STADTWERK AM SEE und BIL: Leitungsanfragen zentral und voll digitalisiert abwickeln

Die STADTWERK AM SEE GmbH & Co. KG war der erste kommunale Versorger, der Teilnehmer bei BIL wurde. Das Ziel ist es, alle Leitungsanfragen zentral und voll digitalisiert abhandeln zu können, auch im Bereich des Telekommunikationsanbieter – der TeleData GmbH.

Als das STADTWERK AM SEE im Februar 2016 Mitglied bei BIL wurde, war es das erste Stadtwerk, das bei dem damals noch jungen Portal (Produktivstart des BIL-Portals am 29.2.2016) fĂŒr die Leitungsauskunft und Recherche mitmachte. Seitdem ist BIL zwar stark gewachsen, in manchen Sparten sind sogar alle Marktteilnehmer Mitglied, im Bereich der Netzbetreiber aber sind trotz prominenter Mitglieder wie Westnetz, Stadtwerke DĂŒsseldorf oder der Stadtwerke MĂŒnchen die Verteilnetzbetreiber noch zurĂŒckhaltend. Was also trieb das Stadtwerk aus der Bodenseeregion an und wie sehen die Erfahrungen heute aus?

Das STADTWERK AM SEE ist zu 66 Prozent an dem Breit- bandbetreiber TeleData GmbH beteiligt. Dass sich deren Versorgungsgebiete unterscheiden ist eine Herausforderung fĂŒr die Leitungsauskunft. Foto: STADTWERK AM SEE

Das STADTWERK AM SEE ist zu 66 Prozent an dem Breit- bandbetreiber TeleData GmbH beteiligt. Dass sich deren Versorgungsgebiete unterscheiden ist eine Herausforderung fĂŒr die Leitungsauskunft. Foto: STADTWERK AM SEE

Das STADTWERK AM SEE ist im Bereich Auskunft und in Sachen Software gut ausgestattet. Seit mehr als acht Jahren ist die Software LineRegister von der österreichischen Firma GRINTEC aus Graz erfolgreich im Einsatz, ĂŒber die ein vollstĂ€ndig digitaler Prozess abgewickelt wird. Seitdem wurde die Lösung bestĂ€ndig erweitert. Seit letztem Jahr ist auch eine mobile Variante verfĂŒgbar. FĂŒr Bauunternehmen in der Region ist es selbstverstĂ€ndlich geworden, bei Grabungsarbeiten Auskunft ĂŒber LeitungsverlĂ€ufe ĂŒber den Online-Weg zu erhalten, um so Tiefbauarbeiten ohne Risiko durchfĂŒhren zu können.

Doch die Bekanntheit ist, wie bei vielen Stadtwerken, meist nur regional hoch. Zum einen agieren immer mehr Fremd- und Drittfirmen bei Bauarbeiten, die von weit entfernt kommen und mit den VerhĂ€ltnissen vor Ort nicht immer vertraut sind. Zum anderen herrscht nicht ĂŒberall das Bewusstsein ĂŒber die Vielfalt der unterirdisch verlegten Leitungen, was insbesondere fĂŒr Telekommunikationsnetze gilt. Mit der TeleData hat das STADTWERK AM SEE ein Tochterunternehmen, das fĂŒr den Betrieb der Telekommunikationsnetze zustĂ€ndig ist, was besondere Anforderungen an die Leitungsauskunft mit sich bringt. Da das Risikopotenzial fĂŒr Leib und Leben bei Kabelschaden gering ist, hat die Bauwirtschaft die Kommunikationskabel weniger auf dem Radar. „Man holt erfahrungsgemĂ€ĂŸ seltener eine Auskunft ĂŒber die Sparte Telekommunikation ein“, so Tanja Sabia, Verantwortliche fĂŒr die Leitungsauskunft beim STADTWERK AM SEE. „Dies können wir mit Zahlen belegen.“

Zahlreiche Auskunftsanfragen der letzten Monate kamen ĂŒber das BIL-Portal zustande, sprich direkt bei dem Provider wurde erst gar nicht angefragt. Ein weiterer Grund dafĂŒr ist, dass mehrere Kabelnetzbetreiber in der Bodenseeregion aktiv sind, in machen Ortschaften bis zu fĂŒnf. „Die kann man als Baufirma ĂŒberhaupt nicht mehr alle kennen, zumal sich diese auch immer wieder Ă€ndern bzw. neue hinzukommen“, sagt Manuel Reinhardt, Leiter der Netzdokumentation beim STADTWERK AM SEE.

