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Der Zukunft auf die Finger geschaut
Ideenwettbewerb Galileo Masters hat in München seine Gewinner gekürt

Preisverleihung des Galileo Masters und der Gewinner der zehn lokalen Ausschreibungen.
Foto: AZO

Abseitiges, Zukünftiges und Kreatives war auf der diesjährigen Messe Systems in München zu beobachten. Dort wurde der so genannte Galileo Master gekürt, also die innovativste Anwendung rund um die satellitengestützte Navigation. Bei dem internationalen Ideenwettbewerb wurde vor allem eins deutlich: Satellitennavigation ist mehr als die Stimme im Auto, die dem Fahrer die Route vorgibt.

Zum Beispiel der Gewinner Conor Keegan aus Großbritannien – er folgte einer speziellen Art der Kreativität und besann sich bei seinen Arbeiten auf das Wesentliche bei Galileo: Das Signal, das von den Satelliten ausgesendet wird. Diese Reduktion auf das Einfachste brachte ihn auf die Idee. Das hochgenaue Zeitsignal, nichts anderes sendet ein Galileo-Satellit genau wie seine Mitstreiter des amerikanischen GPS- und des russischen Glonass-Systems aus, um damit seismologische Untersuchungen zu machen. Damit gewinnt er Erkenntnisse über die Oberflächenspannung der Erdkruste. Diese können wiederum zur Vorhersage von Naturkatastrophen wie Erdbeben, Vulkanausbrüchen oder Tsunamis beitragen. Die Zeitsignale werden genutzt, um die Schallgeschwindigkeit unter der Erdoberfläche zu messen. Abweichungen in der Schallgeschwindigkeit weisen auf Veränderungen des Zustands, der Spannung und der Zusammensetzung unter der Erdoberfläche hin. Diese Informationen sollen zukünftig als Teil eines Frühwarnsystems genutzt werden.

Kreativität bedeutet, aus einem bekannten System neue Anwendungsideen zu entwickeln.
Keegans System mit dem Namen Geosynch kann darüber hinaus auch für die Suche nach Grundwasservorkommen und fossilen Brennstoffen, wie Öl und Gas eingesetzt werden. Die Vorteile des Systems sehen Experten nicht nur in der hohen Genauigkeit, sondern auch in dem geringen Kostenaufwand. Für internationale Frühwarnsysteme dürfte dies wohl ein wichtiger Vorteil sein. Der European Satellite Navigation Competition (Galileo Masters) ist ein internationaler Ideenwettbewerb, der die besten Ideen für Anwendungsinnovationen im Bereich Satellitennavigation auszeichnet. Er wird seit 2004 von dem Anwendungszentrum Oberpfaffenhofen und der Messe Systems ausgerichtet und richtet sich an Firmen, Unternehmer, Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Privatpersonen. Angefangen mit drei Partnerregionen fand der Wettbewerb in diesem Jahr bereits in zehn europäischen High-Tech-Regionen statt: Bayern, Nizza-Sophia Antipolis, Stevenage/East of England, Göteborg, Prag, Noordwjik und Varese, sowie den drei neuen Regionen Madrid, Wallonien und Hessen. Über 650 Teilnehmer aus ganz Europa reichten laut Angaben des Anwendungszentrums seit Bestehen des Wettbewerbs ihre innovativen Ideen ein.

Prämiert wurden neben dem Gewinner auch die zehn regionalen Finalisten. Dabei wurden die unterschiedlichsten Anwendungsfelder bedacht. Ideen und konkrete Produkte für Anwendungen aus der Landwirtschaft, Immobilien, Gaming, Logistik und dem Transportwesen waren Zeugnis davon, wie groß das Innovationspotential der Satellitennavigation insbesondere vor dem Hintergrund des für 2010 geplanten Galileo-Systems ist. Kein Wunder also, dass die Politik in Europa die Zahl von 150.000 neuen Arbeitsplätzen heranzieht. Aus Bayern stammt die Idee eines satellitengesteuerten „Unkraut-Roboters“. Professor Egon Füglein von der FH Würzburg-Schweinfurt bietet damit eine Alternative zum manuellen Unkraut- Jäten im biologischen Landbau und in Wasserschutzgebieten, wo nicht mit Herbiziden gearbeitet werden darf. Der „Weed-Robot“ legt jedes Samenkorn einzeln in den Boden ab, speichert die Position und kann so nach Auflaufen von Unkraut die erforderlichen Hackarbeiten durchführen, ohne die gesäten Kulturpflanzen zu beschädigen. Die Positionsbestimmung des „Weed-Robot“ erfolgt durch GPS und erreicht heute bereits eine Genauigkeit von wenigen Zentimetern.

Der hessische Regionalsieger Holger Sdunnus erhielt die Auszeichnung für sein System G-WaLe: Galileo Based Measurement of Water Level. Das System dient zur exakten Überwachung der Wasserstände an Flüssen und Seen, um die Gefahr von Hochwasser verlässlich vorherzusagen. Die Basis ist ein Netzwerk aus schwimmenden Galileo Receiver Bojen, die den Wasserstand über ihre vertikalen Positionsdaten an eine Empfangsstation am Ufer übermitteln. Aus Belgien stammte eine Lösung für ein mobiles Hilfesystem für blinde und sehbehinderte Menschen. Dieses ermöglicht die Lokalisierung und Navigation von Personen in geschlossenen Gebäuden, zum Beispiel in Krankenhäusern, Flughäfen, Bahnhöfen oder Supermärkten. Mobile Endgeräte orten und führen den Anwender mithilfe von drahtloser lokaler Kommunikation und Satellitennavigation. Experten gehen davon aus, dass eine solche Art der Indoor-Navigation in Zukunft auch auf breiter Ebene eingesetzt werden kann.

Die Anwendungszentrum GmbH betreibt am Luft- und Raumfahrtstandort Oberpfaffenhofen das Anwendungszentrum für Satellitennavigation. Es unterstützt die Gründung und Ansiedlung von Unternehmen, die Produkte und Dienstleistungen im Zusammenhang mit der satelliten-gestützten Navigation entwickeln und auf den Markt bringen. (or)

www.galileo-masters.com

 

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