Smallworld heute

Die Geschichte des Smallworld GIS ist geprägt von der Vision, ein maßgeschneidertes System für die Versorgungswirtschaft zu bieten. Mit seiner Vision des Industrial Internet verfolgt GE weiter einen prozessorientierten Ansatz mit Fokus auf Integration.

Als Smallworld in den frühen 1990er Jahren auf den Markt kam, war das Aufsehen groß. Erstmals war ein GIS verfügbar, das speziell für die Anforderungen von Netzwerkbetreibern konzipiert und entwickelt worden war. Noch heute ist Smallworld, seit Jahren unter der Ägide von GE, das in den Bereichen Strom, Gas, Wasser, Fernwärme und Telekommunikation meist eingesetzte GIS weltweit. Die Gartner Group stuft GE als branchenweit führenden Lösungsanbieter für GIS im Energiesektor ein. Vor allem bewertete Gartner die Kerneigenschaften des Produktes und die Unternehmensstrategie im weltweiten Marktvergleich als außerordentlich hoch. Auch in Deutschland dominieren Smallworld und die von den Partnern bereitgestellten Fachschalen den Versorgungsmarkt.

GE fokussiert sich seit gut 15 Jahren auf die Integration des GIS in weitere Geschäftsanwendungen und die Prozessunterstützung bei der Netzwerkdokumentation. Eine Vision, die heute so stark im Konzern verankert ist wie niemals zuvor. Die Softwareentwicklung hat bei GE höchsten Stellenwert, obwohl das 125 Jahre alte Unternehmen weitestgehend für seine Industrie- und Anlagentechnik bekannt ist. Laut Statistiken steht das Unternehmen bereits an 14. Stelle im Ranking der größten Softwareanbieter weltweit. Bis 2020 will GE die Top 10 erreicht haben und hat dafür in den letzten Jahren mehrere tausend Softwareentwickler angestellt. Langfristiges Ziel des 300.000 Mitarbeiter zählenden Unternehmens ist es, einen Spitzenplatz unter den großen Softwareschmieden einzunehmen. Die Smallworld-Plattform nimmt dabei eine wichtige Rolle ein, denn sie unterstützt als Datendrehscheibe alle Anwendungen rund um das Industrial Internet und Industrie 4.0 mit raumbezogenen Daten.

Kernprodukt von GE für das Industrial Internet ist Predix, eine Platform as a Service (PaaS) speziell für die Industrie. Bereits vor einigen Jahren hat GE im Silicon Valley ein Entwicklungszentrum eröffnet und dort mehrere Milliarden US-Dollar investiert, um Predix zu entwickeln. Seit 2016 gibt es auch in Europa einen Ableger, die Digital Foundry in Paris. Weitere internationale Software Center sollen folgen.“ „Davon profitierten insbesondere auch unsere Smallworld-Kunden. Zum Beispiel basiert bereits die mobile on- und offlinefähige Lösung Smallworld Mobile Enterprise auf der Predix-Technologie“, sagt Sebastian Pache, Lead Sales Representative bei GE.

Java in Smallworld 5

Smallworld ist also Teil dieser Softwarestrategie. In 2016 hat GE mit Smallworld 5 eine neue Generation der GIS-Kerntechnologie eingeführt. „Java als Grundlage für unsere Smallworld-Technologie ist ein wichtiger strategischer Baustein für die Vision von GE, eine moderne, effiziente und kostengünstige Lösung anzubieten, die auf jeder beliebigen Hardware-Plattform eingesetzt werden kann, sagt Bryan Friehauf, Produktlinienleiter Asset Management bei GE Grid Solutions. Ein Meilenstein also, denn anstatt der proprietären Programmiersprache Magik wird erstmals ein weltweiter Standard verwendet.

Vorhandene Magik-Anwendungen werden nun auf Basis einer Java-Virtual Machine (JVM) ausgeführt. Sie ersetzt die bestehende Laufzeitumgebung Magik Virtual Machine. Kunden können nach Angaben von GE die bestehenden Anwendungen ohne weitere Anpassungen innerhalb von Smallworld 5 weiter nutzen. Auch der Java-Entwickler Oracle hatte die Java- Plattform für die Anforderungen der Magik- Programmiersprache zuvor angepasst. GE erwartet, dass der bestehende Magik-Code mit der JVM drei- bis fünfmal schneller ausgeführt werden kann als bisher. GE will ebenso auf das weltweit vorhandene Entwicklungs-Knowhow rund um die zweithäufigste Programmiersprache zurückgreifen und so die Entwicklungsdynamik beschleunigen. Zudem entsteht die Möglichkeit des nativen Datenaustausches mit anderen Java-basierten Softwarelösungen, wodurch die Offenheit von Smallworld weiter gesteigert werden soll. Insgesamt also eine Reihe von Vorteilen, die auch die Partner in Deutschland für ihr Geschäft nutzen wollen.

