Ausgabe 2/06 - 06.03.2006
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Behörden & Kommunen

Wachstumsmarkt intelligente Geodaten
Softwarehersteller Oracle sieht in Zukunft die Verbindung von Geodaten mit intelligenter Datenverarbeitung

Wolfgang Wagner, Business Development Manager, Spatial Information Management, Oracle Deutschland GmbH.
Foto: Oracle

Öffentliche Verwaltungen beschäftigen sich schon lange mit der Erfassung, Bearbeitung und Nutzung geografischer Informationen. Die vollen Nutzungspotentiale sind jedoch noch nicht entfaltet. Wolfgang Wagner, Business Development Manager, Spatial Information Management, Oracle Deutschland GmbH, erläutert, wie Geoinformationen in Zukunft breiter genutzt werden können.

Business Geomatics: Herr Wagner, worum geht es bei Geoinformationen genau und wofür werden diese verwendet?

Wolfgang Wagner: Geoinformationen werden bereits seit vielen Jahren von der öffentlichen Hand erfasst. Durch die rasante Digitalisierung der Karten ist das Vermessungswesen zur digitalen Disziplin geworden. Geodaten und Geoinformationen sind für verschiedene hoheitliche Prozesse der öffentlichen Hand, wie etwa die Raum- und Infrastrukturplanung, unerlässlich. Und mehr noch: Die öffentlichen Verwaltungen verfügen mit den Geodaten über einen wertvollen Schatz. Hier liegen über die Hälfte des kommerziellen Werts aller im öffentlichen Bereich erhobenen Daten. Der Aufwand für Erfassung und Pflege von Geodaten liegt pro Einwohner bei jährlich rund 58 Euro. Daraus erwächst auch eine gewisse Verantwortung, diese Geodaten einer breiteren Nutzung zur Verfügung zu stellen.

BG: Wie kann die öffentliche Hand diese Aufgabe effizienter lösen?

WW: Heute werden Geoinformationen hauptsächlich im Umfeld der Raumund Infrastrukturplanung verwendet. Das bedeutet auch, dass die Daten auch so erfasst werden, wie sie genau in diesem Umfeld benötigt werden, sprich, die Daten sind weitgehend in Insellösungen vorhanden. Wenn es darum geht, Geodaten verschiedener Prozesse miteinander abzugleichen, wie dies auch bei Planungsprozessen üblich ist, kann ein erheblicher Aufwand entstehen. Ein zentrales Geodatenmanagement und die Integration über verschiedene Prozesse hinweg würden der öffentlichen Hand dauerhaft Vorteile bringen. Die technische Voraussetzung dafür ist ein Geodatenmanagement, wodurch die öffentlichen Verwaltungen zudem in der Lage wären, mit weniger Fachleuten die gleiche Qualität bei der Bereitstellung der Geodaten zu liefern.

BG: Welche Oracle-Lösungen stehen dazu zur Verfügung?

WW: Oracle adressiert Geodatenmanagement mit seinem Ansatz der Oracle Information Architecture. Wesentliche Komponenten sind hierbei die Oracle Datenbank, der Oracle Application Server, die Oracle Integrationslösung einschließlich des Oracle BPEL Process Managers bis hin zur Integration verorteter Daten in die Anwendungen. Diese Architektur sorgt dafür, dass man hinsichtlich eines konsolidierten Datenmanagement- Prozesses Geodaten in die gesamte Behörden-Infrastruktur integrieren kann. Oracle beschäftigt sich im Übrigen bereits seit 1995 mit dem Thema Geodatenmanagement, wodurch sich ein großes Know-how insbesondere in Bezug auf die Integrationsanforderungen entwickelt hat. Die Oracle Geodatenmanagement-Plattform hat eine sehr hohe Akzeptanz, unter anderem deshalb, weil die Tools der Partner ohne Konvertierung eingesetzt werden können.

BG: Welche weiteren Möglichkeiten gibt es auf Basis eines breiteren Zugangs zu Geoinformationen?

