Fernerkundung neu gedacht

Im Zuge der Partnerschaft mit dem Satellitenbetreiber Planet bietet IABG Satellitendaten für die Beobachtung von Naturereignissen und Infrastruktur. Die Daten liefern CubeSats, die eine hohe zeitliche Auflösung bieten und Veränderungen registrieren.

Die Satellitentechnologie erfreut sich höchster Innovationsdynamik und die Satellitensensoren für die Fernerkundung liefern immer präzisere Daten. Doch die Infrastruktur wird bisher meist von staatlichen Behörden oder im Auftrag des Militärs aufgebaut. Mit dem sogenannten NewSpace kommen nun neue Paradigmen und Geschäftsmodelle auf, die an der Schnittstelle von Raumfahrt und digitaler Wirtschaft liegen. Vorreiter in diesem Gebiet sind die USA. Hier entstehen viele privatwirtschaftliche Unternehmen und Start-Ups, die neue Technologien, die anhand wirtschaftlicher Maßstäbe entwickelt werden, auf den Markt bringen. Das heißt, sie müssen signifikante Mehrwerte bieten, neuartige Angebote schaffen, gleichzeitig aber günstig in der Anschaffung sein, um neue Märkte jenseits der klassischen militärischen Anwendungen zu bedienen. Dazu gehören die Krisenfrüherkennung, die Landwirtschaft, das Versicherungswesen oder auch der Infrastrukturbereich.

Minisatelliten im Schwarm

Oben: Der indonesische Vulkan Dukono im August 2016. Seine Aktivität hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Unten: Die Satellitenaufnahme durch die Doves-Satelliten nur einen Tag später. Fotos: Planet Labs Inc.

Oben: Der indonesische Vulkan Dukono im August 2016. Seine Aktivität hat in den letzten Jahren stark zugenommen.
Unten: Die Satellitenaufnahme durch die
Doves-Satelliten nur einen Tag später. Fotos: Planet Labs Inc.

Auf diesen Trend setzt nun auch die Industrieanlagen- Betriebsgesellschaft mbH – kurz IABG. Der unabhängige, in den Geschäftsbereichen Umwelt, Luft- und Raumfahrt, Sicherheit und Automotive tätige Dienstleister hat kürzlich eine Partnerschaft mit dem US-amerikanischen Unternehmen Planet bekannt gegeben, dem wohl bekanntesten und größten Unternehmen aus der US-amerikanischen NewSpace-Szene. Planet betreibt ein Netz von 180 neuartigen Satelliten, darunter 147 Triple CubeSats. Dabei handelt es sich um Miniatur-Erdbeobachtungssatelliten, auch „Doves“ genannt, die nur vier bis fünf Kilogramm wiegen und kostengünstig und risikoarm produziert werden können. Als Satellitenschwarm sind sie in der Lage, tägliche eine globale Abdeckung zu bieten. Die räumliche Auflösung liegt dabei bei 3,15 Metern über Grund. Da Planet Anfang des Jahres auch die Satelliten Skysat von Google (mit der Tochterfirma Terra Bella) übernommen hat, stehen IABG aber zusätzlich auch Daten zur Verfügung, die eine für Satellitenverhältnisse hohe Auflösung von bis zu 80 Zentimeter besitzen. Damit ist die IABG in der Lage, durch den Einsatz von „hochfrequent“ erzeugten Satellitenbildern neue Leistungen für die Märkte Safety, Security und Umwelt anzubieten. So können etwa Veränderungen der natürlichen Umwelt und von Infrastruktur erkannt werden, wie es bisher per Satellit nicht möglich war.

Hohe zeitliche Auflösung

Mittels automatischer Change Detection und Verschneidung kann die IABG so völlig neue Ansätze verfolgen, beispielsweise für gezielte Grenzüberwachung, automatischeSchiffserkennung oder Baufortschrittskontrolle. Dabei wertet das Unternehmen auch Social Media Bewegungs- und Verhaltensmuster aus und generiert dadurch „predictive Analytics“, also vorausschauende Prognosen.

Durch die Fusion von unterschiedlichen Datenquellen werden Informationen unabhängig verifiziert, sowie im Bau befindliche Infrastrukturen hinsichtlich Ihrer Betriebsfähigkeit bewertet. Interessant ist dabei der zeitnahe direkte Zugriff auf die hochaktuellen Daten der Doves und die hochgenauen Daten von Skysat. „Wir entwickeln aktuell Workflows und Prozesse, um die Informationen aus der kombinierten Analyse beider Datenbestände zu erlangen“, beschreibt Dr. Jörg Schäfer von der IABG.

Cloudbasierter Datenzugang

In diesem Zuge greift IABG auf einen immensen Datenbestand zurück. So kommen die Doves auf etwa 1,3 Millionen Einzelbilder täglich und erreichen ein Datenvolumen von etwa fünf Terrabyte downlink, die Cloud-basiert verarbeitet werden. So entsteht ein umfangreiches Archiv, in dem alle Aufnahmen der Satelliten gespeichert sind. Die Daten können über ein Portal heruntergeladen und sowohl multitemporal als auch retrospektiv analysiert werden.

Dadurch, dass die Bilddaten global und täglich verfügbar sind, kann die IABG etwa nach Sturmschäden, Bergstürzen, Hochwasser- oder anderen Naturereignissen sehr kurzfristig Auswertungen durchführen und wichtige Informationen für Entscheidungsträger bereitstellen. Gegenwärtig arbeitet das Unternehmen für die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft an einer vollständigen Waldschadensanalyse nach dem über Niederbayern im Raum Passau wütenden Orkan vom 18.08.2017.

www.iabg.de
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