Foto: GE Energy Germany GmbH

Foto: GE Energy Germany GmbH

Weltweite GE-Lösungen

Vor dem Hintergrund der Smallworld-Vision hat GE in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Zusatzlösungen im Angebot, die verschiedenste Kernprozesse bei Netzbetreibern bedienen. Zum Beispiel die mobile Außendienstlösung Mobile Enterprise oder Field Force Automation (FFA) als Workforce Management-System. Die webbasierte, integrierte Lösung für den gesamten Ablauf aller Außendienstaufträge wird in Deutschland beispielsweise von der GELSENWASSER AG eingesetzt. Das Trinkwasserversorgungsunternehmen ist ein langjähriger Anwender von Smallworld. FFA sorgt für Abwicklung, Steuerung und Bearbeitung der Außendiensteinsätze von über 300 Außendienstmitarbeitern.

Damit erreicht das Unternehmen nach Angaben von GE effizientere Prozessabläufe in vielen Kernbereichen, geringere Fehlerquoten in der Dokumentation, eliminiert Medienbrüche und bietet eine Online-Verfügbarkeit aller notwendigen Daten im Vor-Ort-Einsatz. SAP bleibt dabei weiterhin führendes System für alle Prozesse. Aufgrund einer GIS-Anbindung inklusive Dokumentenmanagement und Materialdisposition ist ein durchgängiger Datenworkflow realisiert.

Fokus Glasfaser

Bereits der erste Smallworld-Kunde im Jahr 1988 war mit Cambridge Cable ein Kabelnetzbetreiber. Seither hat sich das Segment der Kabelnetzbetreiber stark weiterentwickelt. Große und renommierte Kunden aus dem Bereich der Telekommunikationsbranche, setzen heute im Bereich ihrer Telekommunikationsnetze und hier insbesondere im Bereich der Netzplanung nicht nur auf die Erweiterung des Smallworld- Kernproduktes, sondern auch auf spezielle Telekommunikationsfachschalen wie z.B. Smallworld Physical Network Inventory (PNI). GE konnte im Rahmen unterschiedlichster Kundenprojekte bei den einzelnen Lebensphasen des Leitungsmanagements signifikante Einsparpotenziale nachweisen, angefangen bei der Analyse (bis zu acht Prozent Kostenersparnis) über die Planung (bis zu 80 Prozent Produktivitätssteigerungen), den Bau, die Inbetriebnahme (bis zu 50 Prozent) bis hin zur Überwachung/ Wartung (bis zu 90 Prozent Reduktion der Netzausfälle).

Neuer Analyseansatz

Ein weiteres Produkt, das die Potenziale des prozessorientierten Ansatzes ausschöpft, ist Smallworld Geospatial Analysis (GSA), mit dem raumbezogene Daten und Sachinformationen verschiedenster Herkunft gemeinsam dargestellt und analysiert werden können. So können Unternehmen beispielsweise Prognosen zu Lebensdauer, Wartung oder Instandhaltung machen, bei denen auch Kosten berücksichtigt werden. Besonderheit der Lösung ist, dass dabei auf GIS-Daten direkt auf der Datenbankebene zugegriffen werden kann. Hierbei kann es sich um das Smallworld-eigene Datenbank-Format VMDS, aber auch um viele weitere gängige Datenformate handeln.

Es können also beliebig viele Daten im Sinne einer räumlichen Business Intelligence zusammengeführt, ausgewertet und im Unternehmen prozessbezogen verfügbar gemacht werden. Dadurch erhalten Asset Management Lösungen Zugriff auf eine sehr detaillierte Datenebene. Diese ist notwendig, um ein strategisches Asset Management umzusetzen, bei dem die aktualitätsbezogenen Daten genutzt werden, um zukünftige Entwicklungen der Netzinfrastruktur automatisiert hochrechnen zu können. GE hat beispielsweise GSA-Kunden, die ihre komplette Vertriebs- und Marketingsteuerung im B2C-Bereich mit GSA steuern. Ebenso stehen die deutschen Partner bei diesem Thema in den Startlöchern und entwickeln neue Konzepte für ein strategisches Asset Management.