Logischer Schritt der Digitalisierung

Die Firma g.on experience erweitert seine aimPort-Produkt-familie um g.on PM, das Tool fĂŒr Prozessmanagement. Damit können Standortbetreiber etwa Genehmigungsprozesse durchgehend managen – mit und ohne Georeferenz.

Die Kernbohrung soll die BelĂŒftung einer Flughafen-Tiefgarage unterstĂŒtzen und ist theoretisch von einem Spezialisten schnell gemacht. Doch das Projekt zieht sich in die LĂ€nge. Ursache dafĂŒr sind lange Genehmigungsverfahren und Prozessbeteiligungen ĂŒber unterschiedliche Abteilungen hinweg. Datenmanagement, Statiker, Vermesser fĂŒr Absteckung und Kontrollaufmaß, Auftragnehmer fĂŒr die Kernbohrung, sowie die Abteilung fĂŒr die Übernahme und Dokumentation: In einer hochverdichteten Infrastruktur wie einem Flughafen sind bei baulichen Maßnahmen sofort die verschiedensten Gewerke beteiligt. Der Mail- und Telefonverkehr nimmt dement-sprechend zu, bevor die Arbeit durchgefĂŒhrt werden kann.

Neues Modul g.on PM

g.on PM erweitert das Konzept des geo-basierten Portals fĂŒr Standortbetreiber um ein Prozessmanagement-Tool, mit dem etwa Genehmigungsprozesse zentral durchlaufen werden können. Foto: Evonik Industries AG

Ein Gegenmittel fĂŒr solche „Zeitkiller“ sind prozessorientierte Lösungen im Bereich Infrastrukturmanagement, die Prozesse und ZustĂ€ndigkeiten klar definieren und regel-basiert steuern können. Eine solche Lösung ist g.on PM des MĂŒnsteraner Unternehmens g.on experience. Das neue Modul fĂŒr das Prozessmanagement bei betrieblichen Genehmigungsverfahren und Prozessen mit und ohne Geobezug basiert auf aimPort – der Geo Asset Management Software des Unternehmens, die seit ĂŒber 15 Jahren fĂŒr die Verwaltung von heterogenen Infrastrukturen eingesetzt wird. Nachdem die Entwicklung von g.on PM vor rund zwei Jahren begonnen wurde, wird es seit letztem Jahr von Kunden in den Bereichen Industrie und Flughafenbetrieb eingesetzt. Bestandteile des Moduls sind eine Portalseite (Übersicht und Einstieg in die verschiedenen Prozesse), ein Cockpit mit Ansichten der rollenabhĂ€ngigen Prozesse sowie Prozessbausteine (GUI, Mail, Timer, Switch, Validation, etc.).

Von der Web- zur Prozesstechnologie

g.on PM setzt die Produktphilosophie von dem Basisprodukt aimPort konsequent fort. aimPort steht fĂŒr „asset and infrastructuremanagement Portal” und stellt also eine webbasierte Anwendung dar, in der alle Stamm-, Sach- und Geodaten von Standortbetreibern in der Industrie, von FlughĂ€fen oder Leitungsbetreibern integriert bereitgestellt werden. Mit dem Produkt hat das Unternehmen vor rund zehn Jahren einen wegweisenden Entwicklungsschritt getĂ€tigt: Aus der GIS-basierten Dokumentation der GebĂ€ude und Liegenschaften wurde ein webbasiertes Geoportal, das technische und geografische Aspekte der Infrastruktur gleichermaßen abdeckt.

Mit der Prozessorientierung wurde nun der nĂ€chste Meilenstein umgesetzt. „Die Anforderung, existierende Genehmigungsverfahren und Workflows fĂŒr Prozesse EDV-technisch abzubilden, ist ein wachsender Bedarf bei allen unseren Kunden“, sagt Dr. Uwe Meyer, GeschĂ€ftsfĂŒhrer von g.on experience.

