Stadtplaner per Baukastensystem

Im TUD-Projekt U_CODE (Urban Collective Design Environment) wird ein digitales Kollaborationstool entwickelt, das Bürger an der Stadtplanung beteiligen soll.

Eine Stadt spielerisch in 3D nach den eigenen Bedürfnissen wie eine Küche oder ein Schlafzimmerschranksystem online planen: Dieser Idee folgt seit 2016 das von der TU Dresden geführte Horizon2020-Projekt U_CODE mit einem virtuellen partizipativen Stadtplanungsbüro. Seit diesem Jahr setzen IT-Entwickler aus dem Team um Projektleiter Prof. Jörg Rainer Noennig am Labor WISSENSARCHITEKTUR die digitalen Planungsräume und -werkzeuge technisch um. Kürzlich wurden Zwischenergebnisse vor der EU-Kommission präsentiert. Das Projekt wird mit 3,6 Mio. Euro gefördert.

Auch Touchtables kommen im „Project Playground” zum Einsatz. Fotos: TU Dresden

Man geht davon aus, dass einzelne Expertengruppen – Architekten, Planer, Kommunen oder Stadtverwaltungen – die zukünftigen Aufgabe der Stadtplanung nicht mehr bewältigen können. Sie brauchen für eine erfolgreiche Umsetzung unter anderem den Dialog mit den Menschen, die in Zukunft in den Städten leben werden. Die virtuellen Planungsräume sowie Kreativ- und Planungstools von U_CODE lassen eine starke demokratische Bürgerbeteiligung und „co-creation“ zu, und das bereits in der Planungs- und Entwurfsphase. Schon während der Ideenfindung sollen Bürger die Chance erhalten, ihre Kreativität einfließen zu lassen.

Mit Hilfe einer digitalen Plattform, die vom Smartphone, Tablet oder PC überall jederzeit erreichbar ist, findet der Austausch von Ideen und das Erstellen erster Planungsdesigns in einem offenen Ideenpool statt, dem sogenannten öffentlichen „Project Playground“. In diesen Planungsräumen können mit einfachen Planungstools räumliche Ideen visualisiert und kommentiert werden. Auch virtual reality tools wie 3D-Brillen und Touchtables kommen dabei zum Einsatz. Aus der breiten Nutzergruppe bilden besonders engagierte Bürger dann eine „focus group“.

Mit der digitalen Plattform können erste Planungsdetails im öffentlichen Raum erstellt werden – unter anderem mithilfe von VR-Brillen. Foto: TU Dresden

Das Einbinden der Bevölkerung sieht Prof. Noennig nicht als Machtverlust. Seit der Professionalisierung des Berufsstandes von Architekten und Stadtplanern in der Renaissance habe die Bevölkerung nur verlernt, mit zu planen und mit zu bauen. Stattdessen bieten die digitalen Daten durch Analyse und Filterung die Möglichkeit, zu sehen, „wie die Menge tickt“.

Das Team von U_CODE entwickelte für die gesamte Planungsplattform neue Kreativwerkzeuge, Tools zur Steuerung der Kommunikationsprozesse, Analyseinstrumente als auch die notwendigen Spielregeln für die gelingende Interaktion in sehr großen Teilnehmergruppen. An die zehn Werkzeuge befinden sich derzeit im Prototypen-Stadium. Neben der TU Dresden und gmp engagieren sich im Konsortium von U_CODE namhafte Partner wie etwa der Hard- und Softwarehersteller Oracle, das Visualisierungsunternehmen ANSYS mit seiner französischen Tochter Optis, das strategische Netzwerk Silicon Saxony sowie die Partneruniversität der TU Dresden, die TU Delft und das IT Institut ISEN in Toulon.

www.u-code.eu