infrest wächst deutschlandweit und baut zudem das Dienstleistungsangebot rund um die Leitungsauskunft aus.

Leitungen zwischen Erzeugungsanlagen (beziehungsweise Speicherparks) und dem Stromnetz müssen professionell beauskunftet werden. Grafik: DipuChandra / adobe.stock.com
Bei der infrest – Infrastruktur eStrasse GmbH stehen die Zeichen auf Wachstum. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr mehr als 812.000 Leitungsanfragen und Meldungen über das Portal Leico – Leitungs-check-online deutschlandweit an Infrastrukturbetreiber verschickt. Zudem wurden in den ersten acht Monaten 2025 bereits rund 9.500 Anträge über das Leico-Portal an die öffentliche Verwaltungen in Berlin gestellt – ein Plus von über 13% im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der im Leico Portal hinterlegten Infrastrukturbetreiber stieg inzwischen auf 18.000, was einen großen Schritt Richtung Vollständigkeit für Deutschland bedeutet. In Folge dieses Wachstums hat infrest auch die Geschäftsführung erweitert. Mit Wirkung vom 1. Juli 2025 steht Andrea Pieper auf Beschluss der Gesellschafterversammlung neben Jürgen Besler an der Spitze von infrest. Andrea Pieper übernimmt diese Aufgabe zusätzlich zur Geschäftsführung der KKI – Kompetenzzentrum Kritische Infrastrukturen GmbH, ebenso wie infrest ein Tochterunternehmen der NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg. Bei infrest ist sie für den kaufmännischen und IT-Bereich zuständig, während Jürgen Besler den Vertrieb sowie die Kundenbetreuung verantwortet. Gemeinsam wollen sie die Wachstumsstrategie des Unternehmens weiter stärken.
EEG als Wachstumsfaktor
Für die Wachstumspläne gibt es gute Gründe. Neben dem steigenden Bedarf an einer sicheren, effektiven und vollständigen Leitungsauskunft im Infrastruktur-Land Deutschland sind es beispielsweise auch neue Akteure, die in den Markt kommen. Vor allem die Netzbetreiber aus dem Bereich Regenerative Energien, also Betreiber von Solar-, Wind- und Batterieparks, die neue Leitungen (Netzanschlüsse) bauen. Diese haben zwar nur eine geringe Netzlänge, mit ihren deutschlandweit verteilten Anlagen entsteht aber viel Aufwand für die Bearbeitung der Anfragen. Zudem sind die Betreiber oft nicht mit den leistungsfähigen Netzinformationssystemen ausgestattet, wie sie bei Versorgern üblich sind. Dafür hat infrest spezielle Angebot entwickelt. Die Betreibergesellschaften können ihre IT-Lösungen beispielsweise an das Metasystemportal Leico anbinden oder die Auskunftsprozesse komplett in die Hände der infrest legen.
Konkret hat infrest auf Basis des Leico-Portals zwei Software-as-a-Service-Lösungen entwickelt, die die Richtlinien des DVGW, VDE-FNN etc. berücksichtigen und ohne großen Aufwand eingeführt werden können: Einmal ein Modell für den halbautomatisierten Auskunftsprozess und einen für den vollautomatisierten. „Bei Standardanfragen bevorzugen die Netzbetreiber oft den Aufbau unserer automatischen Planauskunftslösung infrest APLA“, beschreibt Geschäftsführer Jürgen Besler. Dabei werden die Leitungspläne für die über Leico eingehenden Leitungsanfragen automatisch mittels einer webbasierten GIS-Lösung über einen WebMap-Service (WMS) erzeugt. Die so erzeugten Pläne können dann gemeinsam mit allen notwendigen Unterlagen in einem vollautomatischen Prozess zur Verfügung gestellt werden. Eine Softwareinstallation auf der Seite der Netzbetreiber ist nicht notwendig. Zudem werden die verschickten Leitungsauskünfte revisionssicher in einem digitalen Archiv für mindesten sechs Jahre hinterlegt.
Die Alternative ist ein halbautomatisierter Prozess mit der infrest Auskunftsdatenbank (ADB). Wie bei der automatischen Planauskunft auch stellen die Leitungsbetreiber im Vorfeld- keine Informationen zu den Leitungsverläufen zur Verfügung, sondern hinterlegen in Leico lediglich eine Fläche, für die sie Anfragen zu Baumahmen bekommen möchten (Zuständigkeitsfläche). Auf dieser Basis werden die Anfragen vorselektiert: Alle Anfragen außerhalb der Zuständigkeit werden nicht weitergeleitet. Diese „Nicht-Zuständigkeits-Anzeigen” werden automatisiert in Leico abgehandelt, was den Betreibern enormen Aufwand spart. Betreiber bearbeiten dann nur jene Anfragen mit Betroffenheit, die dann strukturiert über standardisierte Prozesse ankommen und so effektiver bearbeitet werden können. Alle zuständigen internen Bereiche und Abteilungen werden bei der halbautomatischen Planauskunft gebündelt und workflowbasiert am Auskunftsprozess beteiligt.
