Badische Begehungen

Die Stadt Karlsruhe hat eine flächenorientierte Straßendatenbank aufgebaut und Außendienstmitarbeiter des Tiefbauamtes mit mobilen Endgeräten ausgestattet, die Daten zur Verkehrssicherung und zum Straßenzustand erfassen. Aufgrund übergreifender Workflows konnte so eine weitreichende Prozessoptimierungen durchgeführt werden.

Die Stadt Karlsruhe hat die Erfassung des Zustandes ihrer Straßen modernisiert. Seit dem Jahr 2016 erheben Mitarbeiter des Tiefbauamtes den Zustand der jeweiligen Verkehrsflächen per Tablet-PC. Zuvor geschah dies noch papiergebunden, woraufhin die Daten in die Straßendatenbank übertragen werden mussten. Das Besondere an diesem Konzept liegt in der Zentralität: Die in das Workflow-System Kommunalregie des Herstellers IGV mbH eingebundene Straßendatenbank unterstützt sämtliche Management- Aufgaben rund um die Verkehrswege, was den Weg für verschiedenste Optimierungen freigemacht hat.

E EMI und Radverkehr im Fokus

Beispiel für die Bewertung des Straßenzustandes einer Fläche gemäß der E EMI auf einem iPad. Foto: IDV mbH

Im Bereich Straßenzustandserfassung ist die Stadt ein Vorreiter in Deutschland. Bereits im Jahr 2008 erledigten Mitarbeiter des Tiefbauamts dies systematisch per Begehung. Doch die Erhebung geschah noch vollkommen analog auf Basis von Papier. Die Zustandsdaten wurden dann in eine Straßendatenbank überführt, in der lediglich ein Knoten-Kantenmodell hinterlegt war. Die einzelnen Straßenflächen wurden pauschal anhand dieses linienförmigen Modells generiert und bildeten somit die Realität der Verkehrsflächen nur äußerst abstrakt ab.

Bevor die mobilen Endgeräte eingeführt wurden, erweiterte die Stadt also zunächst die Datenbank, um so eine flächengenaue Bewertung zu gewährleisten. Dies hatte verschiedene Ursachen. Zum einen wollte Karlsruhe auch die Kriterien des Erhaltungsmanagements von Innerortsstraßen (E EMI 2012) berücksichtigen, für die der flächenscharfe Erfassungsansatz unabdingbar ist. Zum anderen spielten die verkehrspolitischen Ziele der Stadt eine Rolle. „Wir haben im ersten Schritt die Verkehrsflächen erfasst, aber zukünftig soll auch der Zustand der Geh- und vor allem der Radwege innerhalb des Systems erfasst werden“, so Wilfried Schreiber vom Tiefbauamt in Karlsruhe. Schließlich will die Kommune ihren aktuellen Status als fahrradfreundliche Stadt zukünftig weiter ausbauen. Im Zuge einer Auswertung von Luftbildern wurde demnach innerhalb der Softwarewarelösung Kommunalregie eine flächenorientierte Straßendatenbank aufgebaut, welche aktuell rund 54.000 Flächen aufweist, die zusammen den kompletten Straßenraum inklusive aller Gehund Radwege sowie der Grünflächen abdecken.

Schnellere Erfassung via iPads

Diese Flächen werden den mobilen Zustandserfassern seit deren Ausstattung mit iPads im Jahr 2016 angezeigt. Zu jeder Fläche wurde im Rahmen einer konzertierten Kampagne von rund vier Wochen ein Zustandswert ersterfasst. „Im alten, papiergebunden System hatte die Erfassung inklusive der Übertragung der Daten mindestens sechs Wochen gedauert“, so Schreiber.

Die Straßen sind in zwei Kategorien aufgeteilt. Die weniger beanspruchten Strecken werden im Rahmen eines einfachen Schulnotensystems erfasst. Alle anderen Strecken werden gemäß den Empfehlungen für die E EMI digitalisiert. Hier gehen mehrere Detaildaten wie etwa zu Rissen, Spurrillen oder der Oberflächenbeschaffenheit ein, worauf ein Algorithmus schlussendlich einen Notenwert errechnet.

Das mobile System ist direkt an die Serveranwendung angebunden, sodass Änderungen direkt dort vorgenommen werden. Aufgrund der guten Mobilfunkanbindung der badischen Metropole funktioniert dies auch in der Praxis reibungslos. Mit dem iPad werden zudem Bilder aufgenommen, die ebenso flächenscharf direkt in Kommunalregie vorliegen.

