Geo-CMS anstatt anonyme Cloud

Mit Geonavigator 4.0 bringt TOPO graphics einen Nachfolger von Googis, der nun neben jedem GIS herstellerneutral als WebGIS und CMS betrieben werden kann.

Das Unternehmen TOPO graphics aus Meckenheim bei Bonn stellt nun mit dem Geonavigator 4 ein neues Content Management System (CMS) speziell für Geo-Anwendungen vor, das die Verwaltung über Internet (also Cloud-basiert) ermöglichen soll, dabei aber die Datenhaltung auf eigenen Servern im Auge hat. Das Programm ist Nachfolger von Googis, das TOPO graphics 2007 eingeführt hatte und das es ermöglichte, webbasiert individuelle Karteninhalte zu visualisieren und zu erstellen, wobei Anwender die Daten im eigenen Hause behalten konnten. „Gerade Kunden aus öffentlicher Verwaltung, Industrie sowie Verund Entsorgung stehen der Strategie, eigene Daten in eine „fremde“ Cloud zu laden, sehr skeptisch gegenüber“, sagt Werner Probst, Geschäftsführer von TOPO graphics.

Der Geonavigator 4.0 auf einer mobilen Anwendung: Bei dem auf Geodaten spezialisierten Content Management System werden Geo-Fach- und Geo-Basisdaten kombiniert angezeigt und editiert. Bild: TOPO graphics

Der Geonavigator 4.0 auf einer mobilen Anwendung: Bei dem auf Geodaten spezialisierten Content Management System werden Geo-Fach- und Geo-Basisdaten kombiniert angezeigt und editiert. Bild: TOPO graphics

Googis basierte auf der programmierbaren Schnittstelle (API) von Google Maps und stellte ein für Geodaten optimiertes, datenbankbasiertes CMS mit einem funktionalen WebGIS-Frontend dar. Das Besondere dabei war, dass es die aus der Welt der Webseitenveröffentlichung bekannte CMS-Methode für den Geodatenbereich adaptiert und damit die Erfassung, Änderung, Import und Veröffentlichung von Karteninhalten vom eigentlichen GIS getrennt hat. Geobasisdaten (aus dem GIS) und Geofachdaten (aus den Fachanwendungen) wurden erst im Browser des jeweils aufgerufenen Dienstes „verheiratet“, dadurch blieb die volle Kontrolle der Inhalte bei dem Googis-Betreiber.

Mit dem GeoNavigator 4.0 verabschiedet sich TOPO graphics nun vollständig vom GoogleMaps API und setzt auf eine systemunabhängige Entwicklung. Somit steht beispielsweise für ArcGIS Online von Esri oder andere GIS ein Geo-Content Management System zur Verfügung, das die Datenhoheit immer beim Kunden und in seiner Regie lässt. „Wir müssen mit unserer Lösung die Technik unseres Geschäftspartners Esri wie auch alle anderen GIS-Quellen und Systeme möglichst neutral unterstützen, um rentabel und zeitgemäß zu bleiben“, sagt Probst. Beibehalten wird dabei aber die Strategie, den Geonavigator 4.0 für den Einsatz „neben“ einem Highend-GIS zu konzeptionieren. So können Anwender das GeoCMS nutzen, um etwa Lösungen im Bereich Bürgerund Kundenportale zu realisieren, ohne den GIS-Administrator mit neuen zentralen Aufgaben zusätzlich zu belasten. „Die Fachabteilungen können nun selbst Daten erheben, fortführen und Portalinhalte generieren“, beschreibt Probst. Geonavigator 4.0 verfügt dabei über eine Vielzahl von Modulen und Schnittstellen. So können Kommunen beispielsweise eine Bürgerbeteiligung oder eine Infoplattform zum Thema Wahllokale, Umwelt und Tourismus nach Angaben des Herstellers einfach quasi auf Knopfdruck implementieren. Die Fachabteilung kann dabei selbst bestimmen, wann und welche Inhalte im Webportal der Stadt erscheinen. Jüngstes Beispiel ist die Stadt Wesel am Niederrhein. Innerhalb weniger Tage hat der GIS-Administrator die Umstellung nach Angaben von TOPO graphics von einer proprietären Datenhaltung eines CAD/GIS-Anbieters auf die systemneutrale Datenbank des GeoCMS geschafft. „Wir haben bei Kunden bereits angefangen, komplette kommunale Fachlösungen auf Wusch anzuschließen“, berichtet der Geschäftsführer.

Geonavigator 4.0 unterstützt auch das Responsive Design. Die Anwendung identifiziert das jeweilige Endgerät und entscheidet, ob die Oberfläche für einen Desktop oder ein Tablet oder Smartphone aktiviert wird. Über ein CSS (customer style sheet) können Anwender das Interface an die individuellen Design-Anforderungen anpassen.

Weitere Besonderheit ist die offline-Funktionalität des mobilen Clients mit Datenbank. Alle Inhalte inklusive Karten können in eine App gepackt werden. An Bord ist eine SQLite Datenbank, dadurch ist, so der Hersteller, der Datenabgleich mit den Bestandsdaten einfach zu bewerkstelligen.

Anwender ist beispielsweise der bundesweit tätige kartographische Bender Verlag (vormals REVILAK, siehe Business Geomatics Nr. 5+6/2016, S. 11), der mit einer neuen Plattform einen kompletten Relaunch aller Stadtplananwendungen durchgeführt hat und das neue System bereits für viele kommunale Webportale einsetzt. Ebenso sind erste Apps im Appstore und im Google Playstore erhältlich.

Weitere Themen bei TOPO graphics sind Inspire-Lösungen für Energieversorger und Infrastrukturbetriebe, ALKIS-Lösungen, Addons für MapApps von con terra sowie mobile GIS- und Workforce Lösungen.

TOPO graphics GmbH, Halle A1, C1.036