Von Hard- bis Software: Stonex komplettiert Produktportfolio für die Geodäsie

Tutti Completti ist natürlich eine deutsche Verballhornung der italienischen Sprache. In dem Fall aber angebracht: Denn der italienische Vermessungsspezialist STONEX, in den letzten Jahren bekannt geworden für seine Hard- und Softwarelösungen, die auf ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis abzielen, kann seit diesem Jahr mit neuen Produkten aufwarten, die alle typischen Vermessungsaufgaben abdecken können. Damit gibt es auf dem Markt einen weiteren „Vollsortimenter“, der von der Robotik-Totalstation über GNSS-Lösungen, 3D-Lasercanner, GIS-Software und diverse GNSS-Lösungen alles anbietet, was heutzutage im Vermessungsalltag an Standards gefragt ist. Ein komplettes Produktportfolio für die Geodäsie also, was angesichts einer zehnjährigen Unternehmenshistorie eine durchaus erwähnenswerte Geschichte ist.

Der S500 von Stonex gilt als Einsteigermodell – Zentimetergenauigkeit verspricht er dennoch. Foto: Stonex

Der S500 von Stonex gilt als Einsteigermodell – Zentimetergenauigkeit verspricht er dennoch. Foto: Stonex

Nach wie vor gehört der GNSS-Bereich zu den Schwerpunkten bei STONEX, schließlich hat das Unternehmen in diesem Teilbereich der Geodäsie seine ersten Entwicklungen getätigt. Neu ist beispielsweise der STONEX S500, der Nachfolger des S5. Der kompakte Einkreisfrequenzempfänger (L1) unterstützt RTK und liefert damit Zentimetergenauigkeit.

Der Fokus der Neuentwicklung lag nach Angaben von STONEX auf mehr Akkuleistung (acht Stunden im Feld) und höherer Performance. Damit zielt der Entwickler auf eine stärkere Fokussierung des Profils, denn gleichzeitig mit dem Mehr an Leistung fällt auch der Antennenanschluss weg und damit die optionale Erweiterung des Produkts in Richtung höhere Genauigkeit. „Da er Funktionen besitzt, die eigentlichen dem High End-Segment vorbehalten waren, trotzdem aber sehr kompakt, handlich und einfach zu handhaben ist, zielt er insbesondere auf GIS-Anwender mit hohen Genauigkeitsanforderungen ab“, beschreibt Thomas Schmitt von Stonex. Zum Beispiel bekommen Anwender sofort, wenn sie schlechtere Empfangsbedingungen haben, etwa wenn sie sich einer Häuserwand nähern, am Display angezeigt, wie das Gerät reagiert. Sprich, in der Handhabung bemerkt man, wie leistungsfähig ein L1-Empfänger sein kann. „Diesbezüglich hat sich in den letzten Jahren eine Menge getan“, weiß Schmitt. Zu dem Receiver gehört auch die kostenfreie STONEX Connector App, die auf dem Android-Betriebssystem läuft und demnach die Vermessung für Smartphone und Tablet verfügbar macht. Ein integriertes LTE-Modem macht den Zugriff auf Korrekturdienste wie SAPOS möglich, der bereits in einigen Bundesländern kostenfrei zur Verfügung steht.

Mehr Kanäle für besseres Handling

Die GNSS-Empfänger S800A, S900A und S10a haben ebenfalls ein Update erfahren und tragen daher das Kürzel „up” im Namen. Dahinter verbergen sich vor allem Neuerungen bei der Kerntechnologie für den Satellitenempfang. So bietet der S900A nun 600 Kanäle (vorher 336 Kanäle). Zusätzlich hat sich vor allem die Performance ver- bessert. Sprich noch schnelleres Fixing und brauchbare Messungen auch bei widrigen Bedingungen stehen in Aussicht. Auch dies ist vor allem für GIS-Anwender oder in den Bereichen Forst und Umwelt interessant, wo man mit starken Abschattungen oder in Vegetationszonen mit Baumkronen zu tun hat, die dem Satellitenempfang nicht gerade förderlich sind. „Und dennoch kommt man auch dort mit dem neuen Gerät zuverlässig auf respektable Genauigkeiten“, sagt Schmitt. STONEX-typisch soll zusätzlich der Preis überzeugen, als Komplettlösung (mit Tablett, Stab und allem Zubehör) wird der S900A up für unter 9.000 Euro als Bundle angeboten.

Der Highend Empfänger S10A up von Stonex ermöglicht eine Messung im Zentimeterbereich. Foto: Stonex

Der Highend Empfänger S10A up von Stonex ermöglicht eine Messung im Zentimeterbereich. Foto: Stonex

Die A-Varianten der GNSS-Receiver unterstützen den Atlas-Dienst von Hemisphere. Mit diesem kommen Anwender auf eine horizontale Messgenauigkeit von bis zu sechs Zentimetern, egal wo sie sich auf der Welt befinden, denn der Dienst setzt auf die Satellitenkommunikation. In Regionen abseits der Zivilisation oder auf hoher See ist dies ein wertvolles Feature. Ebenso haben die beiden anderen Empfänger nun auch 600 Kanäle und sich damit zum Teil mehr als verdoppelt.

Software auf dem Weg zum Mobile GIS

Weiterhin hat STONEX in seine Softwareplattform STONEX Cube Suite investiert, die ursprünglich als Lösung für die Erstbearbeitung der GNSS-Daten im Feld gedacht war. „Inzwischen kann man mehr von einem Mobile GIS sprechen als einer reinen Daten-App“, so Schmitt. Aufgrund des wachsenden Funktionsumfangs bezeichnet STONEX die Lösung auch als Suite, was konkret bedeutet, dass verschiedene Module eingesetzt werden können.

So sorgt das Modul Cube Manager als Windows-basierte Desktop-Lösung für den Import der Vermessungsdaten und deren Visualisierung. Sie unterstützt mit einem speziellen Modul beispielsweise auch das Postprocessing, das, so Schmitt, auch für GIS-Anwender, eine gewisse Renaissance erfahre. „Nicht nur im Drohnenbereich ist die Nachbearbeitung der GNSS-Daten interessant, ebenso sorgt er auch oft für stabilere Werte im Vergleich zu dem RTK-Dienst, der immer auch von der Qualität der Mobilfunkabdeckung abhängig ist“, so der Vermessungsingenieur. Auch kostentechnisch sei der Postprocessing-Dienst im Vergleich mit RTK interessant, was gerade auch für Nutzer der L1 GNSS relevant ist. „Auch für die typische Nutzergruppe der GNSS-Einsteiger wird die Zentimetergenauigkeit zunehmend interessant“, so Schmitt.

Weiterhin hat STONEX auch die Android-basierte Lösung (Cube A) für den Außendienst weiterentwickelt, die beispielsweise WMS-Dienste und die GIS-Datenerfassung unterstützt sowie XML-Masken (Shape-Export) und handliche Features für die Absteckung besitzt. Zudem setzt STONEX auf die Offenheit der Lösung, die es beispielsweise ermöglicht, den Datenworkflow für die Übernahme in Drittsystemen anwendungsspezifisch zu gestalten. (sg)

www.stonex.de