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Emanzipationen eines GIS-Pioniers

Die Firma Mapinfo hat in den 1990er-Jahren die GIS-Entwicklung weltweit mit geprägt. Heute verfolgt Pitney Bowes mit der gleichnamigen Produktfamilie neue Ansätze.

Der Name Mapinfo ist in der Geoinformationswirtschaft bekannt. Das gleichnamige Unternehmen aus den USA eroberte in den 1990er-Jahren den weltweiten Markt für GIS-Systeme, vor allem aufgrund seiner dynamischen Entwicklungen in dem noch recht jungen Bereich des Webmappings. Viele Unternehmen fanden den Einstig in die GIS-Welt, die bis dato von hoch spezialisierten und sehr kostenintensiven Lösungen beherrscht wurde.

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Geschäftsprozess im Fokus: Im Rahmen seiner Produktstrategie bietet PBBI Gesamtlösungen, die sich im weitesten Sinne rund um die Kundenadressen ranken.
Bild: PBBI

Im Jahr 2007 wurde Mapinfo dann von dem US-amerikanischen Unternehmen Pitney Bowes aufgekauft. Sogleich definierte das Unternehmen GIS völlig neu. Pitney Bowes prägte dann den Begriff Location Intelligence (LI) und rückte GIS damit in die Nähe des auch in Deutschland etablierten Terminus „Business Intelligence“. Rund vier Jahre nach der Übernahme wird anhand einzelner Projekte immer deutlicher, wie GIS-Technologie sich weiter aus dem Umfeld der reinen Fachanwendungen emanzipiert und integrativer Bestandteil von Geschäftsprozessen wird.

Rund um die Adresse

Pitney Bowes wurde 1920 gegründet und gilt als der Erfinder von Frankiermaschinen. Seitdem dreht sich in der Unternehmensentwicklung alles um die Adresse beziehungsweise um die Kundenkommunikation. Kein Wunder also, dass das Unternehmen (heute rund 30.000 Mitarbeiter) mit Pitney Bowes Business Insight (PBBI) einen Geschäftsbereich besitzt, der ausschließlich Softwarelösungen rund um Kundendaten anbietet. Dazu gehören Dokumentenaufbereitung, Datenmanagement und vor allem auch LI.

Dass nach mehr als 90 Jahren Firmengeschichte immer noch die Adresse im Fokus steht, zeigt das Beispiel von Aon Benfield, einem weltweit tätigen Makler für Rückversicherungsleistungen und Finanzberatung. Dieser Kunde setzt das Geokodierungstool des Unternehmens (PB Spectrum Enterprise Geocoding Module) ein. Das Modul verortet Adressen und stellt diese als geokodierte Information im Geschäftsprozess zur Verfügung. Dort können die Informationen dann kartografisch dargestellt werden.

Meist wird der Raumbezug aber für analytische Anwendungen und Prozesse genutzt. Die Geokodierung bildet dann die Grundlage für weitere Anwendungen, mit denen der Versicherer das Risiko im Zuge vergangener, gegenwärtiger oder zukünftiger Katastrophen bewertet. Mit einer weiteren Anwendung kann Aon Benfield auch länderübergreifend internationale Vergleichsszenarien aufstellen, um Preismodelle, Risikoübernahmen und das Risikomanagement für sich und seine Kunden effektiver zu gestalten. Die Entfernung zwischen einer Liegenschaft und einer geologischen Verwerfung genau zu ermitteln, hilft dabei, Kunden genauere Preismodelle anbieten zu können. „Es ist uns nun möglich, bis zu sieben Millionen Adressen pro Stunde zu verarbeiten, was unsere bisherigen Geokodierungsressourcen bei Weitem übertrifft“, erklärt Stephen Mildenhall, CEO von Aon Benfield Analytics.

So ist die Geokodierung eine klassische Funktion, bei der Standorte mit einer kartenorientierten Koordinate versehen werden, ein „Location- Intelligence-Prozess“. Eine Hausnummer wird nicht nur mit einem Koordinatenpaar versehen, PBBI bettet diese Information in übergeordnete Geschäftsprozesse ein. Die Geokoordinate ist eine wichtige Facette in der strukturellen Analyse ganzheitlicher Unternehmensprozesse. „Wir vollziehen dabei einen Paradigmenwechsel, bei dem Karten nicht nur für die Darstellung und die Analyse von Zuständen genutzt werden, sondern in operative Prozesse eingebunden werden“, beschreibt Michael Arthen, Director Central Region diesen Ansatz. „Durch die Aquisition von Firmen aus den Bereichen Datenmanagenent (Sagent), Datenanalyse und -darstellung (MapInfo) und Kundenkommunikation (Group1 und Portrait Sofwtare) reicht unsere Kompetenz von der Validierung, Bereinigung und Bereitstellung kunden- und marktrelevanter Daten über die Analyse der Daten bis hin zur personalisierten Kommunikation mit den Kunden. Die Kompetenez im Umfeld Location Intelligence, die wir in Bereiche wie Business Intelligence und CRM bringen differenziert uns dabei von vielen reinen GIS-, BI- und CRMAnbietern“, so Michael Arthen.

