DLR-Weltraumradar GESTRA nimmt Betrieb auf

Mehr als 900.000 teils kleine Schrottobjekte, tausende Satelliten sowie Raumfahrzeuge ziehen laut dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ihre Bahnen im Erdorbit. Die logische Folge: Die Kollisionsgefahr wächst stetig. Das DLR stellte daher am 13. Oktober in Koblenz nach eigenen Angaben das „erste in Deutschland entwickelte und gebaute Weltraumüberwachungsradar“ vor. Das rund 44,5 Millionen Euro teure Gerät soll Weltraumschrott in erdnahen Orbithöhen zwischen 200 und 2000 Kilometern erkennen. Betreiber gefährdeter Satelliten können ihre Objekte auf Basis der Daten des Überwachungsradars bremsen oder die Flughöhe verändern. Zudem kann das Radar auch die Internationale Raumstation ISS in 400 Kilometern Höhe vor möglichen Kollisionen warnen.

Das German Experimental Space Surveillance and Tracking Radar (GESTRA) ist auf der Koblenzer Schmidtenhöhe in zwei weißen Containern mit je einer Dachkuppel untergebracht. Sende- und Empfangssystem befinden sich räumlich getrennt jeweils in einem Container. Das führt dem DLR zufolge zu „geringerer Beeinflussung und damit zu einer höheren Empfangsleistung“.

Jeweils 256 Sende- und Empfangseinheiten

Das im Auftrag des DLR-Raumfahrtmanagements in Bonn vom Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik in fünf Jahren gebaute Radarsystem besteht aus jeweils 256 einzeln elektronisch gesteuerten Sende- und Empfangseinheiten. Nach einer Testphase soll GESTRA im ersten Quartal 2021 in den Vollbetrieb gehen.

Das GESTRA-Radar des DLR ist in zwei weißen Containern mit je einer Dachkuppel auf der Koblenzer Schmidtenhöhe untergebracht. Foto: Fraunhofer FHR/Uwe Bellhäuser

In den beiden GESTRA-Containern sind jeweils 256 Sende- und Empfangseinheiten verbaut. Diese werden einzeln elektronisch gesteuert. Foto: Fraunhofer FHR/Uwe Bellhäuser

Das GESTRA-System ermöglicht dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt die Simulation der Bewegungen von Weltraumschrott und ausrangierten Satelliten. Foto: Fraunhofer FHR/Uwe Bellhäuser

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Die Technik in den beiden Containern arbeitet meist allein ohne Personal und wird aus der Ferne vom Weltraumlagezentrum im nordrhein-westfälischen Uedem am Niederrhein kontrolliert. Dieses betreiben das DLR-Raumfahrtmanagement und die Luftwaffe gemeinsam. Hier werden die Daten von GESTRA verarbeitet. Während das neue Koblenzer System die Bahnen von Weltraumkörpern verfolgt und katalogisiert, kann das Weltraumbeobachtungsradar TIRA bei Bonn verdächtige Objekte näher beobachten. Koblenz ist laut dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr aus rund 400 örtlichen Möglichkeiten für GESTRA ausgewählt worden, weil es ein Bundeswehrstandort in relativer Nähe zu TIRA sei und sich die Schmidtenhöhe für ein Weltraumradar gut eigne.

Kollisionsgefahr steigt

Inzwischen hängen weite Teile der modernen Technik wie Handy-Telefonie, Internet und Navigationsgeräte von Satelliten ab. Umso wichtiger ist deren Schutz vor Weltraumschrott. „Die ISS fliegt regelmäßig Ausweichmanöver“, sagt DLR-Sprecherin Elisabeth Mittelbach. „Das Problem sind die nicht mehr steuerbaren, ausrangierten Teile, bei denen man keinen Knopf mehr drücken kann. Wenn davon zwei zusammenstoßen, können noch mehr Trümmer entstehen.“

Von der Luftverteidigungsanlage auf dem Paulsberg bei Uedem hat auch das deutsche Militär den kompletten Luftraum über der Bundesrepublik im Blick. Neben der Beobachtung des Weltraums steuert es von hier aus auch Alarmstarts von Kampfflugzeugen bei möglichen Bedrohungen. Aus Sicht von Militärexperten ergibt es für Deutschland wenig Sinn, Luft- und Weltraum zu trennen – ungeachtet der physikalischen Unterschiede. Deutschland geht damit einen anderen Weg als die Großmacht USA, die für den Weltraum eine eigene Teilstreitkraft aufgestellt hat. (jr)

www.dlr.de