WW: Die Zukunft liegt sicherlich in der Verknüpfung der Geoinformationen mit Business Intelligence-Funktionen. Wir nennen dies Spatial Business Intelligence. Die vorhandenen Geoinformationen werden dabei etwa in Form von Karten als Analyseinstrumente für Entscheider aufbereitet. Voraussetzung für solche Anwendungen ist ein Geodatenmanagement auf der Grundlage einer Integrations-Plattform. Nur dann ist es möglich, mit den vorhandenen Daten so zu arbeiten als wären es keine Geometriedaten. Geodaten liegen dann konsolidiert in einer geeigneten Plattform vor und stehen zur weitergehenden Verwendung zur Verfügung. Ein hohes Wachstumspotenzial sehen wir auf dieser Grundlage in den verschiedensten Bereichen. So können Entscheidungsprozesse der öffentlichen Hand oder der Wirtschaft komfortabel unterstützt werden.

BG: Wo liegen neue Nutzungsmöglichkeiten durch die Integration von Verortungskomponenten?

WW: Die Möglichkeiten reichen etwa von der genauen Lokalisierung der Meldung einer ausgefallenen Straßenlaterne bis hin zur großräumigen Planung und Durchführung von Großveranstaltungen wie etwa der Fußball-WM 2006. Auch der Bereich Sicherheit, also Polizei und Kriminalitätsbekämpfung sowie der Bereich Überwachung, zum Beispiel in Kanalwesen, Elektrizität, Gasversorgung, sind Wachstumsfelder. Eine besondere Rolle kommt dem Katastrophenschutz zu. Hier sind wir mit dem Partner Pro DV Software AG aktiv.

Die öffentlichen Verwaltungen verfügen mit den Geodaten über einen wertvollen Schatz.
Das Unternehmen hat auf Basis von Oracle-Technologie eine Lösung für den Zivil- und Katastrophenschutz entwickelt, mit der administrative Ebenen der Europäischen Union, Bund, Länder, Polizei, Feuerwehr, Hilfsorganisationen und Industrieunternehmen unterstützt werden. Dabei integriert das Decision Support System Leitstände, Einsatzplanungswerkzeuge und Simulationsmodelle sowie Geodatenbestände. Über ein Portal sind alle Informationen und Ressourcen akteur- und ereignisbezogen verfügbar. Dabei werden durch die Einbindung externer Systeme alle Aktivitäten im Zusammenhang mit großflächigen Gefahrenlagen integriert und die Gefahrenabwehr koordiniert.

BG: Können Sie genauer erläutern, welche Funktionen mit Spatial Business Intelligence möglich sind?

WW: Spatial Business Intelligence ermöglicht die integrierte und gleichberechtigte Verwendung von ortsbezogenen Informationen für alle Geschäftsprozesse. In vielen Aufgabenstellungen bilden Adressen oder Postleitzahlen den geografischen Bezug nur unzureichend ab. Das gilt sowohl für die Visualisierung auf Karten als auch für analytische Auswertungen und automatisierte Abläufe. Erst durch die Verwendung von Geokoordinaten ist es möglich, Orte sinnvoll in Kartenansichten einzuzeichen und Lagebeziehungen für Analysen zu verwenden. Deshalb werden in Anwendungen mit räumliche Planungsbezug wie Standort oder Netzwerkplanung vielfach in Geografischen Informationsystemen (GIS) durchgeführt. Die Integration von Geoinformationen die Oracle mit Spatial Business Intelligence anbietet, erschließt den Ortsbezug auch für Arbeitplätze, die über kein GIS verfügen. Im Bereich Analyse und Berichtswesen können neben den Fragestellungen hinsichtlich der Fachdaten (Was?, Wieviel?, Wer?) auch der Geobezug (Wo?, Welcher Abstand?) hergestellt werden. Fragestellungen aus der polizeilichen Arbeit wie „Wieviele vergleichbare Delikte gab es in den letzten zwei Monaten im Umkreis von zwei Kilometern“ lassen sich darüber genauso lösen wie Anforderungen aus dem kommunalen Bereich. In vielen Fällen lassen sich diese neuen Möglichkeiten der Spatial Business Intelligence unter Verwendung von Oracle-Komponenten leicht in bestehende Prozesse einbringen. (sg)

www.oracle.de

 

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