Online-Leitungsauskunft: GELSENWASSER setzt auf OSIRIS von GIS Consult

Die GELSENWASSER AG setzt seit fast zehn Jahren den WebClient GC OSIRIS für die webbasierende Auskunft von Netzdaten ein. Seitdem sind die Anforderungen an webbasierte Systeme stark gewachsen.

2018 lag die Quote der digitalen Anfragen von Externen zu Wasser- und Gasleitungen bei der GELSENWASSER AG bei 81 Prozent. Damit ist die externe Planauskunft mithilfe des webbasierten Systems OSIRIS von GIS Consult nach zehn Jahren auf einem hohen Niveau angekommen. 2011 lag das Unternehmen noch bei rund 66 Prozent. Das gilt nicht nur für die externe Auskunft, sondern auch für die interne Planauskunft, die für Mitarbeiter und Kollegen von Beteiligungsgesellschaften zur Verfügung gestellt wird.

Mehr als 80 Prozent der Kunden nutzen die digitale Auskunft

Die Leitungsauskunft basierend auf GI-Systemen wie auch auf mobilen Clients, z.B. unter OSIRIS, ist eines der Themen, die den Digitalisierungstrend abbilden. Inzwischen nutzen über 80 Prozent der externen Kunden die digitale Auskunft. Insgesamt gab es 2017 17.595 Anfragen. 2011 war es noch gut die Hälfte. Auch die Zahl der angelegten Accounts stieg von 677 (2011) auf 1.627 (2017). „Die Tendenz ist steigend“, weiß Dirk Jedrau. Weiterhin sehr lebhaft sind die Bautätigkeiten bzgl. des Breitbandausbaus und dadurch bedingte Portalzugriffe. Im September 2018 wurde mit 1.914 erteilten Auskünften der monatliche Höchstwert erzielt. Der Digitalisierungstrend lasse sich auch an den Druckaufträgen für papiergebundene Auskünfte ableiten: Die Zahl fällt stark.

GC OSIRIS als zentrale Datendrehscheibe

Instandsetzung im Rahmen eines Rohr-
bruchs. Beim Workforce Management setzt die Gelsenwasser AG
auf vxFields. Foto: GELSENWASSER AG

Der 2011 eingeführte OSIRIS ersetzte den seit 2006 laufenden SIAS von GE und diente primär für Auskünfte. „Heute ist es nicht nur ein Client, sondern eine Middleware, die in unterschiedlichen Umgebungen Daten zusammenführt, bereitstellt und interpretierbar macht“, erklärt Thomas Hermes, Geschäftsführer von GIS Consult. Die Erweiterung zeigt, wie wichtig eine solche Plattform für die Digitalisierung ist. Für Dirk Jedrau, GIS-Projektleiter bei der GELSENWASSER AG, sind „die Verteilung und die unternehmensweite, übergreifende Nutzung von GIS- und Netzdaten der Schlüssel für die Herausforderungen in der Versorgungslandschaft von morgen.“

Pionier in der Versorgung

Die GELSENWASSER AG ist einer der größten deutschen Versorger und In­frastrukturdienstleister. Das Unternehmen ist Spezialist für Trinkwasser, Gas, Strom und Abwasser und ein Pionier im GIS-Bereich in der Versorgungsbranche. Bereits Anfang der 1990er Jahre entwickelten Mitarbeiter Fachschalen in den Bereichen Gas, Wasser, ALK, Wassergewinnung, Liegenschaften sowie Forst- und Agrarflächenmanagement, da es damals noch keine „Standard FS“ gab.

Das geschah auf der Basis des 1991 eingeführten Smallworld GIS, das heute zu GE gehört und damals erstmals eine hybride Datenhaltung (Raster- und Vektordaten), sowie blattschnittfreies Erfassen ermöglichte. Weiterhin machte die objektorientierte Programmiersprache Magik auf der darunter liegenden SW-eigenen Datenbank einen Bezug zwischen Vektor- und alphanumerischen Daten erst möglich. „Das waren die Voraussetzungen für einen professionellen Einsatz. Das Smallworld GIS war seiner Zeit damals weit voraus“, so Jedrau.

2011 wurde dann GC OSIRIS implementiert. Das war zunächst wichtig für die Auskunftsprozesse. Das interne WebGIS dient dabei als Auskunftssystem für den inhouse-Arbeitsplatz sowie mobil auf verschiedenen Plattformen (Windows, Android, BlackBerry) und ist bei GW auf ca. 800 Arbeitsplätzen installiert. Es wird vom IT-Dienstleister „GW-intern“ als Standardinstallation bei der Erstinstallation der mobilen Geräte eingerichtet. Diese Anwendung arbeitet mit einem SingleSignOn (SSO): Einmal bei MS Windows angemeldet, kann der Nutzer auf alle berechtigten Dienste und Applikationen zugreifen.

Für externe Nutzer stellt die auf der OSIRIS-Technologie aufsetzende Planauskunft die Daten bereit. Innerhalb der Anwendung werden die Prozesse und Daten rechtssicher und lückenlos archiviert. „Der digitale Prozess ist workflow-gesteuert und somit sehr effektiv“, beschreibt Jedrau.

