Klimawandel und Klima-Handel

Der Einzelhandel ist aufgefordert, Parkpla╠łtze zu elektrifizieren. Das Unternehmen WIGeoGIS stellt Daten und Software aus dem Geomarketing-Spektrum bereit, damit Filialisten ihre Planung besser umsetzen und Risiken bewerten ko╠łnnen.

Ob Einzelhandel, Hotel, Parkhaus, Industrie, Wohnquartier: Das Thema Elektrifizierung der Parkpla╠łtze bewegt alle Firmen, die an ihren Standorten eine gro├če Anzahl Parkpla╠łtze bereitstellen. Fu╠łr Einzelha╠łndler und Filialisten gilt zudem die Direktive der Europa╠łi- schen Union (Clean Energy Package), nach der diese an den vorhandenen Parkfla╠łchen sogar Ladestationen anbieten mu╠łssen. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur im Handel wird damit weiter voranschreiten. Fu╠łr den Einzelhandel ist die Rolle des Strom- bzw. Energieversorgers dementsprechend neu. Gleichzeitig mu╠łssen die klassischen Fragen fu╠łr die Gescha╠łftsrisiken neu gestellt werden: Wie hoch ist das Umsatzpotential, welche Kunden ko╠łnnen an welchen Standorten erreicht werden, wie gro├č ist die Affinita╠łt der Kunden fu╠łr das neue Produkt? Wie gro├č ist der Anreiz fu╠łr einem Fili- albesuch, wenn ein gutes Ladeangebot zur Verfu╠łgung steht? Oder wer noch grundsa╠łtzlicher denkt: Wie kann die Ladeinfrastruktur und das Produkt Strom zu einem eigenen Business Case ausgebaut werden?

Geomarketing bietet spezielle Daten

Geomarketing ist ein geeignetes Tool, um solche Fragen rund um die Planung und Risikobewertung der Ladeinfrastruktur zu beantworten. ÔÇ×Da es technische, soziodemografische und Marktdaten kombiniert analysieren kann, ist es geradezu pra╠łdestiniert fu╠łr dieses neue Gescha╠łftsfeldÔÇť, so Renate Dumberger, Key Account Manager beim Geomarketing-Spezialisten WIGeoGIS.

Kaufland ist einer der Gewinner in der Kategorie ÔÇ×Innovative EnergieeffizienztechnologienÔÇŁ des EHI Retail Institute. Foto: obs/Kaufland

Kaufland ist einer der Gewinner in der Kategorie ÔÇ×Innovative EnergieeffizienztechnologienÔÇŁ des EHI Retail Institute. Foto: obs/Kaufland

Geomarketing kann durch raumbezogene Analysen aufzeigen, welches Marktpotenzial im Standortumfeld von Filialen fu╠łr E-Ladestationen besteht. ÔÇ×Mit den Analyseergebnissen ko╠łnnen Filialisten auch eine Ausbauplanung machen, da sie erkennen, welcher Standort das ho╠łchste Potenzial besitztÔÇť, so Dumberger. Zumal Einzelha╠łndler mit der Erschlie├čung der Elektromobilita╠łt auch eine neue Kundenklientel fu╠łr sich entdecken ko╠łnnten.

ÔÇ×Die Integration des Aspekts Elektromobilita╠łt bringt auch neue Kompetenzen in bestehende Geomarketing-AbteilungenÔÇť, sagt Dumberger. Wichtig sei dies auch, weil es noch gro├če Unsicherheit im Markt bezu╠łglich der Marktrollen bei der Elektromobilita╠łt gibt. Ob Filialisten zuku╠łnftig selber Strom verkaufen oder dies externen Partnern u╠łberlassen, ist in langfristiger Perspektive noch nicht klar. Viele technische Randbedingungen sind zudem noch nicht abschlie├čend abgekla╠łrt ÔÇô angefangen bei den Standards der Ladestecker bis zu den Abrechnungsver- fahren. Dementsprechend befindet sich der Markt noch im Pionier-Status. ÔÇ×Derzeit verschenken viele Filialisten den Ladestrom noch an ihre KundenÔÇť beschreibt Dumberger den aktuellen Status, der mehr aus Unsicherheit als aus Kalku╠łl entstanden sei.

