zonen identifiziert und bewertet werden.

Dezidierte retrospektive Analyse

Dar√ľber hinaus wurden mithilfe einer Szenarienanalyse potenzielle Risikofl√§chen mit Blick auf m√∂gliche urbane Sturzfluten bis zum Jahr 2030 ermittelt und visualisiert. Dies erforderte eine dezidierte retrospektive Analyse, um die zuk√ľnftige Stadtplanung simulieren zu k√∂nnen. Ebenfalls wurden sozio√∂konomische Daten zur Modellierung der Vulnerabilit√§t und eine Simulation unterschiedlicher Niederschlagsereignisse zur Lokalisierung exponierter Fl√§chen ber√ľcksichtigt. In die Risikobewertung flossen au√üerdem weitere lokalspezifische Parameter, welche die Stadtentwicklung k√ľnftig signifikant beeinflussen k√∂nnten ‚Äď beispielsweise Wirtschaftsdaten oder die jeweilige regionale Rechtslage ‚Äď ein.

Die praktische Anwendung der Projektergebnisse soll durch umfangreiche Workshops und Schulungen des st√§dtischen Fachpersonals gew√§hrleistet werden. Auf diese Weise werden die Beteiligten einerseits f√ľr die komplexe Thematik der Fernerkundung und Risikoanalyse und andererseits auch f√ľr deren potenzielle Einsatzm√∂glichkeiten im Rahmen einer nachhaltigen Stadtentwicklung sensibilisiert ‚Äď und die Gefahr von Naturkatastrophen f√ľr urbane Gegenden in der Folge erheblich gesenkt.

www.iabg.de
www.udrasp.iabg.de