

Im Bereich der Internet-Suchmaschinen gilt es als das mit Abstand Innovativste. Der Aktienwert pro Mitarbeiter soll Analysten zufolge elfmal so hoch sein wie der von Microsoft. Einer der neuesten Entwicklungen des Unternehmens ist Google Earth, eine aus dem Internet auf den PC ladbare Anwendung, die den virtuellen Flug über den gesamten Erdball ermöglicht und in der Geobranche für außerordentliche Furore gesorgt hat. Google Earth und ihre artverwandten Produkte wie Yahoo Maps, Microsoft Live Local oder auch die Schweizer Suchmaschine Search.ch, verknüpfen Informationen mit der Frage, wo diese zu finden sind. Dies beginnt von reinen fotografischen Präsentation und geht weiter über Auskünften zu Shoppingmöglichkeiten, Restaurants, Museen. Es entstehen interaktive Landkarten, die nicht nur vielen Anwendern offen stehen, sondern von diesen auch selbst weiterentwickelt werden können. Aufgrund offener Schnittstellen können Fremdsysteme beliebig integriert werden. Ähnlich der Open-Source-Philosophie wird so der Mehrwert von Programmen auf einer zentralen Plattform dezentral erweitert. Ähnlichkeiten bestehen auch mit den bereits bekannten internetbasierten Geodateninfrastrukturen.
Die durch Google Earth ausgelöste Aufmerksamkeit zeigt, welches kommerzielle Potential in Geodaten liegt. Die spannende Frage ist nun, wer dieses Potential heben wird. Die Anbieter für Geoinformationssysteme werden an dieser Entwicklung maßgeblich beteiligt sein. Google hatte beispielsweise mit Keyhole eine amerikanische Firma gekauft, von der die Software stammt und die das technologische Know-how besteuerte. Erst der Zusammenschluss beider Unternehmen schaffte die Voraussetzungen für den Erfolg. Googles Zielgruppe ist freilich der kommerzielle Markt, anders als bei allen spezialisierten GIS-Anbietern, die ausschließliche professionelle Anwendungen fokussieren.
Es ist jedoch stark anzunehmen, dass das Google-Earth-Geschäftsmodell einen Einfluss auf die GIS-Welt haben wird, etwa auf die Entwicklung von Standard-Schnittstellen. Gerade diese Öffnung gepaart mit der Möglichkeit zur Interoperabilität – das heißt der offenen Weiterentwicklung der Geoinformationen – werden von Google Earth beispielhaft aufgezeigt. Der Eintritt von Google in das Open Geospatial Consortium (OGC), zuständig für die Standardisierung offener Datenschnittstellen, zeugt von einer Veränderung im Markt. Professionelle (Business-to-Business) und kommerzielle (Business-to-Consumer) Anbieter werden in Zukunft enger nebeneinander agieren. Welchen Stellenwert räumen GIS-Anbieter der rasanten Entwicklung kommerzieller Geo-Dienste wie Google Earth und anderen ein? Die Business Geomatics befragte Experten, die nebenstehend individuelle Statements geben. Der gemeinsame Nenner dabei: Google Earth verschafft den Geoinformationen die Öffentlichkeit, die die Geobranche lange vermisst hat. (sg)

Foto: Oliver Rehbinder, Entwicklungsleiter Web, AED-Sicad Aktien-gesellschaft
Bei AED-Sicad überwiegt die Anerkennung für Google Earth als Consumer-Plattform. Die Leistung liegt weniger in der Bekanntheit und Marktdurchdringung als vielmehr in den spezifischen Erfolgsfaktoren: Der Verfügbarkeit weltweiter flächendeckender Luft- und Satellitenbilder über das Internet für kostenfreies Viewing, einer bemerkenswerten Performance, der intuitiven Bedienung des User Interface und der Idee der Placemarks.
Die wachsende Bedeutung von Google Earth im Kontext mit GIS wird daran deutlich, dass das relevante Format KML, die Keyhole Markup Language, immer häufiger in Ausschreibungen abgefragt beziehungsweise sogar gefordert wird. AED-Sicad hat die Technologie in seine Produktstrategie eingebunden. Mit dem Werkzeug für die Datenkonvertierung FME steht KML als zusätzliches Datenformat bereit. Darüber hinaus ist die Basistechnologie ArcGIS Server, die KML ab Version 9.2 unterstützt, bereits vollständig in das neue Internet-Plattform integriert.

Foto: Dr. Albert Remke, Geschäftsführer con terra GmbH
Bezogen auf die dingespezifischen Fragestellungen des GI-Markts sind Google Earth und die KML-Schnittstelle, mit der Zusatzinformationen in Google Earth importieren werden können, aber keine hinreichende Antwort. Insofern ist es folgerichtig, dass Google sich zur Mitwirkung in der Standards Community (OGC, Open Geospatial Consortium) entschlossen hat. Aber auch wir sind lernfähig. Also: Willkommen im Boot! Auf geht’s.

Foto: Dr. Gerd Buziek, Direktor Business Development, Esri GmbH
Davon profitiert die gesamte Geobranche, zum Beispiel. indem neue Nutzergruppen angesprochen werden. Die GIS-Branche erfährt damit weitere Impulse und damit positive Effekte. Allerdings spricht Google Earth eine sehr indifferente Zielgruppe an. GIS-Hersteller, Dienstleister und Lösungshäuser sprechen daher weitgehend unterschiedliche Märkte und Zielgruppen an.
Ob dies so bleibt, wird die Zukunft zeigen. Google richtet sich an die breite Öffentlichkeit. Diese benötigt gelegentlich Geoinformationen, ist in der Regel nicht bereit, dafür zu bezahlen und bedient sich leicht alternativer Informationsquellen. Geoinformationen beziehungsweise der Google-Viewer ist daher ein Zusatz, der der Suchmaschine eine zusätzliche Aufwertung verleiht.

Foto: Dr. Matthias Alisch, Marketing-Manager, Intergraph GmbH
Bei Intergraph wird es ein API (Application Programming Interface) geben. Auf die Entwicklung der zerstreuten Geodateninfrastrukturen werden Google & Co. aus unserer Sicht keinen Einfluss nehmen. Was allerdings die Standardisierung von Daten angeht, schon eher. Insgesamt werden die Pusheffekte für den Gesamtmarkt durch Google & Co. den Geoinformationsmarkt spürbar beleben – zumindest mittelfristig.
Alle GIS-Anbieter sind offen oder insgeheim der Hoffnung, dass ihre Systeme – vergleichbar mit Verbrennungsmotoren – endlich durch die einfache, kostenneutrale und stete Verfügbarkeit flächenhafter, qualitativ hochwertiger Daten – vergleichbar dem Treibstoff – deutlich an Fahrt aufnehmen können, und nicht weiterhin bloß Nischensegmente bleiben.