Bisher wurden Prozesse und Workflows von den Anwendern weitestgehend individuell ĂŒber E-Mails, Wordformulare etc. verwaltet und dezentral in verschiedenen Systemen vorgehalten und selten archiviert. „Neben dem Faktor Verlangsamung hat das vor allem auch fĂŒr MedienbrĂŒche und damit fĂŒr Inkonsistenzen im Informationsmanagement gesorgt“, so Meyer. Anders bei g.on PM. „Es bildet alle Genehmigungs- oder Beteiligungverfahren und Workflows als Gesamtes ab und verwaltet diese zentral“, fĂŒhrt der GeschĂ€ftsfĂŒhrer aus.

Beispiel fĂŒr die Freigabe von Straßenbaustellen: Im Cockpit werden alle Informationen zu den Prozessen systematisch dargestellt – in diesem Fall inklusive einer kartografischen Darstellung der geobasierten Assets. Der Werkschutz wird mit einer individuellen Ansicht auf den Prozess unterstĂŒtzt. Foto: g.on experience GmbH

Die Lösung verfolgt einen generischen Ansatz, das heißt, Kunden können ihre individuellen Genehmigungsverfahren und Prozesse ĂŒber Anpassungen einfach abbilden – inklusive der Integration der Prozesse in Drittsysteme, allen voran den SAP-Systemen.

Wobei alle Stammdaten der Anwender, die fĂŒr die Genehmigung jedes einzelnen Prozesses benötigt werden, aus aimPort selbst stammen. So werden beispielsweise Namen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen von Antragstellern in den Prozess mitgenommen und zu jedem Zeitpunkt einsehbar, aber unabhĂ€ngig davon immer zentral gemanagt, um Redundanzen zu vermeiden. „Per einfachem Klick auf ein Objekt wie etwa einen Straßenabschnitt oder ein GebĂ€ude können Anwender sofort den dazugehörigen Prozess aufrufen und so den Status von z. B. Genehmigungsprozessen einsehen“, so Martin Gerdes, Projektleiter bei g.on experience.

In g.on PM ist dann in der Cockpitansicht die Einsicht in alle aktuellen und historisierten Prozesse mit gewĂŒnschten Details möglich, einschließlich aller Reports und Analysen. Je nach Anspruch/Wunsch der fĂŒr den Prozess federfĂŒhrenden Abteilung sind auch bedarfsgerechte Analysen möglich. GenehmigungsablĂ€ufe oder (revisionsfeste) Dokumentation von Projekten sind demnach „Abfallprodukte“ der Process Engine. „Dieser Ansatz fĂŒhrt zu einer enormen Aufwertung der Prozesse und Workflows“, so Meyer. Innerhalb des Prozesses lassen sich beispielsweise auch Ansicht und Interaktion von Karte, Daten, Diagrammen und Auswertungen kombinieren.

ErgÀnzung zur Oracle Technologie

UrsprĂŒnglich setzt aimPort (und die Version aimPort mobile) auf Oracle Technologie auf und nutzt vor allem die Geokomponenten Oracle Spatial and Graph fĂŒr die kartographische Darstellung. Mit aimPort iDB (irrespective DataBase) hat g.on experience im letzten Jahr eine Weiterentwicklung vorgestellt, die aimPort unabhĂ€ngig von der Datenbank macht. Somit haben Kunden freie Wahl bei der dahinter liegenden Datenbank und können sich auch fĂŒr Open-Source-Komponenten, insbesondere bei der Mapserver-Software, entscheiden. „Dies schafft auch erweiterte Möglichkeiten bei der Datenvisualisierung und erhöht die FlexibilitĂ€t beim Kunden“, so Gerdes.

Auch das Prozessmanagement von g.on PM baut auf aimPort iDB auf. Es verfolgt das Prinzip Baukasten, alle FunktionalitĂ€ten und Komponenten sind also generisch und können flexibel konfiguriert werden. Kunden können aber auch bei Anwendungen ohne Geobezug ein Prozessmanagement aufsetzen. Die Daten können beispielsweise auch mittels Konfiguration fĂŒr Microsoft Excel zur weiteren Verarbeitung exportiert werden. „Generell ist die InteroperabilitĂ€t zu anderen Systemen/Programmen ĂŒber Schnittstellen eines unserer wichtigsten Ziele“, sagt Gerdes. Damit soll es dem Anwender einfach möglich sein, Prozesse ohne BeschrĂ€nkungen bestehender Systemgrenzen einfach zu realisieren. (sg)

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