Geomarketing und Ladesäuleninfrastruktur: Präzision an jeder Straßenecke

Wie viele Ladesäulen müssen in Deutschland errichtet werden, um für eine ausreichende Ladeinfrastruktur zu sorgen? Und welche Standorte eignen sich dafür? Diese und weitere Fragen beantwortet PTV mit seinen Lösungen Validate und Visum.

Das Nutzungsverhalten deutscher Autofahrer wird sich in den nächsten Jahren zwangsläufig verändern müssen. Hauptver- antwortlich dafür ist die zunehmende Elektromobilität. So sind nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) im Jahr 2018 rund 83.000 Stromer über die deutschen Straßen gerollt. Hinzu kommen etwa 341.000 Hybrid-Pkw. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob die deutsche Ladeinfrastruktur mit den gesteigerten Anforderungen mithalten kann. Angesichts der KBA-Zahlen gehen Experten zwar davon aus, dass das bestehende Ladenetz den Bedarf decken kann. Allerdings ist das mit Blick auf die Zukunft weiter ungewiss.

Deutschlandweit setzen immer mehr Autofahrer auf Elektrofahrzeuge. Wie das Branchenmagazin Heise mitteilt, haben sich die Absatzzahlen im Jahr 2018 um mehr als 36 Prozent gegenüber 2017 gesteigert. Das schlägt sich auch im Nutzerverhalten nieder. Foto: Pixabay

Deutschlandweit setzen immer mehr Autofahrer auf Elektrofahrzeuge. Wie das Branchenmagazin Heise mitteilt, haben sich die Absatzzahlen im Jahr 2018 um mehr als 36 Prozent gegenüber 2017 gesteigert. Das schlägt sich auch im Nutzerverhalten nieder. Foto: Pixabay

Doch wie lassen sich neue Standorte für Ladesäulen ermitteln? Auf welcher Basis lassen sich vorhandene Lücken im Versorgungsnetz erkennen und ausgleichen? Beantworten kann diese Fragen PTV Validate Deutschland, eines der größten zusammenhängenden Verkehrsmodelle weltweit. Das kalibrierte, prognosefähige Modell, das von der PTV Planung Transport Verkehr AG entwickelt wurde, enthält Pkw- sowie Lkw-Belastungen für das gesamte deutsche Hauptstraßennetz. Mit Validate können Anwender einzelne Teilmodelle ausschneiden und dadurch die Grundlage für lokale und regionale Untersuchungen erhalten, für die der Aufbau eines individuellen Verkehrsmodells zu kosten- und/oder zeitintensiv wäre. Darüber hinaus dient Validate mit seinen flächendeckenden Verkehrsmengendaten als wertvoller Datenlieferant.

Ein eingespieltes Duo: Validate und Visum

Neben Validate kann im Zusammenhang mit der Planung einer sinnvollen Ladesäuleninfrastruktur in Deutschland ein weiteres PTV-Werkzeug genutzt werden: PTV Visum. Die Verkehrsplanungssoftware ermöglicht Anwendern routenbasierte Analysen für Standortbewertungen. Dafür implementierte PTV ein neues Tool in die Software, das potenzielle Standorte für E-Ladestationen ermittelt und bewertet. Basis für eine solche Bewertung ist dabei nicht nur die Verkehrsmenge, die sich an einem bestimmten Standort ergibt, sondern es wird auch berücksichtigt, ob die vorbeifahrenden Fahrzeuge bereits existierende E-Ladestationen passiert haben beziehungsweise passieren werden.

Analyse des Testgebiets Hessen

Welchen Nutzen eine Ladeinfrastrukturanalyse mithilfe von PTV Validate und Visum haben kann, zeigt eine Testanalyse des Bundeslands Hessen, die von PTV durchgeführt wurde. Grundlage war hier zunächst die Fragestellung, wie viele Langstreckenfahrten, bei denen ein E-Fahrzeug unterwegs aufgeladen werden muss, anfallen sowie in welcher Reihenfolge die Ladestationen errichtet werden müssen, um ökologisch und ökonomisch sinnvoll eingesetzt werden zu können. Das Ergebnis: Nur zehn Standorte entlang hessischer Autobahnen müssen mit Ladestationen ausgestattet werden, um bereits etwa 50 Prozent aller Langstreckenfahrten mit E-Fahrzeugen absolvieren zu können. Bei 25 Standorten liegt die Abdeckung schon bei über 90 Prozent.

Wie kam man zum Ergebnis?

Basis für diese Kalkulation war ein Schwellenwert für die Wegelänge von etwa 70 Kilometern. Damit ergaben sich laut Validate-Modell in Hessen insgesamt 38.388 Langstreckenfahrten pro Werktag für Fahrzeuge, die potenziell unterwegs eine Aufladung benötigen. Als mögliche Standorte flossen die 54 hessischen Autobahntankstellen in die Analyse mit ein. Über PTV Visum wurden schließlich in Abhängigkeit der Routenverläufe der knapp 40.000 Fahrten (sinnvolle) Standorte für Ladestationen ermittelt.

Die Auswertungsmöglichkeiten gehen zudem noch einen Schritt weiter: Über eine Modellanalyse lässt sich beispielsweise ermitteln, welche Kapazitäten die Ladestationen haben müssten, um den prognostizierten Bedarf an Ladevorgängen zu erfüllen. Da PTV Validate auch Daten über die Verteilung der Verkehrsbelastung im Tagesverlauf liefert, sind darüber hinaus Aussagen über die Anforderungen im Rahmen einer 24-Stunden-Analyse möglich – bis hin zum Maximalbedarf an Ladestationen und Stromkapazitäten, die zur Bewältigung der Nachfrage in Spitzenzeiten erforderlich sind. (jr)

www.ptvgroup.com