Die Technologie muss dementsprechend in der Lage sein, sich in Form von Diensten in weitere Anwendungen einzubetten und folgt damit dem heute üblichen Anforderungskatalog von Unternehmensanwendungen. Geokodierung oder Wegstreckenberechnung sollen so zu einem Service orientierten Dienst werden. Ohne eigenes GISKnow- how aufzubauen, setzten Kunden diese Funktionen beispielsweise als Karten-Plug-in ein.

Von Produkten zu Gesamtlösungen

Die Geokodierungslösung hat ihre Wurzeln bei Mapinfo, an diesem Beispiel wird aber deutlich, dass nicht nur die bloße Leistungsfähigkeit des Moduls entscheidend ist, sondern dessen Einbettung in einen Gesamtprozess. Genau an dieser Stelle wird die PBBIGesamtstrategie deutlich. Das Unternehmen hat in den letzten Jahren einige Unternehmen übernommen, die auf ein Segment spezialisiert waren, nun werden alle Produkte plattformorientiert weiter entwickelt und miteinander verbunden. Das heißt, sie lassen sich beim Kunden je nach Anforderungen als Modul in eine Gesamtlösung einbetten. Diese Implementierung beim Kunden erfolgt durch Business Consultants beim Kunden. Konfigurieren anstatt programmieren heißt die Devise. Nur so kann auch Aon Benfield die Geokoordinaten in die Kernbereiche der Schadensregulierung einbetten. Grundlage dafür ist dort zum Beispiel die PBBI-Datenintegrationsplattform Spectrum.

Alle Produkte werden eigenständig weiter entwickelt und gleichzeitig in eine übergreifende Strategie eingebunden. Auf eine allgemeingültige Formel gebracht, integriert PBBI so auch den Raumbezug in alle kunden-, betriebsund marktrelevante Prozesse.

Auch die neueste Übernahme der Portrait Software, ein in England ansässiger CRM-Experte für Software zur Analyse von Kundenverhalten, macht dies deutlich. Das Unternehmen hat mit der Uplift Modellierung eine Methode entwickelt, mit der Verhaltensänderungen von Kunden prognostiziert werden. Sie zeigt also auf, welche Kundensegmente in welcher Form auf definierte Marketingmaßnahmen reagieren. Die Portrait-Software Uplift Optimizer errechnet dazu ein Modell, mit dem Marketing-Verantwortliche Kundensegmente bestimmen und Kundenbindungsprogramme genauer platzieren können. Sie zielen mit Aktionen nur auf erfolgsversprechende Kundensegmente und verringern so die Streuverluste ohne gefährdete Kundensegmente durch Marketingkampagnen unnötig „aufzustöbern“.

Zukunft mobile Werbung

Die T-Mobile Austria, ein Referenzkunde von PBBI, konnte so beispielsweise die Kündigungsrate ihrer Kunden signifikant absenken. Der Uplift Optimizer wurde vor allem dazu genutzt, Modellierungsprozesse zu automatisieren. „Früher hat unser Team Wochen benötigt, ein neues Modell aufzubauen. Heute geht das in wenigen Tagen und wir können die Methode daher bei viel mehr Kampagnen anwenden“, erklärt Christian Reder, Marketing Analyst bei der T-Mobile Austria.

Der Raumbezug spielt hierbei noch keine Rolle, doch aktuelle Projekte zeigen, wie dieses analytische CRM mit LI sinnvoll erweitert werden kann. So setzt PBBI bei europäischen Mobilfunkbetreibern bereits Projekte um, bei denen Profile von mobilen Kunden generiert werden, die in Zukunft im Bereich des Location Based Advertisings genutzt werden können. Der Mobilfunkbetreiber nutzt Smartphone-Daten dazu, um Nutzerprofile zu generieren. In diesem Fall sendet das Smartphone anonyme GPS-Standortdaten, wenn das Gerät ein und abgeschaltet wird und im Falle von Telefongesprächen. Der Softwareprozess reichert die reinen Geodaten mit soziodemographischen Daten an. Dabei geht es nicht nur um die reine kartographische Analyse von Nutzerdaten, sondern vor allem um den intelligenten Prozess der Profilbildung, der gerade im noch recht jungen Markt der Smartphonenutzer und dem mobilen Marketing noch wenig entwickelt ist. (sg)

www.pbinsight.de


 


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Ihr Eintrag im Unternehmensspiegel 2012

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