Neue Kunden

Die erweiterte infrest Geschäftsführung: Jürgen Besler und Andrea Pieper. Foto: Infrest
Ein Nutzer für die teilautomatisierte infrest Auskunftsdatenbank ist die in Dresden ansässige VSB Service GmbH, einer der führenden vertikal integrierten Entwickler im Bereich der Erneuerbaren Energien in Europa, der rund 470 Windenergieanlagen und PV-Anlagen in Deutschland betreibt und einen Rundumservice für andere Anlagenbetreiber bietet. Die VSB hat ihre Prozesse an die infrest outgesourct und die Netzbereiche in Leico kostenfrei hinterlegt. Eva-Maria Knobloch, Abteilungsleitung Technische Betriebsführung: „Wir suchen immer nach innovativen Lösungen, um die von uns geführten Anlagen möglichst sicher und effizient zu betreiben. Dadurch dass wir unsere Anfragen zentral über das Leico-Portal abwickeln und dort unsere Netzbereiche exakt definiert haben, konnten wir die Anfragezahlen erheblich verringern.“ Wichtig sei dabei, dass alle Leitungsanfragen vollständig dokumentiert werden und jede Anfrage vor der Beantwortung noch einmal einen Prüfprozess durchläuft. Die mit infrest definierten Prozesse wurden ausführlich getestet und standardisiert umgesetzt. „So sind wir sicher, dass die erteilten Leitungsauskünfte unseren Qualitätsanforderungen entsprechen“, sagt Knobloch.
Ein weiterer neuer Dienstleistungskunde der infrest ist die enercity Erneuerbare GmbH. Das Unternehmen aus dem ostfriesischen Leer plant und betreibt ebenso Windenergie-, Photovoltaik- und Stromspeicher-Lösungen auf Freiflächen. Derzeit sind allein 361 Windenergieanlagen in Deutschland im Betrieb, zusätzlich 79 Anlagen Dritter in der Betriebsführung, wobei das Unternehmen die gesamten Auskunftsprozesse vollautomatisiert über Leico durchführen lässt. „Die Unternehmen haben die freie Wahl für die Nutzung der Leico-Auskunft, häufig ist die interne GIS-Ausstattung ein Faktor für die Entscheidung. Unternehmen aus dem Bereich kritischer Infrastruktur, die ein besonderes Gefährdungspotential haben, bevorzugen oft eine halbautomatische Bearbeitung von Leitungsanfragen“, so Jürgen Besler.
Erweiterungen beim Baustellenatlas
Auch der infrest Baustellenatlas (BSA), seit vielen Jahren ein deutschlandweites Angebot für Kommunen, wurde erweitert. Gemeinsam mit der co4e GmbH, einem Spin-off des Deutschen Institut für Luft- und Raumfahrt (DLR), wurde eine Funktion für die Simulation von Verkehr (SUMO) implementiert. Planer von Baumaßnahmen können so feststellen, wie sich die notwendigen Straßensperrungen auf den städtischen Gesamtverkehr auswirken. Dazu hat infrest ein Pilotprojekt mit dem DLR und den Berliner Wasserbetrieben abgeschlossen, bei dem die Auswirkungen von Baumaßnahmen auf den Verkehrsfluss analysiert und verschiedene Verkehrsführungsszenarien verglichen wurden. Auf der diesjährigen SUMO User Conference 2025 im Mai in Berlin wurde der Beitrag „Towards Improved Traffic Impact Assessments for Construction Sites“ bereits prämiert.
Projekte in Berlin sind für infrest ein Umfeld für die Entwicklung neuer Funktionen und Lösungen. In der Metropole können über Leico auch rechtlich relevante Genehmigungen und Anträge gestellt werden. Dazu gehören verkehrsrechtlichen Anordnung (§45 StVO) Genehmigungen nach dem Telekommunikationsgesetz (§127 TKG) oder Sondernutzungen nach §12 BerlStrG. Ebenso sind vereinfachte Anzeigeverfahren für geringfügige bauliche Maßnahmen gemäß der neuen AV 100/120 digital möglich. „Solche Funktionen kann die infrest bei Kommunen in Deutschland genau wie den Baustellenatlas implementieren“, beschreibt Besler das erweiterte Dienstleistungsangebot.

