Massenbetrieb im Außendienst: Baumkontrolle mobil und offline

Um die Baumkontrolle im Massenbetrieb fĂŒr die Außendienstmitarbeiter zu erleichtern, hat die Hansa Luftbild AG ihr WebGIS ExperMaps um eine Baumkomponente erweitert.

Frankfurt am Main, DĂŒsseldorf, Essen – bereits seit 1976 erfasst die Hansa Luftbild AG fĂŒr etliche Kommunen, StĂ€dte und Immobilienunternehmen Millionen von Wald- und StraßenbĂ€umen in Baumkatastern. Angefangen in Freiburg – noch unter Nutzung von damals hochmodernen Color-Infrarot-Aufnahmen – hat sich das Unternehmen aus MĂŒnster im Laufe der Jahrzehnte unter anderem auf die Baumerfassung und -kontrolle spezialisiert und dafĂŒr zahlreiche Mitarbeiter ausgebildet.

Seitdem hat sich technologisch viel getan. Zwar hat sich die Kontrolle von BĂ€umen auf die notwendige Verkehrssicherheit nur geringfĂŒgig verĂ€ndert und nach wie vor gilt die Baumkontrollrichtlinie der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL) hier als anerkanntes Regelwerk. Doch die fortschreitende Digitalisierung schafft auch fĂŒr die Baumerfassung und -kontrolle neue Möglichkeiten.

Der Weg zur Praxistauglichkeit

„FĂŒr unsere Entwicklungen ist es wichtig, gleichermaßen die BedĂŒrfnisse der GrundstĂŒckseigentĂŒmer als auch der Baumfachleute abzudecken“, sagt Hans-Christoph Tielbaar, bei der Hansa Luftbild AG fĂŒr den Vertrieb von Geo-Informationen und Marketing zustĂ€ndig. Daher ist die Arbeit in Gremien, VerbĂ€nden oder Vereinen sehr wichtig. Seit Anfang der 2000er Jahre ist Hansa Luftbild beispielsweise Mitglied des BTÜB e.V. (Biologisch-Technische ÜberprĂŒfung Baum). Dort arbeitet das Unternehmen außer in der Softwareentwicklung vor allem im Erfahrungsaustausch zwischen den Baumkontrolleuren und -sachverstĂ€ndigen einerseits und der Öffentlichen Hand andererseits. „Die dort diskutierten Problemstellungen und Herausforderungen lassen wir dann direkt in unsere Softwareentwicklung einfließen“, so Tielbaar.

Wenn noch kein Baumkataster vorliegt, bietet sich die Erstellung mit einem GrĂŒnflĂ€chenkataster an. Die geometrischen Grundlagen zu beiden werden stereoskopisch aus Luftbildern erfasst und vor Ort geprĂŒft und ergĂ€nzt. Hier am Beispiel des Stadtgartens von Emmendingen. Foto: Hansa Luftbild AG

Wenn noch kein Baumkataster vorliegt, bietet sich die Erstellung mit einem GrĂŒnflĂ€chenkataster an. Die geometrischen Grundlagen zu beiden werden stereoskopisch aus Luftbildern erfasst und vor Ort geprĂŒft und ergĂ€nzt. Hier am Beispiel des Stadtgartens von Emmendingen. Foto: Hansa Luftbild AG

Wie zum Beispiel bei der mobilen Baumerfassung. „Beim BTÜB – aber auch von unseren eigenen Mitarbeitern – wurde immer wieder bemĂ€ngelt, dass die Softwarelösungen fĂŒr den Außendienst im Massenbetrieb nur bedingt geeignet sind. Und das, obwohl stellenweise bereits auf brauchbare Hardware, beispielsweise robuste 8 Zoll-Tablets mit auswechselbaren Akkus, gesetzt wird.“ Daher hat Hansa Luftbild seine Plug-in-App „ExperMaps Baum“ (EMB) entwickelt. EMB basiert auf Open Source-Produkten, lĂ€uft derzeit auf dem Android-Betriebssystem und ist fokussiert auf die Massendatenerfassung im Außendienst. „Im ersten Schritt war dafĂŒr eine ĂŒbersichtliche und einfach zu bedienende BenutzeroberflĂ€che notwendig. Gleichzeitig sollte aber auch die Möglichkeit geschaffen werden, BaumbestĂ€nde offline zu erfassen, eine Schnellerfassungsmaske fĂŒr Profis zu erstellen und das GerĂ€t trotz Handschuhen oder klammen Fingern gut bedienen zu können“, berichtet Tielbaar.