Der externe Anwender muss ein berechtigtes Interesse nachweisen und dann eine Autorisierung durchlaufen. Im OSIRIS angemeldet, wird er dann durch die Arbeitsschritte geleitet. Erst bei der Erstellung eines Plots sieht er das Leitungsnetz beziehungsweise die Negativ­meldung (Null-Auskunft). GC OSIRIS greift dabei auf ein Vollreplikat der zentralen GIS-Anwendung (Smallworld GIS) zu. Der gesamte Vorgang wird protokolliert, an die Verantwortlichen per Mail gesendet und im Rahmen eines integrierten Dokumentenmanagementsystems mit allen Kenndaten gespeichert.

Einbindung in die Systemlandschaft

Ebenfalls ist das Workforcesystem vxField (Verisae GmbH) im Einsatz. Das System hieß ursprünglich FFA und war von GE auf den deutschen Markt gebracht worden. Servicemitarbeiter haben in dem mobilen System bei Montage, Instandhaltung oder Entstörung Zugriff auf mobile Netz- und Auftragsdaten. vxField wird in enger Zusammenarbeit mit der Firma Grintec bei der GELSENWASSER AG weiterentwickelt – und entsprechende GEO-Integrationen mit Gelsenwasser, Grintec und GIS Consult implementiert.

Die GELSENWASSER AG ist einer der größten deutschen Versorger und In­frastrukturdienstleister. Das Unternehmen ist Spezialist für Trinkwasser, Gas, Strom und Abwasser und ein Pionier im GIS-Bereich in der Versorgungsbranche. Foto: GELSENWASSER AG

So können Geodaten sowohl durch verschiedene Worldmap-Services, offline-Kartenausschnitte (programmatische Erzeugung) als auch mittels eines speziellen OSIRIS-Clients eingebunden werden und eine Kommunikation zwischen den Systemen und dem User hergestellt werden. Aufträge sind direkt auf der Nutzeroberfläche zu sehen. GC OSIRIS ist die Kartengrundlage von vxField.

Großen Wert legte die GELSENWASSER AG auf ein ausgefeiltes Mandantenkonzept, das selbst entwickelt wurde. Motivation dafür war die sichere Abgrenzung der Daten der verschiedenen Gesellschaften, die auf das GW GIS zugreifen dürfen. Das Mandantenkonzept greift in nahezu alle Objektklassen des Smallworld GIS. Jeder Nutzer hat gemäß seiner Rolle verschiedene Zugriffs- und Editionsrechte – ohne, dass dafür die bestehenden Datenbanken aufgeteilt werden müssen. Die Darstellung der Daten und deren Modelle wird an den jeweiligen Mandanten angepasst.

Hintergrund dazu ist die Aufstellung von GELSENWASSER mit vielen externen Partner und Beteiligungen. Seit der Liberalisierung des Gas- und Strommarktes gibt es verschiedenste Rechte und Pflichten rund um den Zugriff auf die Geo- und Netzdaten. „Das Mandantenkonzept wurde 2011 entwickelt. OSIRIS greift dabei auf die gleiche Autorisierungsdatenbank zu wie alle anderen Systeme, die Netzdaten nutzen“, sagt Jedrau. Ein anspruchsvolles Projekt, wie Jedrau berichtet, schließlich bilden GI-Systeme im Unterschied zu alphanumerisch orientierten Datenbanken eine komplexe Logik ab, die in der Regel dafür sorgt, dass die Systeme sehr langsam werden, wenn sie rein über Grafikzugriffe autorisieren. Die GELSENWASSER-eigene Autorisierung greift deshalb tief in die Datenmodellierung ein. „Wir haben dazu jede Objektklasse aufgebohrt und neue Felder erstellt, um darüber Zugriffsrechte zu steuern“, so Jedrau.

Offline-Fähigkeit wegen schlechter Mobilfunkabdeckung

Eine Herausforderung für einen Netzbetreiber mit einem geografisch ausgedehnten Versorgungsgebiet ist die Mobilfunkabdeckung. Daher arbeitet die GELSENWASSER AG perspektivisch daran, die Offline-Fähigkeit des mobilen OSIRIS zu ermöglichen. In diesem Szenario werden die notwendigen Geodaten, für z.B. Wartungsaufträge, ad hoc als Vektor- und Rasterbestände exportiert und beispielsweise im vxField mitgenommen. „Die Datenänderungen sollen über WFS-Transaktionen ins Zielsystem überführt werden“, sagt Thomas Hermes, Geschäftsführer von GIS Consult. Ein weiterer Service, um den die Unternehmens-Website erweitert wurde, ist die Auskunft zu aktuellen Baustellen im Versorgungsgebiet. Der Service ist für Bürger gedacht.

Auf einer Hintergrundkarte werden Flächendaten und Sachinformationen zu den Baustellen importiert. Dazu hat GELSENWASSER die jeweiligen Editoren aufgebohrt und ein Migrationskonzept für die Daten, die primär im GIS editiert werden, erstellt. Für den Import wird das Format GeoJSON genutzt. Die Baustellen werden dann je nach Zoomfaktor als Cluster oder detailliert gezeigt. Auch eine Suche wurde integriert, in der die Metadaten zu den Baustellen berücksichtigt sind. (sg)

www.gelsenwasser.de

www.gis-consult.de