Hintergrund

Neue Themen für XPlanung/XBau

Im Zuge der Weiterentwicklungen und unter dem Einfluss der schnell fortschreitenden Digitalisierung im Rahmen des Onlinezugangsgesetzes (OZG) kommen beim XPlanung/XBau-Standard neue Anwendungsfelder wie Breitbandausbau und Leitungsauskunft hinzu. Darüber hinaus befindet sich ein neuer Nachrichtenstandard für die Bürgerbeteiligung im Zusammenhang mit formellen Planverfahren bereits in der Entwicklung: XBeteiligung.

Im Rahmen des OZG-Digitalisierungslabors „Breitbandausbau“ wurde der Vorschlag entwickelt, XPlanung/XBau für den Daten- und Nachrichtenaustausch im Anwendungsfall Breitbandausbau weiterzuentwickeln. Foto: shutterstock/sig Media GmbH

Knapp zwei Monate vor dem verbindlichen Beschluss des IT-Planungsrates (IT-PLR) zur Nutzung von XPlanung/XBau wurde vom Bundestag das Onlinezugangsgesetz (OZG) am 14.08.2017 beschlossen, welches innerhalb einer Übergangszeit von fünf Jahren vorsieht, über einen zu schaffenden Portalverbund des Bundes, der Länder und Kommunen der Öffentlichkeit und der Wirtschaft einen Online-Zugang zu etwa 575 Verwaltungsleistungen bereitzustellen. Um bis Ende 2022 in mehr als 11.000 Städten und Gemeinden sowie 294 Landkreisen alle OZG-Leistungen in 15 Themenfeldern (mit ihren insgesamt über 4000 einzelnen Prozessen) vollständig digital anbieten zu können, sind die Definition von Daten-, Nachrichten- und Übertragungsstandards, der Aufbau von IT-Infrastrukturen sowie die Anbindung von einer Vielzahl von Registern entscheidende Erfolgsfaktoren.

„Zum Glück existieren in der Domäne ‚Planen & Bauen‘ mit XPlanung und XBau entsprechende verbindliche Standards, die von der XLeitstelle im Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung betrieben werden“, sagt Dr. Ing. Kai-Uwe Krause von der Leitstelle XPlanung, die beim Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung (LGV) Hamburg angesiedelt ist.

Die Leitstelle ist seit September 2018 in die Arbeit der Digitalisierungslabore „Bauantrag“ sowie „Breibandausbau“ im OZG-Themenfeld „Bauen & Wohnen“ involviert. Eine ihrer wesentlichen Leistungen bestand darin, dass sie die generelle Tauglichkeit der Standards zum Nachrichtentransport von Baugenehmigungsanträgen bewiesen hat.

XPlanung für Breitbandausbau

Im Rahmen des OZG-Digitalisierungslabors „Breitbandausbau“ wurde nun der Vorschlag entwickelt, XPlanung/XBau für den Daten- und Nachrichtenaustausch im Anwendungsfall Breitbandausbau weiterzuentwickeln. Die Schaffung einheitlicher Kommunikationsstandards ist einer der Erfolgsfaktoren für die Beschleunigung der Antragsverfahren zum Breitbandausbau. Vor diesem Hintergrund hat der IT-Planungsrat in seiner Sitzung am 23.10.2019 den Auftrag erteilt, XBau für die Nutzung in Genehmigungsprozesse von Breitbandausbauanträgen (Trassenanweisung nach TKG, Aufgrabegenehmigung und verkehrsrechtliche Anordnung) weiterzuentwickeln.

Leitungstrassen

Weiterhin sollen Planwerke, in denen die räumliche Lage von Leitungstrassen dokumentiert ist, mit Hilfe einer Erweiterung des Standards XPlanung abgebildet werden können. Der IT-Planungsrat hat auf seiner 34. Sitzung am 17.03. beschlossen die vorlegte Version der XBau Erweiterung für den OZG Anwendungsfall Breitbandausbau (siehe Releases XBau | XLeitstelle) im Rahmen der OZG Referenzimplementierung in der Metropolregion Rhein-Neckar zu erproben.

