Im Messfahrzeug über den Friedhof
In Nienburg an der Saale fährt die Firma eagle eye technologies mit einem Messfahrzeug durch die Stadt. Einsatzorte sind die städtischen Friedhöfe.Im Zuge der Doppik, aber auch mit Blick auf den desolaten Zustand des öffentlichen Straßennetzes werden präzise Flachen- und Zustandsdaten für deutsche Städte und Gemeinden immer bedeutender. Eingebunden etwa in ein geographisches Informationssystem (GIS) bilden sie die Grundlage für eine qualitativ und wirtschaftlich optimierte Dokumentation, Bewertung und Bewirtschaftung kommunaler Infrastruktur. Doch nicht nur die Straßenverwaltung, sondern auch andere Bereiche der kommunalen Daseinsvorsorge profitieren von hochwertigen Datengrundlagen. Das zeigt das Beispiel der Stadt Nienburg/Saale. Die Kommune ließ jetzt ihre Friedhöfe von dem Berliner Unternehmen eagle eye technologies erfassen.
Auch auf schmalen Wegen ist das Messfahrzeug von eagle eye technologies zur Flächen- und Zustandserfassung einsatzbereit. Bild: eagle eye technologies
In Nienburg an der Saale läuft die Uhr, denn wie alle Kommunen in Sachsen- Anhalt will die 7.000 Einwohner- Stadt im Salzlandkreis demnächst die Eröffnungsbilanz für die Einführung der Doppik vorlegen. Zu diesem Zweck müssen neben Straßen und Straßeninventar auch Friedhöfe als kommunales Anlagevermögen dokumentiert werden. „Wenn wir schon Daten erheben, sollen möglichst viele Prozesse in der Verwaltung davon profitieren“, erläutert Bürgermeister Markus Bauer. „Daher war uns an einer möglichst vollständigen und qualitativ hochwertigen Dokumentation gelegen.“
Daher sollte die Firma eagle eye technologies hochpräzise Flächen- und Zustandsdaten mit ihrem eigens entwickelten Verfahren berührungslos direkt aus der Befahrung erheben. Die Erfassung geschieht, wie der Firmenname andeutet, buchstäblich mit Adleraugen: Die Fahrzeuge sind mit speziellen Sensoren ausgestattet, mit deren Hilfe die Flächen während der Befahrung vermessen werden. Präzisionskameras erfassen gleichzeitig den Straßenzustand und dokumentieren Verkehrsanlagen oder andere relevante Objekte. Die Datenaufnahme dauert nur wenige Tage und liefert sehr genaue Informationen. Im Ergebnis erhält die Gemeinde exakte Geometrie-, Sach- und Zustandsdaten.
Damit auch enge oder schwer befahrbare Straßen und Wege optisch erfasst und vermessen werden können, hat eagle eye ein Spezialfahrzeug entwickelt, das die Technologie-Komponenten auf engstem Raum bündelt. Deutlich unter drei Meter lang, gut einen Meter breit und ausgestattet mit hochgenauen Messsensoren kann das Schmalspurfahrzeug sogar Waldwege exakt dokumentieren. Dieses wendige Gefährt kam auf den sechs Friedhöfen im Nienburger Stadtgebiet zum Einsatz.
Auf insgesamt rund 73,5 Quadratkilometern wurden nicht nur Flächen und Wege, sondern auch Grabsteine, Wasserentnahmestellen, Papierkörbe und anderes Inventar erfasst und nach Nutzungsarten differenziert. Die Daten fließen in das örtliche Geoinformationssystem Polygis ein und werden dort zum Aufbau eines detaillierten Friedhofskatasters genutzt. Dieses bietet die Grundlage für eine qualifizierte Bewertung und Fortschreibung des Vermögenswertes „Friedhof“ im Rahmen der Doppik. Darüber hinaus unterstützt der Datensatz die Friedhofverwaltung bei der Bewirtschaftung. „Künftig können wir die notwendigen Maßnahmen im Überblick planen und bei Bedarf die Anlagen direkt vom Arbeitsplatz aus in Augenschein nehmen. Das spart viel Zeit und Geld und hilft uns, wirtschaftlicher zu arbeiten“, betont Bürgermeister Bauer.
Für Projektleiter Alexander Gumnior von eagle eye technologies hat die Erfassung von Friedhofsanlagen Zukunft: „Mit Blick auf den demografischen Wandel wird viel Arbeit auf die kommunalen Friedhofsverwaltungen zukommen – von der Ausbauplanung über die laufende Unterhaltung bis hin zur Gebührenberechnung.“ In intelligenten IT-Systemen sieht der Projektleiter eine Möglichkeit, diese Aufgaben besser und wirtschaftlicher durchführen zu können. „Voraussetzung sind qualitativ hochwertige Daten, die man in diesem Bereich durch konventionelle Verfahren wie etwa die Auswertung von Luftbildern kaum gewinnen kann“, meint Gumnior.
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