grit GmbH

Containertechnologie für GDI- und Geo-Portal-Aufbau

Mit deegree.PRO hat die grit GmbH ihren Open Source basierten Ansatz weiterentwickelt.

Dr. Brit Schnegelsberg und Niklas Schulte-Rose von der grit GmbH entwickeln das Geschäftsmodell des Unternehmens weiter in Richtung professionelle Services rund um moderne Open-Source-Technologie. Foto: grit GmbH

Geodateninfrastrukturen (GDI) sind heute nicht mehr wegzudenken. Die Bereitstellung von Geobasis- und Geofachdaten hat in den letzten Jahren in den meisten Kommunen intensive Formen angenommen – georeferenzierte Informationen zu Wasserpegeln, Lärmbelästigungen, zur Vegetation oder zur Umweltverschmutzung sind nicht nur Usus geworden, im Zuge der Klimakrise werden sie an Bedeutung zunehmen.

Da GDI in Sachen Datenvolumen, -komplexität und Nutzung förmlich explodiert sind, sind in gleichem Maße aber auch die Anforderungen gestiegen. Die Infrastruktur muss zum Beispiel nicht nur performant, zuverlässig, skalierbar, intuitiv bedienbar und funktional ausgereift sein, sondern auch den erhöhten Anforderungen an Datenschutz, Datensicherheit und anderen rechtlichen Rahmenbedingungen genügen. Vor dem Hintergrund des allgemeinen Mangels an IT-Fachpersonal eine schwierige Aufgabe, zumindest auf Basis der bisher verfügbaren Technologien für den GDI-Betrieb.

Moderne Cloud-Technologien wie Container können dieses Problem lösen. Sie sorgen für eine Entkopplung von Anwendung und Daten einerseits und dem Speicher beziehungsweise Recheneinheiten andererseits. Damit wird ein effizienteres Management von Anwendungsumgebungen ermöglicht.

Die allgemeinen Vorteile von Containern sind bekannt und haben in den letzten Jahren unter dem Schlagwort Cloud Native zahlreiche erfolgreiche, kommerzielle Webdienste hervorgebracht. Mit deegree.PRO bringt die grit GmbH eine Lösung auf den Markt, die diese Technologien speziell für den Aufbau von GDI und Geo-Portalen verfügbar macht. BUSINESS GEOMATICS sprach mit Dr. Brit Schnegelsberg (Vertriebsleitung) und Niklas Schulte-Rose (Geschäftsführer) über die neue Lösung:

Wie kann man Ihre neue Lösung deegree.PRO charakterisieren?

Dr. Brit Schnegelsberg: deegree.PRO ist eine Open Source-basierte Lösung, die um professionelle Dienstleistungen erweitert wurde. deegree.PRO macht aus dem Open Source Framework deegree dabei ein GIS-Produkt, das auf eigenständigen Software-Einheiten aufbaut, die cloudbasiert und dezentral implementiert, aber zentral verwaltet werden. Damit verfolgen wir konsequent den Open Source-Ansatz, unterstützen so die aktuellen Anforderungen des OZGs, Stichwort EfA-Prinzip. Gleichzeitig beziehen wir die Rechenzentren (RZ) in die Wertschöpfungskette mit ein.

Niklas Schulte-Rose: Die von grit angereicherten Komponenten unterstützen die professionelle Administration im RZ und ermöglichen es, weitere Open Source Komponenten, wie etwa Mapserver oder Masterportal, zu nutzen. Auch die Zusatzkomponenten sind vollständig Open Source.

Gibt es bereits Praxisbeispiele?

BS: Da gibt es einige, viele Vordenker unter den Entscheidern im Bereich der Öffentlichen Hand treiben das Thema voran. Zuletzt haben wir eine Ausschreibung zu einem Reengineering der Geodateninfrastruktur eines Bundeslandes gewonnen. Die Umsetzung findet derzeit statt. Aktuell arbeiten wir zudem an einem Proof of Concept für ein weiteres Bundesland.

Was ist der Hintergrund der Entwicklung von deegree PRO?

NSR: Es ist ja unsere Verantwortung als Softwarespezialist, die Potenziale moderner IT-Technologien zu heben. GDI müssen einfach, schnell, sicher, belastbar, zukunftsfähig und anpassbar sein. Ihr Betrieb darf gerade im Zeitalter des Fachkräftemangels nur wenige Personalressourcen auf allen Seiten erfordern. Container und Docker sind Schlüsseltechnologien, um diese Ziele zu erreichen.

Können Sie konkrete Beispiele nennen?

NSR: Nehmen wir das Management von Lastspitzen. GDI werden ja oft dann besonders stark genutzt, wenn Notlagen auftauchen. deegree.PRO ermöglicht eine völlig freie Skalierbarkeit der Rechenleistung. Lastspitzen können damit automatisiert kompensiert werden, auch wenn tausende Nutzer und Nutzerinnen parallel Daten abrufen.

Wie verändern sich die bisherigen Open-Source-Ansätze?

BS: Zum Teil sehr stark, denn das Zeitalter des bisherigen Open Source, bei dem der Endanwender zusätzliches Entwicklungs- und Management-Know-how aufbauen muss, neigt sich dem Ende zu. Open Source-Implementierungen können nämlich sehr viel individuelles Know-how in den Unternehmen und auch in der gesamten Wertschöpfungskette binden. Das macht eine nachhaltige Pflege der Softwarelandschaft nur schwer planbar. Für die Open Source-basierte Geodateninfrastruktur deegree.PRO übernehmen wir als grit professionelle Pflege und Supportbasierend auf EVB-IT-Verträgen. Hierfür zertifizieren wir die Mitarbeitenden gerade im Hinblick auf die Containerisierung, zum Beispiel zum CKA (Certified Kubernetes Administrator) oder zum CKAD (Certified Kubernetes Application Developer).

Verändern sich damit auch die bisherigen Rollen der unterschiedlichen Akteure?

NSR: Ja, mitunter sogar grundlegend. Und hier liegt eine große Chance. Die geodatenhaltenden Stellen können sich auf die Pflege ihrer Daten konzentrieren und die Rechenzentren auf die Bereitstellung moderner IT-Infrastruktur. Das schafft komparative Vorteile. Die Anwenderinnen und Anwender, insbesondere jene aus den Fachämtern und den Kommunen, bekommen nun vom RZ eine jederzeit skalierbare, zuverlässige, sichere und performante Anwendungsumgebung zur Verfügung gestellt. Wir als Hersteller übernehmen den professionellen Service rund um Datenmanagement, Software und Anwendungen. Wir schließen damit die Lücke zwischen Betrieb und Fachanwendung.

Welche Aufgabe haben speziell die Rechenzentren?

BS: Mit der Abkehr von der Desktopsoftware hin zu Internet-basierten Strukturen bekamen die Rechenzentren in der Vergangenheit auch die Verantwortung für das Management der Anwendungssoftware. Dies führte aber oft auch zu erhöhten Anforderungen. In der neuen Welt fokussieren sich die RZ auf den IT-Betrieb, die Anwender können sich auf ihre fachlichen Aufgaben konzentrieren. Das ist eine sinnvolle und effektive Rollenaufteilung, vor allem auch was die Weiterentwicklung der Anwendungsumgebung angeht, die einzelnen Zuständigkeiten können wieder klarer getrennt werden. Auch die Implementierung via Container ist einfach, schnell und effektiv. Das ist das Beste aus allen Welten: der Desktop-Systeme, der bisherigen Rechenzentrums-Logik und der Containerisierung.

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