Basis fĂŒr das EMB-Plug-in ist das WebGIS ExperMaps (EM), das Hansa Luftbild als Auskunfts- und Editier-Lösung erstmals 2013 am Markt vorgestellt hat. „EM ist als Lösung fĂŒr Nicht-Experten ohne Spezialkenntnisse entworfen worden und damit fĂŒr jedermann anwendbar“, erklĂ€rt Tielbaar. Zu den StandardfunktionalitĂ€ten gehören bereits Abfragen, Zeichen-, Druck- und Messfunktionen oder der Excel-Export. „DarĂŒber hinaus gehören die Einbindung unterschiedlicher Datenformate und online verfĂŒgbarer Datendienste ebenso wie eine Benutzerverwaltung, mit der alle Daten, Funktionen und Editierrechte beliebigen Nutzern des Systems zugewiesen werden können, zu den Kernfunktionen des Systems“, berichtet der Vertriebler.

Ein System, drei Komponenten

Das EMB-Plug-in unterstĂŒtzt die Arbeit der BaumsachverstĂ€ndigen und sichert diese im Sinne der Verkehrssicherungspflicht rechtlich ab. DafĂŒr besteht das System aus drei wesentlichen Komponenten: Mobile App, Disponenten-Modul und Kataster.

Die Android Mobile-App ist dabei ein Werkzeug fĂŒr die FLL-konforme Baum(erst)erfassung und -kontrolle im Feld. „Das Besondere an unserer Mobile App ist, dass sie auch ohne Netzverbindung genutzt werden kann“, sagt Tielbaar. SĂ€mtliche zur Kontrolle notwendigen Daten sind offline auf dem Tablet verfĂŒgbar. Sobald wieder eine Internetverbindung verfĂŒgbar ist, werden die BestĂ€nde dann aktualisiert und auf den neuesten Stand gebracht. Das Disponenten-Modul hingegen richtet sich vorzugsweise an SachverstĂ€ndigenbĂŒros und ist ein serverbasiertes Backend-System zum Management beliebig vieler, parallellaufender Erfassungs- und Kontrollprojekte. Das Modul bietet darĂŒber hinaus den bidirektionalen Online-Datenaustausch zwischen dem eigentlichen Baumkataster und den auf mobilen Tablets zu kontrollierenden Baumdaten.

„Als wichtige Serverkomponente in EMB fungiert das Kataster“, berichtet Tielbaar. „Es bietet neben der eigentlichen Datenhaltung ein Auskunfts- und Verwaltungssystem, mit dem alle BĂ€ume und fallweise zugehörige Maßnahmen nach verschiedenen Selektionskriterien angezeigt werden können.“ Vor Ort durchgefĂŒhrte Maßnahmen zu BĂ€umen können so auf „erledigt“ gesetzt und damit einhergehend die Wiedererlangung der Verkehrssicherheit der BĂ€ume aktualisiert werden. „Dieses Modul ermöglicht so zum Beispiel Analysen der BaumbestĂ€nde oder auch die Anlage neuer AuftrĂ€ge fĂŒr Kontrollen der Baumpflegearbeiten und der nĂ€chsten Routinekontrollen“, erklĂ€rt Tielbaar. Gefilterte und selektierte BĂ€ume können in die Formate Excel und PDF exportiert werden.

Bislang wird EMB beispielsweise bereits von Hafenverwaltungen, BTÜB-Mitgliedern, Immobilienunternehmen, Kommunen und Baumerfassern genutzt. Wichtig fĂŒr Hansa Luftbild ist es, sich als neutrale Instanz zwischen den GrundstĂŒckseigentĂŒmern und -bewirtschaftern einerseits und Baumpflegeunternehmen andererseits zu positionieren. „Auf diese Weise können wir treuhĂ€nderisch fĂŒr unsere Auftraggeber unterwegs sein. Damit tragen unsere Kunden nicht das potenzielle Risiko einer Interessenkollision“, berichtet Tielbaar. „Die Auftraggeber mĂŒssen also nicht befĂŒrchten, dass wir den Baumbestand schlechter bewerten, nur um fĂŒr Umsatz durch nicht notwendige Baumpflegemaßnahmen zu sorgen.“ Genau diesen Ansatz will Hansa Luftbild auch fĂŒr andere dem Baumkataster verwandte Themen adaptieren. „In Zukunft wollen wir beispielsweise die Spielplatzkontrolle angehen“, verweist Tielbaar auf die interne Entwicklungs-Roadmap. (jr)

www.hansaluftbild.de