Die Anwendung zeigt den Zustand anhand einer farblichen Kodierung und bietet eine ganze Palette von Auswerte- und Visualisierungsmöglichkeiten – etwa ein Straßenzustandsbericht aller Straßen (1.400 Kilometer) oder von Stadtteilen. IGV hat diese Auswertungen maßgeschneidert programmiert, so ist beispielsweise auch ein exakter, flächenbezogener Vergleich von einzelnen Stadtteilen zur Gesamtlage möglich. „Diese Informationen sind zum Beispiel enorm wichtig, um damit die Dringlichkeit der Maßnahmen im politischen Raum und den einzelnen Fachämtern zu besprechen“, sagt Klaus Hartung, Geschäftsführer von IGV. Individuelle Auswertungen können auch von den Systemadministratoren umgesetzt werden.

Vorteile eines zentralen Systems

Die Stellung von Kommunalregie als zentrale Straßen-Anwendung eröffnet der Stadt Karlsruhe eine Reihe weiterer Möglichkeiten, Aufgaben schneller und effizienter zu erledigen. Vor dem Hintergrund der Aufgrabungen, die im Zuge von Reparatur und Sanierung der unterhalb der Deckschicht befindlichen Versorgungsleitungen notwendig sind, hat man in Karlsruhe großen Wert auf die Abstimmung mit den Stadtwerken gelegt. „Die Synchronisierung von Maßnahmen im Zuge einer mittel- und langfristigen Maßnahmenplanung war eines der vornehmlichen Ziele, die wir im Zuge der Digitalisierung der Straßenverwaltung als Ziel gesetzt haben“, sagt Wilfried Schreiber, EDV-Leiter der Stadt Karlsruhe.

Gemeinsam mit den Stadtwerken Karlsruhe wurde bereits eine Arbeitsgruppe zur mittelfristigen Instandhaltung ins Leben gerufen. Heute schon zeigt die Kommunalregie-Anwendung, wo die Stadt beispielsweise Aufgrabungssperren verhängt hat. Ebenso ist ersichtlich, in welchen Abschnitten die jeweiligen Sparten der Stadtwerke mittelfristig Aufgrabungen durchführen wollen. Gleichzeitig zur Einführung hat die Stadt Karlsruhe auch einen Prozess zur Fortführung der Zustandsdaten realisiert. Dabei setzt sie auf eine enge Anbindung der Bauabteilung, die vollendete Baumaßnahmen automatisch an die Kommunalregie meldet. Der Straßenzustand wird bei der Erneuerung eines Abschnittes ebenfalls automatisiert auf die Note 1 gestellt. „Wir sind besonders stolz, dass dieser ämterübergreifende Workflow so reibungslos funktioniert“, so Schreiber.

Weitere Besonderheit in Karlsruhe ist, dass die Zustandserfasser bereits im mobilen System die Art der Baumaßnahme vorschlagen, die bei einem lädierten Straßenabschnitt angemessen erscheint. Daraufhin kann Kommunalregie die zu erwartenden Kosten kalkulieren. „Dies hält natürlich keiner wissenschaftlichen Prüfung stand, ist aber eine in der Praxis etwa beim Erstellen des Jahresbauprogramms enorm wertvolles Tool für die Planungsaufgaben“, so Bauingenieur Schreiber.

Abstimmung mit Verkehrssicherung

Synergien erreicht die Stadt auch, weil sogar die Aufgaben der Verkehrssicherungspflichten in Kommunalregie abgebildet werden. Denn auch die Streckengänger, die im Außendienst die Gefahren für den Verkehr identifizieren, arbeiten inzwischen digital und nutzen die gleiche Datenbank. Das Tiefbauamt macht sich diese regelmäßigen Datenerfassungen auch für die Zustandsbewertung zunutze. Da die Streckenläufer für die Verkehrssicherheit auch etwaige Missstände des Zustandes der Verkehrsflächen mehrmals im Jahr melden können, gehen die Planer davon aus, dass Flächen mit bisheriger Zustandsnote 1 oder 2 ohne „außerordentliche“ Meldungen durch die Streckenwärter sich nicht grundlegend verschlechtert haben. So entsteht eine Selektion. Anstatt der im Jahr 2016 erfassten rund 11.000 Straßenflächen mussten dieses Jahr „nur“ 4.200 begutachtet werden.

Die Zustandserfassung führt die Stadt im Rahmen von Kampagnen alle zwei Jahre durch. Für die zweite Kampagne, die kürzlich abgeschlossen wurde, benötigte die Stadt aufgrund diverser Optimierungen nochmals wesentlich weniger Zeit für die Gesamterfassung. Zum Beispiel liegen den Erfassern nicht nur für jede Fläche vor Ort die bestehenden Daten vor, ebenso müssen die mobilen Trupps nicht mehr alle Straßen begehen. In Zukunft will die Stadt Karlsruhe für die meistbefahrenen Strecken der Stadt auch eine messtechnische Erfassung des Straßenzustandes beauftragen. Derzeit befindet sich die Kommune in den vorbereitenden Maßnahmen. Bereits klar ist, dass die Daten der Befahrung von dem jeweiligen Befahrungsdienstleister direkt in Kommunalregie eingearbeitet werden sollen. So soll auch weiter der Medien- und Systembruch vermieden werden.

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