Für Starkregensimulation und Verkehrsmanagement: Stadt Krefeld entwickelt 3D-Simulation

Aufmerksame Krefelder werden es in den letzten Tagen bereits bemerkt haben: immer wieder war im Luftraum über der nordrhein-westfälischen Stadt eine kleine Propellermaschine zu sehen und zu hören, die ihre Runden über das Stadtgebiet zog. Nur der wirklich aufmerksame Beobachter aber entdecke, dass im Rumpf des Flugzeugs eine Spezialkamera verbaut ist. Hintergrund ist ein Auftrag der Krefelder Stadtverwaltung an die Dortmunder Aerowest GmbH, das Stadtgebiet aus der Luft zu erfassen und auf dieser Basis eine eigene 3D-Stadtsimulation zu entwickeln.

Im Rumpf des Flugzeuges ist eine Kamera verbaut, die die speziellen Aufnahmen für die Simulation anfertigt. Foto: Aerowest GmbH

„Unser Fachbereich hat innerhalb der Verwaltung eine beeindruckende Digitalisierungs-Historie – und die neue 3D-Stadtsimulation soll sich hier nahtlos einreihen“, berichtet Udo Hannok, Leiter der Abteilung Geoinformationen in der Krefelder Stadtverwaltung. „Wir waren immer schon innovativ und haben beispielsweise bereits Ende der 1980er-Jahre als eine der ersten Kommunen überhaupt damit begonnen, unsere Karten zu digitalisieren. Die 3D-Simulation ist ein Wunsch, der schon damals erste Konturen angenommen hatte.“ Denn nicht nur die Bürgerschaft kann mithilfe der digitalen Anwendung ihre Stadt noch besser erkunden, sondern die ganze Verwaltung wird in vielen unterschiedlichen Bereichen davon profitieren können.

3D-Modell schafft neue Möglichkeiten in der Stadtplanung

„Nehmen wir hier den großen Bereich der Stadt- und Verkehrsplanung als Beispiel“, schildert Hannok weiter. Mit dem 3D-Modell wird es möglich, bei Realisierungswettbewerben 3D-Datensätze in die Simulation einzusetzen. So können Planungen digital unkompliziert im Modell sichtbar gemacht werden. „Wir können zum Beispiel einfach mal ausprobieren, wie sich ein neues Verwaltungsgebäude auf dem Theaterplatz in das Stadtbild einfügen oder welche Schatten ein potenzielles Windrad werfen würde, oder wir können das Werft-Gelände am Rhein in der Simulation umarbeiten“, erklärt Hannok. Für die Stadtplanung ergeben sich so viele neue Möglichkeiten. Aber nicht nur im Bereich des Neubaus soll die Simulation positive Impulse liefern, sondern auch rund um das Thema Katastrophenschutz versprechen sich die Experten neue Einblicke. „Die dreidimensionale Simulation zeigt auch, wie Überschwemmungen- und Hochwassersituationen sich auswirken würden“, erklärt Hannok.

Ähnlich verhält es sich mit dem Thema Verkehr. Mögliche verkehrstechnische Änderungen, Streckenerweiterungen oder Knotenpunktentwicklungen können durch das Programm besser verstanden und unter Umständen sogar visualisiert werden. Auch im Veranstaltungsbereich wird die Simulation helfen: Räumliche Strukturen werden wahrnehmbarer. Der städtische Mitarbeiter weist aber auch auf die Chancen für die Bürgerschaft hin. Planen Eigentümer, Veränderungen an ihrem Haus vorzunehmen, wird auch diese Planung durch die Simulation realistischer. Hannok erklärt, dass Architekten zum Beispiel mithilfe der digitalen Anwendung Verschattungen erkennen könnten. „Wir glauben, dass die 3D-Simulation für alle einen Mehrwert hat“, schließt er ab.

Projekt wird durch Gelder der „Smart CIty“ bezahlt

Möglich wird die Realisierung des Projektes durch Innovationsmittel der „Smart City“ (Intelligente Stadt). Diese Mittel werden im Dezernat für Digitalisierung verwaltet. Als Koordinator und „Chief Digital Officer“ (CDO) begrüßt Markus Lewitzki die Simulation und formuliert den Wert vor allem in Bezug auf die digitale Stadtentwicklung: „Smart City ist durch verschiedene Handlungsfelder geprägt, zu denen zum Beispiel Umwelt und Mobilität gehören. Das 3D-Modell stellt ein Querschnittsthema für alle Handlungsfelder dar. Es ist ein wichtiges Instrument für verschiedene Anwendungen und Visualisierungen.“

Der Fachbereich Vermessungs- und Katasterwesen war auf das Dezernat zugekommen, um die Projektidee vorzustellen und um finanzielle Unterstützung zu bitten. Lewitzki lobt das Vorgehen: „Genauso möchten wir es. Denn wir sind auf konkrete Projekte und Ideen aus der Verwaltung, aber auch aus der Bürgerschaft angewiesen. Nur so können wir gemeinsam die digitalen Bedarfe erkennen und darauf reagieren.“ Das sei ein dynamischer Prozess, der am Ende die Stadt für alle Seiten lebenswerter mache.

Bis die 3D-Simulation fertiggestellt ist, dauert es noch einige Monate. Die Datenerfassung ist bereits abgeschlossen, und das Flugzeug, das vom Dortmunder Flughafen gestartet ist, hat seinen Dienst erfüllt. Nun werden die Bilder in Simulationen übertragen. Das Team hofft, im Herbst eine Beta-Version präsentieren zu können. Anfang des kommenden Jahres soll die 3D-Simulation dann final fertiggestellt sein. (jr)

www.krefeld.de

www.aerowest.net