Sicher jedoch ist: Ladestrom beru╠łhrt die Filialisten auf unterschiedlichster Ebene: Vom einfachen Bedienen der regulatorischen Rahmenbedingungen ÔÇô sprich der schlichten Elektrifizierung der Parkpla╠łtze ÔÇô bis hin zum strategischen Aspekt fu╠łr die Expansionsplanung. ÔÇ×Denn wenn Ladestrom einmal zum festen Produktangebot geho╠łren soll, schla╠łgt sich dies auf Ebene gesamtstrate- gischer U╠łberlegungen durchÔÇť, beschreibt die GIS-Spezialistin. Alleine aus diesem Grund werde es mehr und mehr zum Thema fu╠łr die Mitarbeiter, die sich aktuell bereits mit Geomarketing befassen.

Flexibles Angebot

Dementsprechend flexibel ist auch das Angebot von WIGeoGIS. Kunden ko╠łnnen im ersten Schritt ein einfaches Scoring der Filialstandorte als Dienstleistung bestellen, bei dem jede Filiale einzeln mit dem Aspekt E-Mobilita╠łt bewertet wird. Werden diese Scoring-Daten von den Auftraggebern zusa╠łtzlich lizensiert, ko╠łnnen diese in die eigenen Systeme und Prozesse u╠łbernommen werden. Dafu╠łr bietet WIGeoGIS auch entsprechende Dienstleistungen ÔÇô auch, wenn Kunden Geomarketing-Software von Drittanbietern einsetzen.

Die notwendigen Daten erha╠łlt WIGeoGIS von Partnern, etwa von AZ Direct. Das Unternehmen aus dem Bertelsmann-Konzern hat innerhalb einer speziellen Modellierung anonymisierte Marktdaten genommen, diese mit Umfrageergebnissen der Civey GmbH angereichert und mit der hauseigenen AZ DIAS-Datenwelt verknu╠łpft. Daraus entstand ein spezieller Datensatz, der die Affinita╠łt von Haushalten fu╠łr den Kauf eines Elektroautos beschreibt. Dabei wurden auch Geodaten verarbeitet, die Lebensphase, Einkommen, Wohnlage, Konsumverhalten oder Werte und Einstellungen (anonymisiert auf Haushaltsebene) beru╠łcksichtigen. Das Ergebnis der Modellierung bietet eine Bewertungsmo╠łglichkeit aller deutschen Personen nach ihrer grundsa╠łtzlichen Affinita╠łt fu╠łr die Nutzung eines E-PKW.

Wichtig fu╠łr WIGeoGIS-Kunden ist auch, dass sie voll auf die Flexibilita╠łt der Standortanalyse za╠łhlen ko╠łnnen. Sa╠łmtliche Softwarefunktionalita╠łt wird von dem Unternehmen na╠łmlich auch webbasiert zur Verfu╠łgung gestellt. Unter dem Angebot WIGeoStandort kann vom einfachen Test bis zur komplexen Analyse jegliche Detailtiefe und Analysebandbreite ausgewa╠łhlt (SaaS) werden, die ein webbasiertes GIS zur Standortanalyse und Standortbewertung bietet. Erste Versuche sind bereits mit einem Webdienst mit wenigen Clicks umsetzbar, allerdings bietet dieser noch nicht die speziellen Daten fu╠łr die Elektromobilita╠łt. Erga╠łnzend ko╠łnnen Unternehmen bei WIGeoStandort auch ihre eigenen Daten, etwa weitere Standortdaten, Umsa╠łtze etc. eingeben und die Analysen so beliebig vertiefen.

