Satellitenbilder zeigen: Größte Eisschmelze aller Zeiten in der Antarktis

Der Sommer in der Antarktis ist zu Ende – und bringt eine alarmierende Nachricht mit sich: die Eisschmelze in dieser Saison hat so hart zugeschlagen wie noch nie seit dem Start der systematischen Satellitenmessungen der Antarktis im Jahr 1979.

Im Gegensatz zur Arktis ist die Antarktis ein großer Wüstenkontinent umgeben von Wasser. Dabei ist der größte Teil der Antarktis ganzjährig durch riesige Gletscher bedeckt. An den Rändern zu den Ozeanen fließen die Gletscher in Richtung Wasser. Gleichzeitig dehnt sich jedes Jahr im antarktischen Winter das Meereis aus. Die Meereis-Ausdehnung in der Antarktis ist sehr variabel, sowohl innerhalb eines Jahres, als auch auf längere Zeiträume gesehen.

Die grüßte Eisausdehnung wird im September/Oktober erreicht. Dabei wird eine Fläche von etwa 16 Millionen Quadratkilometern (das entspricht über 2 Milliarden Fußballfeldern) mit Meereis bedeckt.  In den Sommermonaten der Südhemisphäre schmilzt das Meereis teilweise wieder, sodass das Minimum in Februar/März erreicht wird.

Noch nie seit 44 Jahren verlor die Antarktis soviel Eis wie in diesen Südsommer von Oktober bis Februar. Die Gesamtfläche des antarktischen Meereises schmolz auf unter zwei Millionen Quadratkilometer (circa 280 Millionen Fußballfelder). Doch was war in dieser Saison so besonders, dass ein neuer Rekord aufgestellt wurde?

Zum einen war die erste Hälfe des Südsommers ungewöhnlich warm in der Antarktis. Vor allem in der zentralen Antarktis und im Weddelmeer wurden überdurchschnittlich hohe Temperaturen gemessen, im Mittel 2 bis 4 Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Zum anderen war in der zweiten Sommerhälfte ein kräftiges Tief über der Amudsen See wetterbestimmend. Durch die sehr westliche Lage des Tiefs strömten starke Nodwestwinde über die Antarktische Halbinsel und führten so zu starken Föhneffekten. Durch den warem und trockenen Fallwind wurden die überdurchschnittlichen Temperaturen im Weddelmeer und dem Ostsektor der Antarktis zusätzlich verstärkt. Bei Föhnstürmen können auf der Antarktischen Halbinsel Werte im zweistelligen Bereich erreicht werden. So wurden z.B. an der argentinischen Forschungsstation bei einem Föhnsturm am 06. Februar 2020 eine Maximumtemperatur von 18,4°C gemessen.

Durch die warmenTemperaturen im Weddelmeer wurden nun auch die letzten Reste von Larsen B mit Schmelzwasser überflutet. Das Larsen-Schelfeis ist eine langgezogene Eisplatte, die an der östlichen Seite der Antarktischen Halbinsel „hängt“. Ein auf dem Meer schwimmender Eispanzer, der mit dem Land verbunden ist und durch die dortigen Gletscher gespeist wird. Der Untergang von Larsen B begann bereits 2002 in einem ähnlich warmen Sommer mit vielen Föhnstürmen. Damit ist der Seeweg im Nordteil der Halbinsel frei bis hin zum kontinentalen Eis. (jr)

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