Vaira UG

BMVI fördert Paderborner Vermessungsprojekt

Wie präzise können herkömmliche Smartphones vermessen? Das wollen der Landkreis Paderborn, das hier ansässige Startup Vaira und das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gemeinsam erforschen. 

Kann das Smartphone genauso präzise messen wie herkömmliche Vermessungsmethoden? Das wollen Vaira-Geschäftsführer Max Erdmann (l.), Katasteramtsleiter Axel Gurok (Mitte) und Landrat Christoph Rüther im Forschungsprojekt SMARTECH gemeinsam herausfinden. Foto: Kreis Paderborn, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Ulrike Sander

Einfach das Smartphone in die Hand nehmen und Entfernungen, Winkel oder Raumgrößen präzise vermessen sowie Versorgungsleitungen, Bäume oder Verkehrsschilder mit ihrer exakten Position auf einem Foto vermerken – das ist das Ziel des Vermessungsprojekts SMARTECH des Kreises Paderborn und des hier ansässigen Startups Vaira UG. Das Projekt wird im Rahmen der Förderrichtlinie Modernitätsfonds (mFUND) mit rund 53.000 Euro durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gefördert.

„Ein Großteil der Entscheidungen, die in einer Kreisverwaltung getroffen werden, haben einen räumlichen Bezug“, erklärt Landrat Christoph Rütter anlässlich des Projektstarts. Sei es, dass im Umweltamt Biotopflächen vermessen, im Baumkataster die Lage und der Gesundheitszustand von Bäumen erfasst oder für Karten Straßen, Häuser und topographische Auffälligkeiten genau verzeichnet werden: die Verwendung von Geodaten in der kommunalen Verwaltung ist vielfältig. Bislang braucht es dafür jedoch in den meisten Fällen spezielles Equipment. Das SMARTECH-Projekt will genau hier ansetzen und eine Lösung entwickeln, die Messungen ausschließlich mit dem Smartphone durchführen zu können. Spezielles Equipment würde somit nur noch bei großen Projekten benötigt werden. „Die Vorteile liegen auf der Hand: Handys sind unser tägliches Kommunikationsmittel geworden, damit kann jeder umgehen und somit könne auch jeder diese Messungen vornehmen“, betont Axel Gurok, Leiter des Katasteramts des Kreises Paderborn.

Das Paderborner Startup Vaira ist Kooperationspartner des Kreises bei SMARTECH. Das Unternehmen hat in der Vergangenheit bereits für Netzbetreiber, Stadtwerke und Baudienstleister eine ähnliche Smartphone-App entwickelt. Die Anforderungen an die Genauigkeit der Messergebnisse des Kreises Paderborn entsprechen dabei im Wesentlichen dem jetzigen Standard des Systems von Vaira. Die Vermessungen, die im Landkreis Paderborn durchgeführt werden sollen, sind jedoch in ihren Szenarien und den Aufgaben des Kreises entsprechend vielschichtiger. Daher soll im Rahmen von SMARTECH überprüft werden, ob mit dem Smartphone die Messgenauigkeit auch bei einem breiteren Aufgabenspektrum erreicht werden kann. „Das Projekt ermöglicht es uns, unsere Vaira-App nach wissenschaftlichen Standards testen zu lassen. Ist dies erfolgreich, können wir Kommunen ein potentes und leicht zu bedienendes Vermessungs-Werkzeug bieten“, berichtet Max Erdmann, Geschäftsführer von Vaira.

Basis: Smartphone-Sensoren

Basis für die Anwendung sind Sensoren, die bereits heute werksseitig in vielen handelsüblichen Smartphones verbaut sind und die es für eine präzise Vermessung braucht. So können beispielsweise GPS-Sender genutzt werden, um eine Position zu bestimmen. Außerdem kommen ein Lotrichtung-Sensor zur Ermittlung der Schwerkraft oder ein Sensor, der die Entfernung von der Kamera zum Foto-Objekt misst, zum Einsatz. „Jeder Sensor für sich allein ist für unsere Zwecke nicht ausreichend. Wir testen nun, ob im Zusammenspiel der Sensoren die benötigte Messgenauigkeit erreicht werden kann“, erklärt Gurok. Weil die Sensoren unterschiedliche Messumgebungen benötigt, hat das Amt für Geoinformation, Kataster und Vermessung des Kreises Paderborn außerdem verschiedene Testszenarien entwickelt. „Einige brauchen eine kotrastreiche Umgebung, wo nicht jeder Grashalm aussieht wie der andere. Andere reagieren empfindlich auf zu viel Bewuchs oder Unebenheiten“, führt Gurok aus. Daher werde die Messgenauigkeit unter unterschiedlichen Bedingungen getestet.

Bis zum Sommer 2021 soll die wissenschaftliche Untersuchung der Messgenauigkeit dauern. Anschließend sollen die nächsten Schritte zur Umsetzung in die Praxis angegangen werden: „Als digitale Modellkommune freuen wir uns, mit einem heimischen Startup dieses Vermessungsprojekt durch die Förderungen des BMVI vorantreiben zu können. Fallen die Ergebnisse zufriedenstellend aus, öffnet es die Tore für eine weitere Digitalisierung vieler kommunaler Aufgaben aus den Bereichen Umwelt, Verkehr, Liegenschaften sowie Hoch- und Tiefbau“, so Landrat Rüther. (jr)

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