Aktueller Umsetzungsstand

Auch das renommierte Forschungsinstitut EHI Retail Institute gewa╠łhrt der Elektromobilita╠łt gro├če Aufmerksamkeit und hatte dazu bereits letztes Jahr mit seinen u╠łber 800 Partnern aus dem Einzelhandel eine Initiative ins Leben gerufen. Im November 2019 lud es zu seinem bereits etablierten Energiekongress nach Ko╠łln und diskutierte daru╠łber, wie der Einzelhandel vor dem Hintergrund der globalen Klimakrise seinen Teil zur Energieeffizienz und zur Schonung der Umwelt beitragen kann. Dabei zeigte das Ko╠łlner Institut auch seinen eigens erarbeiteten ÔÇ×Leitfaden fu╠łr den Aufbau von Ladeinfrastruktur auf den Parkfla╠łchen von HandelsimmobilienÔÇť.

Potenzial fu╠łr E-Mobilita╠łt in Mu╠łnchen und Umgebung: Eine intensive Fla╠łchenfa╠łrbung weist auf ein hohes Potenzial hin. In der Berechnung wird die Affinita╠łt zur E-Mobilita╠łt sowie die finanziellen Mittel beru╠łcksichtigt. Foto: WIGeoGIS GmbH

Potenzial fu╠łr E-Mobilita╠łt in Mu╠łnchen und Umgebung: Eine intensive Fla╠łchenfa╠łrbung weist auf ein hohes Potenzial hin. In der Berechnung wird die Affinita╠łt zur E-Mobilita╠łt sowie die finanziellen Mittel beru╠łcksichtigt. Foto: WIGeoGIS GmbH

Zwar sind demnach neue Mobilita╠łtsformen fu╠łr viele Handelsunternehmen kein Teil ihres eigentlichen Kerngescha╠łfts. ÔÇ×Aber mehr als die Ha╠łlfte hat bereits mindestens eine Ladestation im Einsatz, zudem ist im Zuge der neuen Geba╠łudeeffizienzrichtlinie zu erwarten, dass der Handel zum Bau von Lademo╠łglichkeiten verpflichtet wird ÔÇô sowohl bei Neubauten als auch im BestandÔÇť, so der EHI.

Die Elektromobilita╠łt schlug sich auch bei den Energiemanagement-Awards nieder, die in den letzten Jahren bereits auf der Veranstaltung vergeben wurden. Gewinner in der Kategorie ÔÇ×Innovative EnergieeffizienztechnologienÔÇŁ waren Lidl und Kaufland mit ihrem flexiblen Car-Sharing-Konzept. Hierfu╠łr werden Ladestationen an den Supermarktparkpla╠łtzen zur Verfu╠łgung gestellt. Der Mobilita╠łtspartner UMI befo╠łrdert die Fahrzeuge in den nicht genutzten Zeiten zuru╠łck zu den Ladestationen.

Dieses E-Carsharing-Konzept basiert auf WeShare von Volkswagen. Die beiden Lebensmitteleinzelha╠łndler stellen dem Unternehmen in Berlin 70 E-Ladesa╠łulen ÔÇô 60 an Lidl- und 10 an Kaufland-Filialen ÔÇô auch au├čerhalb der Filialo╠łffnungszeiten zur Verfu╠łgung. ÔÇ×Mit unserem unternehmensu╠łbergreifenden Konzept fo╠łrdern wir nachhaltige Mobilita╠łt im urbanen Raum und erreichen eine bestmo╠łgliche Auslastung der Elektroladeinfrastruktur an Lidl- und Kaufland-FilialenÔÇŁ, sagt Rene╠ü Engel, Gescha╠łftsleiter Zentralbereiche bei Lidl Deutschland. Aktuell pru╠łft das Unternehmen, das Projekt auf zusa╠łtzliche Sta╠łdte wie Hamburg auszuweiten.

Im Rahmen seiner Initiative empfiehlt das EHI dem Handel, die Anzahl der Ladesa╠łulen bereits jetzt zu prognostizieren und zu planen. ÔÇ×Durch die richtige und langfristige Dimensionierung ko╠łnnen sich gerade bei der Installation langfristig Kosten einsparen lassenÔÇť, so das EHI. Dafu╠łr bietet Geomarketing das no╠łtige Ru╠łstzeug. (sg)

www.ehi.org

www.wigeogis.de