Bürgerbeteiligung und Planwerksbereitstellung

Die Freie und Hansestadt Hamburg, vertreten durch das Landesplanungsamt der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen hat zudem vom OZG-Themenfeldführer für „Bauen und Wohnen“ Mecklenburg-Vorpommern die Umsetzung der OZG Verwaltungsleistungen „Beteiligungsverfahren nach dem Baugesetzbuch, dem Raumordnungsgesetz und in der Planfeststellung“ sowie „Einstellen von raumbezogenen Planwerken in das Internet“ übernommen. Die Leitstelle XPlanung/XBau unterstützt die Umsetzung.

Die Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange soll im Rahmen des Umsetzungsprojektes über eine zentrale Beteiligungsplattform zugänglich gemacht werden. Kommunen, Länder und Bund können diese Einer-für-Alle (EfA)-Lösung dann als Software-as-a-Service (SaaS) nutzen. Zudem können Bestandssysteme über das standardisierte Nachrichtenformat XBeteiligung angebunden werden.

„Die Bereitstellung und das Zusammenspiel von OZG Leistungen im Themenfeld ‚Bauen & Wohnen‘ auf Basis standardisierter Datenmodelle und Nachrichtenstandards bietet die Chance, durchgängige digitale Prozessketten im Anwendungsfeld ‚Planen & Bauen‘ zu etablieren“, so David Zink, Referatsleiter Digitalisierung der Bauleitplanung beim Amt für Landesplanung und  Stadtentwicklung Hamburg.

Über den OZG-Online-Service „Einstellen von raumbezogenen Planwerken in das Internet“ werden u.a. digitale Bebauungspläne (XPlanung) zum Download im XPlanGML-Format bereitgestellt. Architekten importierten die standardisierten XPlanGML-Daten dafür in ihre Fachapplikation und erstellten darauf aufbauend ihre BIM-Modelle.

Stichwort: BIM

Aus dem BIM Modell sollen möglichst viele Informationen in die Datenfelder des Webinterfaces des digital gestützten Baugenehmigungsverfahrens extrahiert werden können. Weiterhin sollen Architekten die Möglichkeit haben, ihr Modell regelbasiert vorprüfen zu lassen. Dadurch sollen unnötige Iterationsschleifen wegen Fehlern im Modell hinsichtlich des Genehmigungsverfahrens bereits vor der Abgabe erkannt und vermieden werden.

Neben den alphanumerischen Metadaten eines Bauvorhabens (Bauherr, Architekt, Belegenheit, Nutzung, Gebäudeklasse, Nebenanlagen wie Stellplätze, Zufahrten oder Kleinkinderspielplätze) sollen auch insbesondere Informationen zu der Baubeschreibung inkl. der verwendeten Baumaterialen oder Baustoffe aus dem BIM-Modell extrahiert werden.

Nach erfolgter Prüfung werden der digitale Bauantrag (XBau) zusammen mit dem IFC-Modell und weiteren benötigten Plänen (PDF) an die Behörden-Schnittstelle über eine XBau-Nachricht (Nachricht 02×0) an die zuständige untere Baugenehmigungsbehörde übermittelt. Nach erfolgter Einreichung werden behördenintern fachbezogene Prüfungen durchgeführt. Auf Behördenseite kann ebenfalls das übertragene Modell zur Prüfung herangezogen werden oder, wenn die Behörde noch nicht auf BIM-Methoden umgestellt hat, die bisherige Variante mit Plänen (digital) verwendet werden. Alle weiteren Schritte verlaufen ebenfalls digital bis hin zur Genehmigung. Zur modellbasierten Kommunikation (das heißt Anmerkungen/Kommentare direkt am Modell) ist der Einsatz von kollaborativen BIM-fähigen Formaten vorgesehen (BCF).

www.xleitstelle.de