lat/lon entwickelt das Ökosystem rund um die xPlanBox weiter und fördert damit die Digitale Souveränität in der Bauleitplanung.
Die Smart Country Convention (SCCON) in Berlin ist über die vergangenen Jahre immer mehr zu einem wichtigen Branchentreffpunkt in der Digitalisierung des öffentlichen Sektors in Deutschland geworden. Das erklärt sich vor allem aus dem Themenmix, u.a. aus Digitaler Verwaltung, KI & Cloud-Technologien sowie Energie & Nachhaltigkeit. Damit bietet die SCOON auch für Firmen wie der lat/lon GmbH, die schon seit Jahrzehnten in der Geoinformationsbranche erfolgreich sind, das richtige Format zur Vernetzung und zur Präsentation der eigenen Dienstleistungen. Open Source und freie Software nehmen dieses Jahr mit dem OS-Park der Open Source Business Alliance (OSBA, Halle 25) eine zentrale Rolle ein – ein Trend, der sich auch in der jüngsten EVB-IT-Reform widerspiegelt, die konsequent auf offene Standards setzt. Hier wird lat/lon mit ihrem Schwerpunkt auf offenen Lösungen rund um die Bauleitplanung vertreten sein.
Die Anforderungen für eine digitale Verwaltung steigen. Mit der kommenden Aufnahme des Datenstandards XPlanung in das BauGB gilt es, einen medienbruchfreien Datenaustausch zwischen Kommunen, Planungsbüros und Behörden bei Planungsverfahren durchgehend zu implementieren – mit dem Potential, Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse in der Bauleitplanung zu beschleunigen. „Es hat sich in den letzten Jahren ein großes, sehr produktives Open Source Ökosystem rund um den Standard XPlanung entwickelt“, sagt Geschäftsführer Torsten Friebe. Die Firma lat/lon hat, im Sinne der Novelle, bereits 2022 mit der xPlanBox eine wichtige Softwarekomponente auf der openCode-Plattform veröffentlicht. Damit steht der Verwaltung von kommunaler bis zur landesweiten Ebene eine vollständige Lösung zur Datenhaltung und -verwaltung von Bauleit-, Flächennutzungs- und Landschaftsplänen sowie Plänen der regionalen und landesweiten Raumordnung zur Verfügung. Im Rahmen von OZG und der DiPlanung-Plattform wird die xPlanBox nach dem „Einer-für-Alle“-Prinzip genutzt und weiterentwickelt.

Zusammenwirken und Schnittstellen der QGIS-basierten Lösung zur Erstellung von Bauleitplänen XMAS und der XPlanBox. Grafik: lat/lon
Wachsendes Ökosystem
Eine wichtige Komponente dieses Ökosystems sind quelloffene QGIS-Plugins. So hat die XLeitstelle das QGIS XMAS-Plugin auf openCode veröffentlicht, welches die Erstellung, Visualisierung, Digitalisierung und Bearbeitung von Plänen in QGIS ermöglicht. Das Plugin ist sehr umfassend und ermöglicht die Bearbeitung von Bebauungs- und Landschaftsplänen. „Wem dies für den Einstieg zu komplex ist, kann mit dem QGIS XPlan-Umring-Plugin des Kreises Viersen XPlanGML aus Umringgeometrien und georeferenzierten Planzeichnungen erzeugen“, erklärt Friebe. Mit dem ergänzenden XPlan-Reader-Plugin zum Import und zur Anzeige von XPlanGML-Dateien steht zudem ein Werkzeug für die Prüfung und Anzeige in QGIS zur Verfügung.
Um diese Plugins zusammen mit der xPlanBox nun nutzen zu können, hat die Firma lat/lon das xPlan- Box-Plugin für QGIS entwickelt, das die Verwaltung der in QGIS erstellten XPlanGML-Dateien ermöglicht. Somit kann der Workflow von der Erstellung bis zur Pflege von bestehenden XPlanungsdaten vollständig in QGIS ausge- führt werden. Die Erstellung und das Datenmanagement erfolgt in QGIS, die zentrale Datenhaltung übernimmt die xPlanBox.
