Leitungswirrwarr ÔÇô wer ist zust├Ąndig?

In vielen Kommunen gibt es nach wie vor keine klaren Prozesse in der Leitungsauskunft. Mit der Bauwirtschaft Baden-W├╝rttemberg meldet sich nun ein Verband von Baugewerbe und Bauindustrie zu Wort ÔÇô und fordert von allen Beteiligten die Einhaltung von Pr├Ąventionsma├čnahmen.

Zwar kann die Leitungsauskunft in den letzten Jahren Fortschritte f├╝r sich verbuchen. Das Thema rund um die Auskunftssicherheit von Versorgungsleitungen scheint bei vielen Menschen immer st├Ąrker auf der Agenda zu stehen. Zahlen des bundesweiten Informationssystems zur Leitungsauskunft (BIL) belegen das. Dennoch gibt es in vielen Kommunen nach wie vor keine klar definierten Prozesse in der Leitungsauskunft. Wird eine Leitung im Zuge von Sanierungsarbeiten oder anderen Bauma├čnahmen gesch├Ądigt, gelten oftmals die ausf├╝hrenden Unternehmen als die alleinigen Schuldigen. Die Bauwirtschaft Baden-W├╝rttemberg, ein Verband, der Baugewerbe und Bauindustrie vertritt, kritisiert dieses Vorgehen und fordert, dass alle am Prozess Beteiligten notwendige Pr├Ąventionsma├čnahmen gleicherma├čen verfolgen und einhalten.

Kosten in Millionenh├Âhe

In Deutschland werden Jahr f├╝r Jahr Leitungssch├Ąden in Millionenh├Âhe gemeldet ÔÇô auch wegen fehlender Prozesse in der Leitungsauskunft. Foto: Pavel Stasevich / shutterstock.com

Die versehentliche Besch├Ądigung von Leitungsnetzen im Boden verursacht nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft bundesweit j├Ąhrlich Kosten in Millionenh├Âhe. Jedes Jahr werden den Sachversicherungen demnach ca. 100.000 Schadensf├Ąlle gemeldet, f├╝r die Entsch├Ądigungen in H├Âhe von rund 500 Mio. Euro geleistet werden m├╝ssen. Die Bauwirtschaft Baden-W├╝rttemberg geht allerdings von wesentlich mehr Schadensf├Ąllen und damit noch h├Âheren Kosten aus. Hinzu kommen wirtschaftliche Einbu├čen f├╝r Unternehmen, die auf Energieversorgung und Kommunikationswege angewiesen sind. Au├čerdem k├Ânnen solche Vorf├Ąlle auch Personensch├Ąden mit entsprechenden Folgekosten nach sich ziehen, etwa wenn Bauarbeiter bei Baggerunf├Ąllen verletzt werden. Ein schwer kalkulierbares Risiko also, das m├Âglichst vermieden werden sollte ÔÇô am besten durch Pr├Ąvention.

Wesentliche Voraussetzung zur Schadensvermeidung ist laut Thomas M├Âller, Hauptgesch├Ąftsf├╝hrer der Bauwirtschaft Baden-W├╝rttemberg, eine m├Âglichst fr├╝hzeitige, vollst├Ąndige und vor allem detaillierte Information der Baufirmen ├╝ber s├Ąmtliche vor Ort vorhandenen Leitungen. Doch genau hier hakt es: Viele Kommunen h├Ątten schlichtweg keinen ├ťberblick, welche Leitungen in ihrem Gemeindegebiet wo genau verlegt sind. ÔÇ×Leider gibt es bis heute keine zentrale Koordinierungsstelle f├╝r Leitungsausk├╝nfte, die das gesamte Netzwerk in Baden-W├╝rttemberg abdeckt. Unsere Betriebe m├╝ssen deshalb meist selbst im Vorfeld von Bauma├čnahmen m├╝hsam die wichtigsten Daten bei der zust├Ąndigen Kommune oder den einzelnen Versorgern einholen. Oftmals sind die Angaben, die sie zur Lage der Abwasser- und Versorgungsleitungen bekommen, zudem noch ungenau oder unvollst├Ąndig. Es fehlen z.B. weiterf├╝hrende Hinweise zur Tiefenlage von Kabeln und Rohren oder zu bekannten Hindernissen im Boden. So kann man als Baufirma nicht sicher arbeitenÔÇť, beklagt Thomas M├Âller. Letztlich f├╝hle sich aber keiner f├╝r das Netzwerkchaos im Boden zust├Ąndig. Sinnvoll w├Ąre es, wenn man alle Netze ├╝ber ein zentrales Online-Verzeichnis erfassen und auf Knopfdruck abrufen k├Ânnte. ÔÇ×Was wir dringend brauchen, ist ein digitaler Masterplan f├╝r s├Ąmtliche Leitungsnetzwerke im Land.ÔÇť

Die Bauwirtschaft Baden-W├╝rttemberg fordert daher, dass sich Kommunen und Versorgungsunternehmen k├╝nftig gleicherma├čen an Pr├Ąventionsma├čnahmen zur Vermeidung von Leitungssch├Ąden beteiligen. Dringend erforderlich w├Ąre zudem eine gesetzliche Auskunftspflicht f├╝r Leitungsbetreiber gegen├╝ber den ausf├╝hrenden Tiefbaufirmen, in der die Netzbetreiber f├╝r die Richtigkeit ihrer erteilten Ausk├╝nfte einstehen. (jr)

www.bauwirtschaft-bw.de