Die Verschmelzung von Online- und Offline-Welten

Die LOCA Conference in München etabliert sich als europäische Plattform für Location-based Services. Auch Einblicke in die Zukunft des Geomarketings wurden gewährt.

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Bei diesem interaktiven Display erfasst eine integrierte Kamera das Nutzerverhalten und passt den Content an.

Am 2. und 3. Februar 2016 trafen sich Experten aus aller Welt, um auf der zweiten LOCA Conference – Location Technology and Service in Retail, Logistics, Aviation & Travel – und dem parallel stattfindenden App Day über die Möglichkeiten und Herausforderungen von raumbezogenen Technologien und Dienstleistungen zu diskutieren. Rund 75 Referenten aus verschiedenen Ländern präsentierten ihre Erfahrungen. Über 450 Teilnehmer aus der ganzen Welt waren der Einladung gefolgt und diskutierten die zukünftigen Entwicklungen.

Location based Services sind heutzutage in der Lage, Kunden online und am Point of Sale (POS) mit gezielten Marketingmaßnahmen zu steuern, Warenbewegungen zu verfolgen, Besucherströme zu überwachen und zu lenken, Kundenansprache und Preisbildung zu automatisieren und vieles andere mehr. Auch Warenwirtschaft, Distribution und Logistik lassen sich mithilfe raumbezogener Technologien und -dienste schlanker gestalten, versprechen die Anbieter. Entsprechend hoch ist die Resonanz auf solche Lösungen: Unternehmen wie Media-Saturn, die Metro Gruppe, PAYBACK, Marc O’Polo, Adidas und Coca-Cola zählen bereits zu den Anwendern. Das Motto der Veranstaltung lautete „Bridging Online and Offline Worlds“- die Brücke schlagen zwischen digitalen und analogen Aktivitäten. Vorgestellt wurden unter anderem Technologien wie WiFi, GPS, Beacon, RFID, NFC und deren Einsatzmöglichkeiten, etwa im Rahmen von In-Store-Konzepten und Automatisierung – auch in diesem Bereich wirft das Internet of Things (IoT) seine Schatten voraus.

Sten-Ove Tullberg, Digital Strategy Consultant von PwC stellte sogar die These auf, dass es gar keine Offline-Welt mehr gebe. Eine ähnliche Sichtweise vertrat Oliver Bohl, Director Digital Business Development bei PAYBACK. Unter anderem im Panel zu Location und Loyalty, das von ihm moderiert wurde, machte er deutlich, dass sich Online- und Offline-Welten immer stärker miteinander verzahnen und letzten Endes verschmelzen.

Dieser Herausforderung stellt sich auch die Geomarketingbranche und in der Tat gibt es dort erste interessante Ansätze. Ein interessantes Beispiel, das auch auf der LOCA-Konferenz präsentiert wurde, liefert hier die Bonner infas 360.

Interaktive Plattform verbindet Werbung, Leadgenerierung und Analytik

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Carsten Szameitat, Vorstandsvorsitzender der LBMA (Location Based Marketing Association) DACH eröffnete die Fachveranstaltung.

Das Unternehmen entwickelte in Kooperation mit Samsung und Vodafone eine neue interaktive Gesamtlösung für Werbedisplays im öffentlichen Raum – auch Out-of-Home-Media genannt. „Unsere Vision ist es, Werbung, Zielgruppenanalyse und die Gewinnung von Kundenkontakten auf einer Plattform zu bündeln und in der Interaktion mit dem Betrachter zu optimieren“, sagt Michael Herter, Geschäftsführer von infas 360. Technisch besteht die Lösung aus einem Bildschirm mit integrierter Kamera, einem Server mit Client plus Software und einer Internetverbindung via LAN, W-LAN oder SIM-Card. In dieser Konfiguration können die Betrachter des Displays gezählt, ihre Verweildauer vor dem Display gemessen und sogar Gender und Altersklasse erkannt werden. Dabei arbeitet das System komplett anonym und speichert keine personenbezogenen Daten. Auf dieser Grundlage sind bereits sehr detaillierte Zielgruppen- und Standortauswertungen etwa zu Frequenz, Geschlecht, Alter, Uhrzeit, Interesse und Betrachtungsdauer möglich. Sobald ein Betrachter wenige Sekunden vor dem Bildschirm stehenbleibt, können Werbeinhalte zudem an das von Kamera und Software erkannte Alter und Geschlecht angepasst werden. Die Nutzung des integrierten kostenfreien W-LAN-Zugangs erlaubt es den Betrachtern, weitergehende Informationen abzurufen – und umgekehrt den werbetreibenden Unternehmen, wertvolle vertriebliche Leads zu generieren. Wird das Angebot genutzt, verfügt das System außerdem über Verbindungsdaten sowie die Adresse des Betrachters. „Durch eine Anreicherung dieser Daten mit externen Geo- und Marktdaten wird die Beschreibung der Interessenten extrem präzise und aussagekräftig“, erläutert Michael Herter.

Wann die Konferenz im kommenden Jahr stattfindet, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Sicher ist jedoch, dass sich am Markt für Location based Services bis dahin noch einiges bewegen wird.

www.loca-conference.com
www.infas360.de

Bilder: infas 360, LOCA Conference