INTERVIEW: Im Interview gibt iNovitas CEO Dr. Hannes Eugster Auskunft über die KI als Treiber für datenbasiertes Infrastrukturmanagement.

Foto: iNovitas AG
Beim Betrieb von Infrastruktur sind aktuelle Bestands- und Zustandsdaten unerlässlich, um Unterhalt, Investitionen und Planungen zu sichern und zu optimieren. Gleichzeitig bergen die wachsenden Datenmengen auch Herausforderungen. Künstliche Intelligenz verspricht dabei neue Möglichkeiten, indem sie Informationen automatisiert ableitet und Prozesse beschleunigt. Wie sich diese Entwicklungen in der Praxis nutzen lassen und welche Rolle dabei offene GIS- und Systemintegrationen spielen, erläutert Dr. Hannes Eugster, CEO der iNovitas AG, im Gespräch mit BUSINESS GEOMATICS.
Welche Bedeutung kommt KI heute im Infrastrukturmanagement zu?

Dr. Hannes Eugster. Foto: iNovitas AG
Viele Infrastrukturbetreibende verfügen über große Datenbestände, können diese jedoch nur mit erheblichem personellem Aufwand auswerten und aktuell halten. Mit KI lassen sich relevante Erkenntnisse für operative und strategische Entscheidungen automatisiert gewinnen. Dabei geht es weniger darum, Fachpersonen zu ersetzen. KI unterstützt bei Routineaufgaben und schafft Freiraum für Tätigkeiten, die Erfahrung und Fachwissen erfordern.
Welche Anforderungen werden heute an moderne Infrastrukturdaten gestellt?
Der Anspruch hat sich in den vergangenen Jahren verlagert. Früher stand häufig die reine Datenerfassung im Vordergrund. Heute werden aktuelle und möglichst automatisiert verfügbare Informationen benötigt. Ziel sind Prozesse, die digitale Informationen regelmäßig und automatisiert mit der Realität abgleichen. Die eigentliche Herausforderung liegt heute aber weniger in der Datenerfassung als in der Nachführung, Qualitätssicherung und wertbringenden Anwendung der Daten. Vorhandene Daten müssen organisations- und systemübergreifend nutzbar sein, wofür standardisierte Schnittstellen und ein barrierefreier Datenaustausch Voraussetzung sind.
Wo sehen Sie den größten Nutzen für Gemeinden, Städte und Versorgungsunternehmen?
Moderne KI-Verfahren erkennen und klassifizieren Objekte oder Straßenzustände automatisiert aus den hochauflösenden und georeferenzierten 3D-Bilddaten der digitalen Straße. Verkehrsschilder, Lichtmasten, Hydranten, Schächte, Bäume aber auch Werkleitungsobjekte lassen sich so effizient erfassen, abgleichen und auswerten. Das reduziert den Aufwand manueller Datenerhebung und verbessert gleichzeitig die Datenqualität und Aktualität. Erforderliche Entscheidungsgrundlagen für Unterhaltsplanungen, Investitionen und langfristige Entwicklungs- und Werterhaltungsstrategien stehen so schneller zur Verfügung.

Anwendungsbeispiele von infra3D. Neben Gemeindeverwaltungen arbeiten auch Ingenieurbüros und Werke mit den infra3D Bild- und Punktwolkendaten. Foto: iNovitas AG
Viele Infrastrukturbetreiber arbeiten bereits mit GIS- und Fachsystemen. Wie gelingt die Integration?
Die Anbindung an bestehende Systemlandschaften ist aus unserer Sicht zentral. Infrastrukturbetreibende möchten bestehende Prozesse und Fachsysteme weiterentwickeln, ohne neue Datensilos zu schaffen. Deshalb verfolgen wir mit infra3D einen konsequent offenen Ansatz, so dass sich die Digitale Straße sowie daraus abgeleitete Daten und Informationen in bestehende GIS-, Fach- und Asset-Management-Systeme barrierefrei integrieren und im gewohnten Arbeitsumfeld nutzen lassen. So lassen sich Inhalte einfach überprüfen, schneller aktualisieren und in unterschiedlichen Fachanwendungen weiterverarbeiten.
Wie sehen Sie die Zukunft von KI im Infrastrukturmanagement?
Wir stehen an einem spannenden Punkt der Entwicklung. In Zukunft werden wir deutlich mehr Automatisierung bei Inventaren und Analysen aus Mobile-Mapping-Daten sehen. Gleichzeitig wird die Aktualität digitaler Zwillinge stärker in den Fokus rücken. Der Trend geht eindeutig von der einmaligen, sehr umfangreichen und präzisen, Erfassung hin zu einem laufenden und automatisierten Abgleich des digitalen Zwillings mit der Realität. Veränderungen werden dadurch schneller sichtbar. Nur aktuelle und damit gültige digitale Abbilder schaffen es, bestehende Geschäftsprozesse zu transformieren. Großes Potenzial sehen wir in durchgängigen Daten- und Systemlandschaften. Organisationen, die ihre Datenflüsse, GIS-Landschaften und Betriebsprozesse sinnvoll miteinander verknüpfen, werden die größten Effizienzgewinne erzielen. Die nächsten Jahre werden deshalb nicht nur von den KI-Möglichkeiten selbst, sondern vor allem vom Umdenken und Etablieren neuer Prozesse und Datenworkflows geprägt sein.
FREE WEBINAR: Am 10. November 2026 bietet die iNovitas ein kostenloses Webinar zum Thema KI im Infrastrukturmanagement an.
INOVITAS AG – HALLE C6 STAND F103
infra3D stellt einen hochaufgelösten, intelligenten digitalen Zwilling des Straßenraums bereit. Mit dieser digitalen Straße sind Informationen jederzeit verfügbar, unabhängig vom Mobile-Mapping-Anbieter. Nutzende können daraus Merkmale und Zustände direkt aus dem digitalen Abbild interaktiv oder mit Hilfe von KI basierten Applikationen automatisiert ableiten. Klassische Anwendungsbereiche für infra3D sind etwa die Zustandserfassung und -bewertung von Straßen, die Inventarisierung von Infrastruktur- und Straßenraumobjekten, oder die Planung, Projektierung und Bestandsdokumentation.

