Zunehmend achtet Europa auch bei Software mehr auf seine digtale Souveränität: genügt das Produkt deutschen und EU-Vorschriften? Könnte Software per „Kill Switch“ aus der Ferne deaktiviert werden? Kann ein Hersteller bei Fehlern oder infizierter Software nach deutschem und europäischem Recht belangt werden? So richtet sich der Blick mehr auf lokale Anbieter – und findet sogar Innovationen, welche den außereuropäischen Anbietern weit voraus sind. Ein Blick auf „heimische“ Software lohnt also.
Ein Beispiel sind Datenwürfel. Tatsächlich wurde das Prinzip Datenwürfel ursprünglich vom rasdaman-Team an deutschen Unis erdacht, belegt durch Patente und über 200 wissenschaftliche Veröffentlichungen. Die rasdaman-Anfragesprache wurde 2019 in den weltweiten Datenbank-Standard SQL aufgenommen (der bisher einzige Teil von SQL, welcher von Europa beigetragen ist). Während die Forschung für kontinuierliche weitere Innovationen sorgt, hat eine dedizierte Ausgründung, die rasdaman GmbH, die kommerzielle Unterstützung übernommen.
Im Kern bilden Datenwürfel die nächste Generation von Raster-Diensten: statt einer Unmenge von Dateien wird dem Benutzer ein raum-zeitliches Gebiet angeboten, wie es der Intuition entspricht. Wie sich herausstellt, wird allerdings auch die Programmierung stark vereinfacht.
Das gilt auch für KI. Derzeit erfordert die KI-gestützte Auswertung von Rasterdaten immer noch Experten – alleine die mundgerechte Datenaufbereitung für KI kann weit über 100 Python-Zeilen erfordern. Mit den AI-Cubes von rasdaman reduziert sich dies auf zwei einfache Zeilen, beim Einsatz von Agentic AI entfällt Codierung sogar völlig. Auch Nicht-Experten können in ihrer eigenen natürlichen Sprache Aufgaben stellen; die KI sucht, in Zusammenarbeit mit dem Datenwürfel-Server, die geeigneten Daten, erstellt beliebig komplexe Anfragen, welche rasdaman effizient löst. „Mit AI-Cubes können Nutzer ihre eigenen KI-Modelle hochladen und ausführen, wobei für jede Anfrage indivduell die Zuverlässigkeit vorab durch den Server eingeschätzt wird“, sagt Geschäftsführer Professor Peter Baumann und ergänzt „auf Wunsch ist die KI auch DSGVO-konform“.

Für die KI ist das vorteilhafter und mit erheblich verbesserter Zuverlässigkeit verbunden – rasdaman ist „LLM-friendly“. Die Daten sind in unterschiedlichen Formaten? Liegen gar auf unterschiedlichen Servern, auf anderen Kontinenten, auf einem Satelliten? Die ortstransparente Föderation von rasdaman erzeugt eine einheitliche Sicht. Das ist seit Jahren im praktischen Einsatz in EarthServer, wo unabhängige Institutionen von Alaska über Europa bis Aisen insgesamt über sechs Petabyte bereitstellen. Ein wesentlicher Unterschied von rasdaman zu Föderationen wie Wekeo ist dabei die komplette Ortstransparenz, bis hin zu automatischer verteilter Datenfusion.
All diese Funktionalität ist über OGC/ISO-Standards abrufbar, von einfacher Karten-Visualisierung mit Leaflet über Web-GIS wie QGIS und ArcGIS, bis hin zur mächtigen Datenwürfel-Anfragesprache WCPS. Weiterhin ist rasdaman die (einzige) offizielle „Good Practice“ für Rasterdaten in INSPIRE, validiert mit allen OGC- und INSPIRE-Konformitätstests.
„Diese Technologie, welche seit Jahren bei Behörden, Industrie und Forschung im Einsatz ist, wurde vollständig in Deutschland entwickelt“, erläutert Baumann. „Im Gegensatz dazu ist bei manchen Open-Source Projekten das Know-How über mehrere Kontinente verstreut, und sind kommerzielle Produkte wie ArcSDE, welches ursprünglich rasdaman nachbilden wollte, wieder vom Markt verschwunden. Und auch Oracle hat bei der Standardisierung der Datenwürfel-Anfragesprache nicht für sein eigenes Produkt, GeoRaster, sondern für rasdaman gestimmt.“
Diese technologische Führung durch föderierte AI-Cubes, die Interoperabilität, Ausgereiftheit und einfache Handhabung machen rasdaman zum Werkzeug der Wahl für moderne, leistungsfähige und kostengünstige Geodienste. Gängig ist etwa eine Kombination mit PostGIS, GeoServer oder STAC, welche starke Vektor- und Metadatenhaltung bieten, jedoch auf Rasterdaten weniger leistungsfähig sind, lassen sich auf Basis der OGC-Standards vorteilhaft mit der mächtigen raum-zeitlichen Raster-Funktionalität von rasdaman kombinieren.
Auch ökonomisch ist rasdaman attraktiv, etwa beim Thema Open-Source, wo gerade im Kontext digitaler Souveränität in Europa engagierte Diskussionen stattfinden. Entgegen mancher Meinung ist Open-Source in Geschäftsmodell, kein Informatik-Konstrukt und nicht per se entscheidend über die Qualität des Codes. Das rasdaman-Team sieht die Vorteile beider Ansätze, proprietär und open-source, und bietet daher rasdaman wahlweise als open-source rasdaman community oder als rasdaman enterprise an, beide mit der gleichen hohen Software-Qualität, z.B. Nightly Builds mit Regressionstests. „Mit unserem akademischen Hintergund haben wir große Sympathien für Open-Source, und kombinieren das mit rigorosem industriellen Software Engineering “ erläutert Baumann, der selbst bereits mehrere Datenbanksysteme entworfen hat.
Diese vorteilhafte Kombination aus Industrie und Forschung hat rasdaman seinen Vorsprung verschafft und führt beständig zu hochinnovativen, jedoch immer praktisch relevanten Fortschritten. Zwei aktuelle Projekte, in denen die rasdaman-Technologie weiterentwickelt wird, sind FAIRgeo (fairgeo.org) und SkyFed (skyfed.org), beide gefördert durch die Europäische Kommission und Bremen. Damit definiert rasdaman auch weiterhin den Stand der Technik bei flexiblen, mächtigen und dabei einfach handzuhabenden Datenwürfel-Diensten.
Mehr zu rasdaman: rasdaman.org