Was das Angebot von lat/lon von anderen Dienstleistern unterscheidet: „Unser Angebot basiert ausschließlich auf Open Source Software, ohne versteckte Abhängigkeiten zu Big-Tech Cloud-Angeboten oder unfreier Software“, sagt Friebe. „Unsere Software kann innerhalb eigener IT-Infrastrukturen genutzt werden, bei einem Hoster der Wahl oder eben als Komplettpaket von lat/ lon.“ Letzteres bedeutet maximale Flexibilität und auch Sicherheit: „Die meisten verbinden einen verlässlichen Anbieter mit Unternehmensgröße und Marktführerschaft, es ist aber genau umgekehrt: „Eine lange Kunden-Beziehung sagt per se nichts über Vertrauen und Nachhaltigkeit einer Softwarelösung aus – oft zeigt sie nur, dass ein Anbieterwechsel nie ausprobiert oder als zu aufwendig eingeschätzt wurde“, so Friebe.
Ein wichtiges Stichwort dazu ist die digitale Souveränität in der öffentlichen Verwaltung. „Sie ist nicht abstrakt, sondern ermöglicht eine tatsächliche Wahlfreiheit und entsteht konkret durch quelloffene und interkommunal geteilte Software sowie in der Weiterentwicklung in einem Ökosystem mit kompetenten Partnern rund um den Standard“, ist der Geschäftsführer überzeugt. So hat lat/lon in der aktuellen Version ein Migrationstool integriert, mit dem sich Daten aus und in die xPlanBox übertragen lassen. Der Wechsel des Betreibers ist somit schon in die Software integriert.
Der weitere Weg
Mit der Erweiterung des Angebots auf die Integration der xPlanBox in QGIS will lat/lon sowohl die technischen Hürden für Kunden senken als auch die Expertise zur Nutzung der QGIS-Plugins als Dienstleistung anbieten. Zusammen mit der mundialis GmbH, ein auf Geodaten und Erdbeobachtung spezialisiertes Unternehmen aus Bonn, beabsichtigt das Unternehmen die Möglichkeiten von KI mit spezialisierten Sprachmodellen in der xPlanBox zu integrieren.
Die von mundialis entwickelte Software actinia copilot URBAN kann natürlichsprachliche Anfragen in geoprozessierte Ergebnisse übersetzen. Der darauf basierende Chatbot kann beispielsweise Abfragen von Bauleitplänen („Welche Flächen sind als Mischgebiet ausgewiesen?“) oder textliche Festsetzungen in leichte Sprache übersetzen.
Ein agentisches LLM interpretiert die Anfrage, routet sie an die Geoprocessing-Engine (actinia) und liefert schlussendlich Karten, Daten und Erklärungen. Zentral dabei ist, dass alle Komponenten auf Open Source Software und Open-Weight-KI basieren, um Vendor-Lock-in, Token-Steuerung und Abhängigkeit von Big-Tech-Anbietern zu vermeiden.
Statt auf die globalen Allzweck-LLMs zu setzen, basiert die Lösung auf offenen, anpassbaren Sprachmodellen, etwa der SauerkrautLM-Familie des Bad Honnefer Unternehmens VAGO Solutions, das auf offenen Modellen wie Mistral, Llama oder Gemma basiert. Es fällt unter die Bezeichnung Small Language Models (SLMs). SLMs sind auf konkrete Fragestellungen spezialisiert und zeichnen sich durch einen deutlich geringeren Rechen- und Energiebedarf aus. Wegen der geringen Größe lassen sie sich auf eigener Hardware (On-Premise/lokal) oder in einer eigenen Cloud-Umgebung betreiben, statt zwingend über die API eines externen Großanbieters zu laufen.
So lässt sich KI auch DSGVO-konform nutzen und passt in den Open Source Stack der xPlanBox. „Ein Modell, das durch die kommenden gesetzlichen Verpflichtungen wie den EU AI Act noch an Bedeutung gewinnen dürfte“, schätzt Friebe. Ein Thema, das auf der SCCON intensiv diskutiert werden dürfte.
