Landminendetektion aus der Luft

Das Anwendungszentrum für multimodale und luftgestützte Sensorik (AMLS) des Fraunhofer FHR forscht an Methoden zur luftgestützten Fernerkundung, die unter anderem bei der Landminendetektion in Kambodscha eingesetzt werden.

Bild: Fraunhofer

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Nach offiziellen Schätzungen wurden zwischen 1970 und 1998 vier bis sechs Millionen Minen in Kambodscha vergraben. Jährlich sterben mehrere hundert Menschen durch Minen oder Munitionsblindgänger aus dem Bürgerkrieg, viele hundert weitere werden schwer verletzt. Doch die Not treibt viele Menschen trotz der Gefahr dazu, verseuchte Landstriche für Ackerbau zu nutzen. Vor diesem Hintergrund arbeitet Prof. Dr. Jens Bongartz, Leiter des AMLS, gemeinsam mit seinem Forscherteam an kosteneffizienten Methoden zur luftgestützten Fernerkundung. Hier entsteht auf Basis eines Tragschraubers eine fliegende Sensorplattform, die eine kosteneffiziente luftgestützte Fernerkundung in zivilen Anwendungsbereichen wie dem Precision Farming in der Land- und Forstwirtschaft, der Überwachung von zivilen Versorgungstrassen oder eben der Detektion von Landminen für den Zivilschutz, ermöglichen soll. Darüber hinaus entwickelt das AMLS Sensorsysteme mit multimodaler Messtechnik, zum Beispiel für Umwelt und Medizin.

Bei der Landminendetektion machen sich die Forscher zu Nutze, dass alte Landminen ihre Sprengstoffe im Laufe der Zeit in den Boden abgeben und den Stoffwechsel der dort wachsenden Pflanzen beeinflussen. Diese Pflanzen reflektieren das Sonnenlicht anders als die gesunden Nachbarpflanzen. Die Wissenschaftler des AMLS machen diesen Unterschied mit speziell dafür entwickelten multispektralen Sensoren und Kameras sichtbar. Als Trägerplattform für ihre Technik dienen Ultraleichtfluggeräte, die vergleichsweise kostengünstig im Betrieb sind und relativ hohe Nutzlasten tragen können. Um die Verlässlichkeit der Landminendetektionsmethoden zu testen, führte das AMLS im November letzten Jahres in Kambodscha eine Machbarkeitsstudie durch. Dabei mussten die Forscher zunächst die langwierigen Räumungsarbeiten abwarten, um dann die Befliegungsdaten mit den tatsächlichen Minenfundorten abgleichen zu können. Ziel war es, die Sensorik und Auswertesoftware für die Bilddaten zu optimieren, um den Räumungsteams georeferenzierte Karten mit wertvollen Hinweisen für ihre Arbeit liefern zu können.

Landminen sind in vielen Ländern vor allem in Asien und Afrika ein Hindernis für eine positive wirtschaftliche Entwicklung nach Kriegszeiten. Laut Fraunhofer FHR könnten die Ergebnisse und Erfahrungen aus Kambodscha direkt auf andere Länder und Regionen übertragen werden und auch dort bei der Räumung von Landminen helfen. In 2016 soll ein ähnliches Projekt in Laos durchgeführt werden. Dort will man mit diesem Verfahren und einer Methode zur Erdmagnetfeldmessung Blindgänger aufspüren. Für dieses Projekt werden derzeit noch Partner gesucht.

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