An dieser Stelle zĂ€hlt der Bekanntheitsgrad von BIL. Als zentraler Anfragepunkt („single point of entry“) liefert die Leitungsauskunft direkt Ergebnisse fĂŒr die teilnehmenden Netzbetreiber. Durch die Kooperation mit ALIZ erhalten Anfragende sogar die Möglichkeit zu einer quasi vollstĂ€ndigen Recherche, denn ab Juli ist der kostenpflichtige ALIZ-Dienst direkt aus dem BIL-Workflow erreichbar.

Der Faktor VollstĂ€ndigkeit der Aus- kunft ĂŒber ein Portal soll nicht nur den Komfort bei Leitungsrecherche und -auskunft erhöhen, sondern auch die Sicherheit im Leitungsbetrieb. „Unser Interesse ist es also, dass sich mit einem solchen Portal ein zentraler, durchgĂ€ngig digitalisierter Prozess etabliert, der maximale Transparenz fĂŒr alle Beteiligten schafft“, beschreibt Reinhardt. So will das STADTWERK AM SEE auch etwaige ImageschĂ€den vermeiden, die mit einem Leitungsschaden einhergehen können. Zumal die Digitalisierung auch neue Risiken birgt. Die zunehmende Vernetzung sorgt dafĂŒr, dass beim Breitbandausbau das Schadenspotenzial massiv ansteigt. „Wir wĂŒnschen uns fĂŒr die Zukunft, dass die zentrale Portal-basierte Recherche und Auskunft deutschlandweit von allen Stadtwerken und Netzbetreibern unterstĂŒtzt wird. Von dieser Vereinheitlichung profitieren letztendlich wir alle“, so Reinhardt.

Optimierung der Prozesse

Auch die Optimierung des Gesamtprozesses der Auskunft ist fĂŒr das STADTWERK AM SEE ein zentraler Punkt. Dabei sind bereits die fehlenden Nullbescheide (LeerauskĂŒnfte), die ĂŒber BIL direkt an den Auskunftssuchenden ohne zusĂ€tzlichen Aufwand bei den Stadtwerken ausgegeben werden, eine Prozesserleichterung. „Alleine dadurch refinanzieren sich teilweise die ohnehin geringen Entgelte bei BIL“, sagt Manuel Reinhardt.

Liegt eine Bauanfrage im Versorgungsgebiet vor, erhĂ€lt das Stadtwerk die Anfragen zudem standardisiert und vollstĂ€ndig. „Dadurch ergeben sich Verbesserungen beim Gesamtprozess auf vielen Ebenen“, so Tanja Sabia. Zum Beispiel entfallen mĂŒhsame Nachfragen bei unvollstĂ€ndigen Anfragen, die bei den bisherigen Anfragen nicht unĂŒblich waren.

Auch die interne Benachrichtigung der zustĂ€ndigen Mitarbeiter erfolgt automatisch. Das STADTWERK AM SEE hat zum Beispiel sicherheitsrelevante Einbauten und Schutzgebiete sowie SperrflĂ€chen definiert, die unterschiedliche Kommunikationsprozesse erfordern. „Betreffen Anfragen definierte Zonen, werden Mitarbeiter automatisch dazu aufgefordert, den Auskunftsprozess manuell und individuell zu prĂŒfen und zu evaluieren. Zudem werden automatisch die gemĂ€ĂŸ den Vorschriften des technischen Sicherheitsmanagements verantwortlichen Mitarbeiter (bei Gashochdruck beispielsweise gemĂ€ĂŸ der DVGW ArbeitsblĂ€tter G 1000) hinzugezogen“, erklĂ€rt Tanja Sabia.

Ausblick

Nach drei Jahren Erfahrung mit BIL ist das STADTWERK AM SEE ĂŒberzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. „FĂŒr Bauanfragende ist es das beste Portal, um alle Betreiber in dem jeweiligen Baustellengebiet herauszufinden“, so der Diplom-Wirtschaftsinformatiker. BIL habe dafĂŒr auch technisch die nötigen Voraussetzungen geschaffen. „In Sachen Design, User Experience und IT stellt das Portal den derzeitigen State of the Art dar“, so Reinhardt. Konkret werden damit etwa die Punkte Prozesssicherheit, rechtssichere Archivierung oder die Kundenfreundlichkeit abgedeckt.

In Zukunft will das STADTWERK AM SEE noch die Automatisierung der Prozesse weiter steigern. Innerhalb von LineRegister ist das Niveau mit 96 Prozent vollautomatisierter Abwicklung der Anfragen bereits sehr hoch, die Übergabe der BIL-Anfrage in das dahinterliegende Auskunftssystem ist derzeit aber nur halb automatisiert. „Aktuell laufen die Entwicklungen einer Schnittstelle, um den Automatisierungsgrad hier anzugleichen“, so Reinhardt. (sg)

www.stadtwerk-am-see.de

www.bil-leitungsauskunft.de