Darmstadt installiert bidirektionale Schnittstellen zwischen WebGIS und Panoramabildern

360-Grad-Panoramabilder  von Darmstadt. Hier das Wissenschafts- und  Kongresszentrum. Foto: CycloMedia

360-Grad-Panoramabilder
von Darmstadt. Hier das Wissenschafts- und
Kongresszentrum. Foto: CycloMedi

Die Stadt Darmstadt ist ein Vorreiter in Sachen WebGIS. Bereits im Jahr 2003 setzte die Kommune ein WebGIS ein und begann damit, die Nutzung von Geodaten quer über die gesamte Verwaltung zu etablieren. Seitdem ist die Systemarchitektur beständig erweitert worden, sowohl was die Funktionalität und inhaltlichen Themen als auch die Benutzerfreundlichkeit betrifft. Seit 2019 stehen der Stadtverwaltung die Panoramabilder von der CycloMedia Deutschland GmbH innerhalb der GIS-Systeme zur Verfügung.

Cycloramas sind metrisch korrekte und mit genauen Orts- und Orientierungsdaten des Aufnahmemoments versehene 360°-Panoramabilder, die innerhalb des gesamten Stadtgebiets erfasst wurden. Innerhalb der Aufnahmen können auch 3D-Messungen durchgeführt werden. Als Integrationspartner von CycloMedia fungiert der GIS-Spezialist UMGIS Informatik GmbH, ebenfalls in Darmstadt ansässig. Dazu hat das Unternehmen eine Schnittstelle zwischen dem Desktop-GIS GeoMedia und dem WebGIS GeoMedia Smart Client (GMSC), die beide in Darmstadt zum Einsatz kommen, und der Softwareanwendung Streetsmart (früher Globespotter) von CycloMedia entwickelt.
Bidirektionale Schnittstelle
Diese Anwendung hat den Namen Streetsmart Viewer und stellt eine API (Programmierbare Schnittstelle) dar, die die Informationen der Cycloramas im GIS schnell und direkt verfügbar macht. Die bidirektionale Schnittstelle ermöglicht die Ansicht der Cycloramas durch einfachen Klick im GeoMedia-Kartenfenster. Der jeweils anvisierte Standort wird dann unmittelbar mit den Cycloramas synchronisiert, wobei die Darstellung von Bildnummer, Aufnah- mekoordinaten (X,Y,Z), Nordausrichtung, Verkippung sowie Verkantung direkt aus GeoMedia heraus ersichtlich ist. Die Definition der Symbolik für Zielpunkt, Bildaufnahmepunkt, Blickrichtung und -winkel kann frei gewählt werden. Aktuell gibt es in Darmstadt rund 400 registrierte Benutzer des Streetsmart Viewers. „Es gab zwar mit Streetsmart schon länger den Web-Zugriff auf die Cycloramas, die vielen Nutzer haben sich aber die direkte Ankopplung an das GIS gewünscht“, so Schröder, der als Vermessungsingenieur sowohl der IT-Abteilung als auch dem Stadtvermessungsamt (GIS-Betreuer) zugeordnet ist.
Darmstadt wurde mit den Fahrzeugen von CycloMedia in den Jahren 2015, 2017 und 2019 befahren. Auftraggeber war jeweils das Stadtvermessungsamt. „Die neuen Aufnahmen haben eine bessere Bildauflösung und durch Integration von 3D-Laserscannern ist auch eine 3D-Punktwolke des Straßenraums verfügbar“, so Bernd Schröder.
Ersatz für Ortskenntnis
Diese Bilder benötigt die Stadtverwaltung für interne Auswertungs- und Vermessungszwecke. Bei vielen Fällen wie der Planung oder bei Beschwerden seitens der Bürger sind die Panoramabilder wesentlich besser geeignet als beispielsweise ein Luftbild, weiß Schröder. Die Cycloramas zeigen genaue Daten aus dem Straßenraum wie etwa Verkehrszeichen oder Hausnummern, sodass sich Mitarbeiter für viele Flächen Ortsbesichtigungen sparen können. „Unserer Erfahrung nach ist es bei Städten ab 30.000 Einwohnern der Fall, dass die Ortskenntnis der Mitarbeiter nicht mehr ausreicht, um die Begehung bei Planungsarbeiten zu vermeiden“, so Martin Wacker, Geschäftsführer bei UMGIS.
UMGIS nutzt den Streetsmart Viewer für eigene Zwecke, etwa im Bereich von Umwelt, Naturschutz oder Stadtplanungen. Daneben hat die Firma den Viewer auch für mehrere Städte installiert, etwa für Frankfurt a. M., Fulda oder Koblenz. (sg)